UPC gönnt Mobilfunkern digitale Dividende nicht

2. Dezember 2009, 08:15
94 Postings

Streit um freie Frequenzen - UPC-Chef Hintze: "Es wird finster auf den Schirmen"

Seit im Februar Mobilfunker auf der 3GSM-Messe in Barcelona die sogenannte Digitale Dividende für den Ausbau mobiler Breitbandnetze forderten, sind die durch Digital-TV frei werdenden Frequenzen im Bereich 790 bis 860 MHz heiß umstritten. In Österreich rauft neben den Mobilnetzbetreibern auch ORF-Tochter ORS um das Spektrum, ohne dass sie die Entwicklung von High-Definition-TV (HDTV) und Handy-TV gefährdet sieht. Und bei Kabelnetzbetreibern lässt das "G'riss" darum düstere Visionen hochkommen.

Empfangsprobleme

"Wenn sich die Mobilfunker die Frequenzen unter den Nagel reißen, dann wird es finster auf den Schirmen der Kabelfernseher", befürchtet Thomas Hintze, Geschäftsführer von UPC Österreich. Seine Begründung: "Wir Kabler senden ebenfalls in diesem Bereich. Wenn die Mobilfunker nun vermehrt auf diesen Frequenzen funken, führen in der Nähe nutzte Smartphones zu erheblichen Empfangsbeeinträchtigungen bei Settop-Boxen und Flach-TVs mit ungeschützten Platinen." Gehe man davon aus, dass im Schnitt 30 Prozent der EU-Haushalte Fernsehen über Kabel empfingen, könne sich jeder selbst die Auswirkungen ausmalen.

Zum Ansinnen der Mobilfunkunternehmen, die frei werdenden Frequenzen für die Verbreitung von mobilem Breitband im ländlichen Raum zu nutzen, fällt Hintze nur eins ein: "Da lachen ja die Hühner." Kein Mobilfunker denke daran, "weil es sich nicht rentiert".

In diesem Zusammenhang hinterfragt er auch den Vorschlag der EU-Kommission, europaweit das Frequenzband für Mobilfunksysteme der dritten und vierten Generation zu reservieren. "Das Problem ist doch, dass keiner letztlich nachfragt, ob und wie denn tatsächlich in den ländlichen Raum investiert wird", sagt der UPC-Chef.

Österreich zurückgefallen

Dass Österreich in der Breitbandpenetration zurückgefallen sei, liege vor allem an Marktführer Telekom Austria, der den ländlichen Raum für sich alleine habe, aber nichts dafür tue. "Selbst wenn sie Förderungen bekämen, investieren sie es doch erst in Wien und nicht im Zillertal", ist er überzeugt.

Was denn seiner Meinung nach mit den Frequenzen geschehen soll? "Für mich ist es okay, wenn die ORS sie bekommt." Nur eines müsse klar sein: "Geschenkt bekommen dürfen die das nicht."

Doch in Österreich scheint es in dieser Frage sowieso nicht zu einer schnellen Lösung zu kommen. Die Rundfunk- und Telekomregulierungsbehörde RTR hat eine Studie zur Vergabe der Digitalen Dividende gerade erst ausgeschrieben. Und die zuständige Infrastrukturministerin Doris Bures will dieses abwarten und dann entscheiden, was mit den Frequenzen passieren soll. (Karin Tzschentke/ DER STANDARD Printausgabe, 2. Dezember 2009) 

 

Link

UPC

  • UPC-Chef Thomas Hintze
    foto: upc/martina drape

    UPC-Chef Thomas Hintze

Share if you care.