Vorratsdatenspeicherung: Breite Experten-Ablehnung

02. Dezember 2009 11:12
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    Foto: fotodienst rauchensteiner

ISPA-Generalsekretär: "Beste Umsetzung ist nicht umsetzen"

Da die Umsetzung der EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung nun auch in Österreich unvermeidlich erscheint, hat das Wiener Zentrum für Rechtsinformatik (WZRI)  gestern, Dienstagabend, zur Podiumsdiskussion im nach wie vor besetzten Audimax der Universität Wien geladen. "Die beste Umsetzung ist, sie nicht umzusetzen", betonte dabei Andreas Wildberger, Generalsekretär des Branchenverbandes ISPA .

Während diese Einschätzung breite Zustimmung fand, ist freilich davon auszugehen, dass über kurz oder lang eine Umsetzung auf Basis des Gesetzesvorschlags des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Menschenrechte (BIM) erfolgen wird. Das BMI selbst will den Entwurf dabei nicht als Freibrief zur Umsetzung verstanden wissen, sondern fordert endlich eine umfassende Diskussion der auch in anderen Mitgliedsstaaten scharf kritisierten EU-Richtlinie.

Nutzungsbegehrlichkeiten

Eine Gefahr der Vorratsdatenspeicherung ist auch, dass sie neue Begehrlichkeiten schafft. So meinte der Wiener Rechtsanwalt Felix Daum, dass man darüber diskutieren müsste, ob die Daten zur Durchsetzung von Urheberrechten im Internet genutzt werden können. Dass somit implizit Filesharer nun schon mit Terroristen und organisierter Kriminalität - denen richtliniengemäß mittels Vorratsdatenspeicherung beigekommen werden soll - gleichgesetzt werden, stieß bei Publikum und Podium auf eher begrenztes Verständnis.

"Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass einmal vorhandene Daten Bedürfnisse zur Nutzung entstehen lassen", warnte etwa Andreas Krisch, Präsident der Bürgerrechtsorganisation European Digital Rights (EDRi) . "Die EU-Richtlinie würde entsprechende Schlupflöcher bieten", meinte wiederum Doris Liebwald, Geschäftsführerin des WZRI.

Grundmisstrauen statt Diskussion

Wie Liebwald betonte, wurde die EU-Richtlinie ohne große politische Diskussion und auf fragwürdigem Wege durchgepeitscht. Letzteres hat mit die Basis für die Klage der Republik Irland gegen die Richtlinie gebildet, die im Februar vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) abgewiesen wurde. Letztendlich stehe die Vorratsdatenspeicherung auch im krassen Widerspruch zur etwa vier Jahre älteren EU-Datenschutzrichtlinie, so Liebwald.

Wildberger kritisierte, dass durch die verdachtsunabhängige Verkehrsdatenspeicherung das "Grundvertrauen in Bürger in ein Grundmisstrauen umgewandelt" werde. Auch Christof Tschohl vom BMI unterstrich, dass mit dem eigenen Entwurf grundrechtliche Bedenken zur EU-Richtlinie keineswegs ausgeräumt sind. "Die grundsätzliche, bisher nicht geführte Debatte, muss definitiv noch geführt werden", betont der Menschenrechtsexperte. Seitens der Internet-Wirtschaft wiederum wird angesichts der wohl unvermeidlichen Umsetzung auch eine praktische Diskussion - etwa zur Kostenfrage - eingemahnt.

Gesamteuropäische Rechtsbaustelle

Die EU-Richtlinie hat jedenfalls eine gesamteuropäische Rechtsbaustelle hinterlassen, in deren Bearbeitung viele andere EU-Staaten Österreich klar voraus sind. Das betrifft keineswegs nur die Umsetzung. In Rumänien, wo wie in Österreich nur die minimale Speicherdauer vorgesehen war, hat der Verfassungsgerichtshof die nationale Umsetzung der Richtlinie bereits aufgehoben. Im Urteil wurde unter anderem kritisiert, dass Ausnahmen vom Fernmeldegeheimnis zur Regel gemacht werden. Auch in Bulgarien gab es bereits ein Gerichtsurteil zu Ungunsten der Vorratsdatenspeicherung.

In Irland ist laut EDRi ebenfalls bereits eine Klage anhängig, eine weitere vor dem Tschechischen Verfassungsgerichtshof sei in Vorbereitung. Die größte Vorbildwirkung für Österreich könnte freilich auch bei der Vorratsdatenspeicherung Deutschland haben. Dort wird sich der Bundesverfassungsgericht ab 15. Dezember mit einer Sammel-Verfassungsbeschwerde gegen die nationale Umsetzung befassen. (pte)

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13 Postings
ich finde keinen namen
08.12.2009 22:50
ach das geht schon

wenn sich jeder terrorist, freiwillig meldet und den trojaner frei haus installiert, damit die überwacher mitlesen können....
dann klappts auch.

0Stoney0
02.12.2009 20:51
Vor Monaten war der einstimmige Tenor

hier:
Na und, hab ja nichts zu verbergen.

Jetzt beim Endspurt sind alle einer Meinung.

Dabei werden wir schon bald mit etwas neuem nach Beispiel Frankreich konfrontiert werden.

Internetzensur und Internetsperren bei sogenannten - illegalen Downloads.

Auf welchem Schoß sitzt wer in Brüssel? content Industrie auf Paranoia oder umgekehrt?

