"Ich bin nur der gewählte Kopf"

1. Dezember 2009, 21:01
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Astrophysiker Robert Rosner ist Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Austrian Institute of Technology

Das Austrian Institute of Technology (AIT) will eine Vorzeige-Einrichtung in Sachen Forschung und Entwicklung werden. Damit das Realität wird, hat sich das Institut nun etwas Neues einfallen lassen. Eine für österreichische Verhältnisse nicht übliche Form der Qualitätssicherung: Das AIT (vormals: Austrian Research Centers Seibersdorf) hat einen forschungsstrategischen Beirat (FSB) ins Leben gerufen. Er ist international besetzt und vertritt daher keine Interessen in der heimischen Forschungslandschaft, kann also auch nicht mit Interventionen konfrontiert werden.

Qualitätssicherung

Laut AIT ist der Beirat als Beratungsgremium ein Musterbeispiel für New Public Governance: Wie schafft es der Staat, Mehrheitseigentümer eines Forschungsunternehmens zu sein und gleichzeitig durch ein unabhängiges Gremium die wissenschaftliche Qualitätssicherung und die Sicherung der Exzellenz zu gewährleisten? Das Infrastrukturministerium hält 50,5 Prozent, der Verein zur Förderung von Forschung und Innovation der Industriellenvereinigung Österreich insgesamt 49,5 Prozent.

Der FSB besteht aus fünf international anerkannten Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Forschung: Bertil Andersson von der Provost Nanyang Technology University, Robert Clark von der School of Engineering and Applied Sciences an der University of Rochester, Günter Hertel vom Europäischen Institut für postgraduale Bildung an der Technischen Universität Dresden, Lisbeth Illum von der Universität Nottingham und schließlich Robert Rosner vom Argonne National Laboratory an der University of Chicago.

Robert Rosner ist als international anerkannter Astrophysiker Vorsitzender des FSB, wenngleich er sich selbst nicht als Vorsitzenden sieht: "Ich bin nur Teilnehmer und gewählter Kopf, das heißt aber, dass ich mehr schreiben muss als meine Kollegen", erklärt Rosner im Interview mit dem STANDARD.

Der Wissenschafter, der derzeit eine Gastprofessur an der Stanford University innehat, sieht die Aufgabe des forschungsstrategischen Beirats so: "Wir helfen dem AIT, sein Ziel zu erreichen. Dabei wissen wir natürlich, dass die dafür nötigen Finanzmittel immer beschränkt sind, und deshalb muss man bei strategischen Entscheidungen immer genau auswählen, wo man gerade investieren soll."

Für solche Entscheidungen müsse man laut Rosner immer das ganze Feld der internationalen Konkurrenz im Auge behalten - ein Blickfeld, das sich eben durch die internationale Zusammensetzung des Beirates auftue.

Was aber ist eigentlich das Ziel des Instituts, für dessen Erreichung es einen solchen Beirat braucht? "Wissenschaftliche Erkenntnisse so schnell wie möglich von der Grundforschung zur Industrie befördern", antwortet Rosner, ohne viel zu überlegen. Also evaluieren und auch weiterforschen, wenn es nötig ist. "Denn das internationale Wettrennen im industriellen Bereich wird immer von denen gewonnen, die am schnellsten vorangehen", sagt der Astrophysiker.

Der erste Beirat

Der forschungsstrategische Beirat ist zwar einzigartig in Österreich, nicht jedoch im internationalen Vergleich, insbesondere in den USA gibt es derartige Einrichtungen an den renommierten Instituten schon seit längerem. "External advisory committees" nennt man diese dort.

Eigentlich verwundert es Rosner, dass Österreich erst jetzt auf diesen Zug aufspringt, und natürlich empfiehlt er die Installierung eines solchen internationalen Beratergremiums auch an anderen Forschungseinrichtungen. Warum?

"Ich glaube, dass es immer besser ist, mehr Auskunft zu haben als weniger", erklärt Rosner, "und in Bereichen, in denen die weltweite Konkurrenz stark ist, sind die Hinweise, die ein FSB oder ähnliches Gremium einem Institut geben kann, wirklich besonders nützlich."

Wie sehr, wird sich noch herausstellen. Das nächste Mal kommt der Beirat im Jänner 2010 in Österreich zusammen. Derweil sind die fünf Wissenschafter elektronisch vernetzt und arbeiten - neben ihren Überlegungen für das AIT - freilich an ihren eigenen Projekten.

Rosner zum Beispiel widmet sich aktuell der Strömungslehre und Plasmaphysik - insbesondere im weiten Feld der Astronomie - sowie neuen Energietechnologien. Und mit ein wenig Wehmut blickt der Astrophysiker auf das nun zu Ende gehende "Internationale Jahr der Astronomie" zurück: "Da hat sich so viel getan, darüber könnte man ein Buch schreiben!" Das Wichtigste ist für Rosner jedoch, dass man sich erinnert, was vor genau 400 Jahren passiert ist: "Der Anfang der Astronomie als wissenschaftliches Gebiet, vertraut mit der Physik und inspiriert von Galileo Galilei und Johannes Kepler." (Andreas Feiertag/DER STANDARD, Printausgabe, 2.12.2009)

 

  • Robert Rosner widmet sich der Strömungslehre und der Plasma-physik.
    foto: ait

    Robert Rosner widmet sich der Strömungslehre und der Plasma-physik.

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