Daimlers C-Klasse zieht in die USA um

2. Dezember 2009, 17:39
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Daimler verlegt die Produktion vom schwäbischen Sindelfingen in die USA. Die deutsche Belegschaft bangt um 3000 Jobs und kündigt scharfe Proteste an

Berlin - Tuscaloosa statt Sindelfingen heißt es künftig bei Daimler. Ab 2014 wird die für den Konzern so wichtige C-Klasse nicht mehr im Daimler-Stammland Baden-Württemberg produziert, sondern im US-Bundesstaat Alabama. "Wir folgen den Märkten und den Kunden", begründet Produktionsvorstand Rainer Schmückle die Entscheidung des Managements.

In den vergangenen Monaten hat Daimler fleißig gerechnet und analysiert. Fazit der Kalkulation: Wird die C-Klasse in den USA produziert, spart sich der Konzern 2000 Euro Kosten pro Auto. Neben günstigeren Arbeitskosten und dem niedrigem Dollarkurs spielen noch zwei Posten eine entscheidende Rolle. Da fast jeder dritte in Nordamerika verkaufte Mercedes ein Modell der C-Klasse ist, kann Daimler so also Zölle und Einfuhrkosten sparen.

Daimler-Belegschaft wütend

Daimler-Chef Dieter Zetsche versichert, das Stammwerk in Sindelfingen bleibe "Herz des Produktionsverbundes". Dort sind 36.000 Mitarbeiter tätig, 4500 davon produzieren die C-Klasse. Um deren Jobs zu sichern, will Daimler die Montage des Luxus-Roadsters SL aus dem Werk in Bremen abziehen. Rohbau und Lackierung jedoch sollen weiterhin in Bremen erfolgen. Das Management erklärt außerdem: Bis 2014 bleibe genügend Zeit für die Umstrukturierung, es werde also kein Arbeitsplatz in Deutschland verlorengehen.

Doch die Daimler-Belegschaft in Sindelfingen glaubt den Beteuerungen nicht und ist in Rage. Sie sieht beim deutschen Autobauer selbst 3000 Jobs in Gefahr. Bei Zulieferern in der Region sind ihrer Berechnung nach noch zusätzlich 2000 Arbeitsplätze bedroht.

Keine Sonderschichten mehr

"Wir werden gegen den Abzug der C-Klasse mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln vorgehen", kündigt Uwe Meinhardt von der Gewerkschaft IG-Metall Stuttgart an. Am Mittwoch legten in Sindelfingen mehrere tausend Daimler-Beschäftigte die Arbeit nieder und zogen vor die Gebäude der Werksleitung. Es wurden vorübergehend keine Wagen der C-, E- und der S-Klasse produziert. Am Samstag will die Belegschaft den Konzern viel empfindlicher treffen. Sonderschichten der neuen E-Klasse, die auch in Sindelfingen vom Band rollt, werden gestrichen.

Um die Neustrukturierung des Konzerns geht es am heutigen Donnerstag auch bei der außerordentlichen Hauptversammlung von VW. Die Aktionäre sollen eine milliardenschwere Kapitalerhöhung genehmigen. Mit dem frischen Kapital aus stimmrechtslosen Vorzugsaktien wird dann der Kauf von Porsche bezahlt. Außerdem wird die VW-Satzung zugunsten des Landes Niedersachsens, das 20 Prozent an VW hält, geändert. Das Recht auf zwei Aufsichtsratsposten wird festgeschrieben, zudem die Sperrminorität im Aufsichtsrat auf 20 Prozent festgelegt. Nach Aktienrecht üblich sind 25 Prozent. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, Printausgabe, 3.12.2009)

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    Ab dem Jahr 2014 wird die C-Klasse nicht mehr im Stuttgarter Stammwerk produziert, sondern im US-Bundesstaat Alabama.

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