Und dem Volk wird nur mehr misstraut.
Motto: Pauschal verdächtigt - sicher ist sicher.

MemoryDragon
03.12.2009 09:55

Das ist teilweise auch lokal verursacht, sind wir mal ehrlich Vorratsdatenspeicherung, Swift etc... das sind Dinge die aus dem Ministerrat kommen, und das sind idr die lokalen Innenminister!
Die nächste Stufe wird grade gezündet das geheim verhandelte ACTA abkommen, das seit mehr als einem Jahr durch die Medien geistert. Wird wieder genauso laufen. Die USA fordern, unsere Innen und Aussenminister knieen wie die Vasallen, hintennach gehts durch die EU Hintertür Ministerrat durch und am Ende ist die EU schuld und wir wollten eigentlich nicht. Siehe auch SWIFT Abkommen wo unsere Regierung "Haltung" bewiesen hat indem sie sich enthalten hat. Naja Buckeln ist auch eine Haltung! Am Ende ist sowieso die EU schuld!

werner b.
02.12.2009 17:25

Mich wundert es, dass sich die Wirtschaftstreibenden das überhaupt gefallen lassen. Sämtlicher Datenverkehr, Telefonverbindungen und Zahlungsdaten über SWIFT, wie eine N.tte mit gespr..zten Beinen...
"Begehrlichkeiten" wird es bald geben und der (illegale) Datamining-Markt wird explodieren.

t_e_l_e
02.12.2009 16:16
danke lieber standard

dieser artikel ueber die verhinderung zur vorratsdatenspeicherung schafft es nicht auf die frontpage.
die general verdaechtigung der content verwerter
(http://derstandard.at/125928103... oeglichen)
wird wohl tage lang dort verweilen duerfen

und nebenbei bemerkt recheriert futurezone zum dem thema ein wenig mehr und bringt mehr infos zu tage als es hier geschieht.
wundert mich stark, das grad derstandard als "besseres" medium sich in der diskussion nicht stark macht

daze
02.12.2009 13:58
BIM <> BMI

Der Herr Tschohl ist vom BIM (Boltzmann Institut für Menschenrechte) und nicht vom BMI (Bundesministerium für Inneres).
Der Buchstabendreher kommt zwei Mal im Text vor. Ist ein bisserl verwirrend, weil das BMI im Bereich Vorratsdatenspeicherung auch ein wenig mitredet....

eltrombone
02.12.2009 11:29
frage

was passiert konkret, wenn österreich die richtlinien nicht umsetzt? welche sanktionen droht uns da die eu an? bzw irgendwie entsteht da ein paradoxon - sind nämlich nicht auch WIR die eu? (naiv, ich weiß).

achso, und nebenbei: danke rumänien!

phatsphere
02.12.2009 12:14

die eu hat ja nur wenig gewaltentrennung (mitglieder aus den einzel-regierungen sitzen in den einrichtungen die die gesetze machen) - durch die fehlende kontrolle der gewalten ist es egal, was das volk will. wir sind daher eben nicht die eu.
und thema lissabon vertrag: da werden einfach neue einrichtungen gemacht, die dann erst wieder nicht kontrolliert werden und an der schlechten lage des parlaments das ja nichtmal gesetze einreichen darf, hat sich ja nichts geändert.

was wichtiger ist, eu gerichtsbarkeit steht jetzt über den verfassungsgerichten, also ists egal.

sanktionen sind strafzahlungen, "diplomatische verstimmungen", ...

TL1
02.12.2009 12:11
Gute Frage!

Ihre Frage ist überhaupt nicht naiv, denn meines Wissens steht EU Recht über Nationalem Recht.

Strongbow real Ale
02.12.2009 12:09
Also meiner Meinung nach....

...schreit das Thema geradezu nach einer ersten Bürgerinitiative, Lissabon Vertrag sein dank, geht das doch seid letzter Woche oder ?
Ich bin mir sicher das wir min. 1Million europäischer Bürger dazu bringen mitzumachen - "Nein zur Vorratsdatenspeicherung "

Also los ihr Jurastudenten , ihr Jungpolitiker , Facebook-Gruppengründer-go , Twitter gewitter letz fetz

:D

justsmile2
02.12.2009 14:12
Leider

versteht ein Großteil der Leute nicht, worum es da (technisch / rechtlich) geht. Das größte Problem mM nach ist wie im Artikel erwähnt "[...] dass einmal vorhandene Daten Bedürfnisse zur Nutzung entstehen lassen [...]"

Einige Aktivitäten gibt es schon
http://www.akvorrat.at/
http://www.piratenpartei.at/
http://www.freiheit-statt-angst.org/
http://www.facebook.com/pages/STO... 1620984640
http://www.dubistterrorist.de/

Lasdem
 
02.12.2009 14:04
Bürgerinitiative

Diese Bürgerinitiative gibt es schon seit 18. November.
Die Unterschriftenliste kann unter der adresse:
http://www.freiheit-statt-angst.org/
heruntergeladen werden.
Die Initiative wird am 10.12. (Menschenrechtstag) dem Nationalrat vorgelegt.

STiAT
02.12.2009 12:08

Nein, die EU besteht nicht aus dem Volk, sondern aus den Staaten.
Das Volk ist Problem des Staates, nicht jenes der EU. Die EU interessiert nur die Industrie.

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