Netzwerk für Darwins Erben

1. Dezember 2009, 21:21
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Die Plattform "evolVienna" will Wien als Standort für hervorragende Evolutionsforschung international bekannter machen - Einschlägig arbeitende Wissenschafter sollen zukünftig besser vernetzt werden

Manchmal sehen Wissenschafter den Wald vor lauter Bäumen nicht. Und deswegen war einigen Evolutionsforschern aus Wien bis vor kurzem gar nicht klar, dass in nächster Nähe viele Gleichgesinnte arbeiten. Das muss sich ändern, meint Joachim Hermisson, seit zwei Jahren Professor für Mathematik und Biowissenschaften an der Uni Wien und den Max F. Perutz Laboratories. "Wien hat durch Forscher wie den Mathematiker Karl Sigmund, den Chemiker Peter Schuster oder den Biologen Rupert Riedl eine traditionelle Stärke in der Evolutionsforschung. Die Stadt ist aber auch aktuell ein Hotspot auf diesem Gebiet", meint der Spezialist für die mathematische Beschreibung von Artenbildung und Anpassung.

Dutzende Arbeitsgruppen, etwa aus den Bereichen Ökologie, Entwicklungsbiologie und Statistik, beackern in der Bundeshauptstadt das weite Feld der Evolutionsforschung. Sie sollen künftig Wissen und Ressourcen besser miteinander teilen - vernetzt durch die von Hermisson ins Leben gerufene Plattform "evolVienna". Man hofft, dass der Zusammenschluss Wien als Standort für hervorragende Evolutionsforschung bekannter macht, sowohl in der internationalen Scientific Community als auch in der Öffentlichkeit. Rund 50 Arbeitsgruppen haben sich bereits angeschlossen, viele davon unter der Ägide von Forschern, die erst seit kurzem in Wien und Umgebung heimisch sind.

Initiativen im Club

Zu ihnen gehören etwa Tecumseh Fitch, Experte für die Evolution von Sprache und Musik am Department für Neurobiologie der Uni Wien, und die Bioinformatikerin Carolin Kosiol vom Institut für Populationsgenetik an der Vetmed Wien. Auch Dustin Penn, Direktor des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung, ist dabei; er stellte seine neue Website "Evolution Matters" vor, mit umfangreichem Material, um Kreationisten den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Einer der prominentesten Netzwerker ist der Evolutionsbiologe Nick Barton vom Institute of Science and Technology Austria. Damit die - an ihrem Gründungsabend durchaus euphorisch begrüßte - Initiative nicht im Sande verläuft, hat Hermissons Team eine Reihe von Werkzeugen zur Verfügung gestellt: eine Mailingliste sowie eine Webpage mit Gruppenverzeichnis, Stellenangeboten und Terminankündigungen, zum Beispiel für den von Studenten organisierten "Evolutionary Theory Club". Dass das Gründungstreffen von "evolVienna" auf den Tag genau 150 Jahre nach dem Erscheinen von Charles Darwins On the Origin of the Species (24. November 1859) stattfand, war natürlich kein Zufall. Allerdings huldigten Darwins Erben nur kurz ihrem Idol. Sie waren mehr damit beschäftigt, neue Kontakte zu knüpfen. (Julia Harlfinger/DER STANDARD, Printausgabe, 2.12.2009)

 

  • Wien soll zu einer Evolutionsbiologie-Metropole werden, wenn es nach einigen in diesem Umfeld arbeitenden Wissenschaftern geht.
    illustration: köck

    Wien soll zu einer Evolutionsbiologie-Metropole werden, wenn es nach einigen in diesem Umfeld arbeitenden Wissenschaftern geht.

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