Fit für die nächste Eiszeit

2. Dezember 2009, 16:45
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Verreisen oder vereisen ist bei Allradautos kaum je die Frage - DER STANDARD bei BMWs Wintertraining. Geprüft: X1, X6, 7er xDrive, 5er GT

"Gasgasgas!!!" Der Chefinstruktor brüllt sich die Seele aus dem Leib, um seinen Eleven die Grundlage einzubläuen, im Zweifelsfall auf Tempo zu bleiben, um nicht im Schnee hängenzubleiben.

Aber beginnen wir ganz von vorn. "Wenn der Untergrund aus blankem Eis besteht, ist's egal, ob du einen Front-, Hecktriebler oder den raffiniertesten Allradler hast." Beim BMW-Wintertraining am Rettenbachferner - dort, wo vor kurzem die Alpinisten die Weltcupsaison eröffneten (heuer ganz ohne provokant starken Österreicher-Auftritt) -, wurde man zunächst mit grundlegenden Winterweisheiten vertraut gemacht. Um dann über den jeweils effektivsten Einsatz elektronischer Hilfsarbeiter in Kenntnis zu setzen. Ein Wissen, das umgehend in Praxis und Routine transferiert werden sollte.

Generell zum Thema Fahr- und Sicherheitstrainings: Sich adäquat auf die Fährnisse der Wintersaison vorzubereiten schadet nie. Viele Hersteller bieten entsprechende Kurse an, BMW etwa kann sich des Ansturms von Interessenten seit Jahren kaum erwehren.

Zurück zum Gletscher. Als Testgerätschaft standen die aktuellsten Allradler habt acht, X1, X6 und der 7er xDrive - aber auch der heckgetriebene 5er GT. Interessiert hat uns vor allem der X1. Wir hatten den neuen Bayern-Star unlängst in Sachsen getestet und waren von der Fahrdynamik verblüfft. Nun also der Schlüpfrigkeitsoffenbarungseid: auf Ötztaler Schnee und Eis. Auch da gab sich der X1, der den aufwändigen Torque-Vectoring-Allrad des X6 geschickt simuliert, keine Blöße. Ist irgendwo ein Fleckerl fester Bodenkontakt da, packt xDrive an und zieht den Karren raus. Am besten funktioniert das bei Drücken der DTC-Taste (dynamische Traktionskontrolle), daran hat sich trotz der rasanten Weiterentwicklung bajuwarischer Allradtechnik nichts geändert.


Auch unter hochwinterlichen Bedingungen macht der neue Bayern-Star, der X1, eine gute Figur - dank seines schlauen Allradsystems.

Mit BMWs üblichen Fahrassistenzsystemen ist man ja hinlänglich vertraut. Aufgefrischt wurde heuer unter anderem die Rauswühlsonderfunktion bei X1, X3, X5, X6, erdacht speziell als blamagereduzierender Effekt bei Schneewechten: Welcher BMW-Fahrer lässt sich schon gern vom Bauern per Traktor abschleppen.

Und so geht's: DSC (dynamische Stabilitätskontrolle) deaktivieren, Automatikstellung M1, Kickdown. Voilà, schon, wir haben's beim Offroadtraining ausprobiert, wühlt sich der BMW aus dem Schlamassel. Na ja, meist. Kollege Christian J. lotete des Systems Grenzen aus - er musste prompt rausgeschleppt werden, einmal nicht bei "Gasgasgas!!!" pariert, kommt davon. Gut, dass ein BMW in der Nähe war, der Mann mit dem Pistengerät musste also nicht bemüht werden.

Fazit Wintertraining 2009: Jetzt sind wir wieder fit für die kalte Jahreszeit. Sollten die Klimaforscher ihre Prognose von Erderwärmung demnächst umkehren auf globale Abkühlung, kein Problem: Die nächste Eiszeit kann kommen. (Andreas Stockinger/DER STANDARD/Automobil/27.11.2009)

  • "Gasgasgas!!!" brüllt der Chefinstruktor ins Funkgerät. Also gibt man
Gas, um den X6 M heil aus dem Tiefschnee zu manövrieren, zurück auf die
normale Piste.
    foto: werk

    "Gasgasgas!!!" brüllt der Chefinstruktor ins Funkgerät. Also gibt man Gas, um den X6 M heil aus dem Tiefschnee zu manövrieren, zurück auf die normale Piste.

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