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Der soziale Futteraustausch - hier bei Arbeiterinnen der Roten Waldameise - dient der Nahrungsverteilung und der Festigung des sozialen Gefüges im Ameisenstaat.
Wenn im Internet verkündet wird, dass die Uni "auf Ameisen-Art brennt", ist damit gemeint, dass sich die Hörsaal-Besetzer ohne Machtzentrale, quasi von selbst organisieren - ganz wie ein Ameisenstaat, in dem die Königin nur fürs Eierlegen zuständig ist und in dem alle notwendigen Aktivitäten ohne Befehlsgeber und hierarchische Strukturen erledigt werden. Und gerade mit Myrmekologie, der Ameisenkunde, ist es Österreich gelungen, in der internationalen Wissenschaftsszene einen Staat zu machen.
Die österreichische Zeitschrift Myrmecological News wurde kürzlich in das Web of Science aufgenommen, die elitärste Datenbank von Wissenschaftsjournalen. Mit 20 Millionen Benutzern ist sie das weltweit am stärksten genutzte Medium zur wissenschaftlichen Literatursuche. Dementsprechend hoch sind die Anforderungen, wenn man in die Liste jener Journale aufgenommen werden will, die bei einer Suche berücksichtigt werden: Nur zehn Prozent der Aufnahme-Anträge werden bewilligt.
Myrmecological News ist die einzige zoologische Zeitschrift aus Österreich in der Web-of-Science-Datenbank, und über alle Wissenschaftssparten hinweg gibt es nur 25 andere. 20 davon werden allerdings nur als heimisches Erzeugnis gezählt, weil sie von der österreichischen Niederlassung multinationaler Konzerne produziert werden. Das ist bei Myrmecological News anders: Es ist zu 100 Prozent "made in Austria".
Herausgeberin ist die Österreichische Gesellschaft für Entomofaunistik, die Editoren sind Herbert Zettel vom Naturhistorischen Museum Wien sowie die renommierten Ameisenforscher Birgit Schlick-Steiner und Florian Steiner von der Universität Innsbruck.
Kleine Tiere, große Masse
Der Großteil der für die Produktion nötigen Arbeiten wird ehrenamtlich geleistet. Nichtsdestoweniger hat Myrmecological News alles, was auch die großen Journale haben, darunter eine Online- Version, in der alle Beiträge in einer nicht druckbaren Form (druckbar nur im Abo) für jeden kostenlos zugänglich sind. "In der internationalen Szene hat niemand erwartet, dass wir es ins Web of Science schaffen", erzählt Schlick-Steiner stolz, "weil es so schwer ist, mit der Maschinerie der Verlagsgiganten, wie Springer oder Blackwell, mitzuhalten." Rund 750 Stunden ehrenamtliche Tätigkeit investieren die Editoren pro Jahr in das Ameisen-Journal. Aber es macht sich bezahlt: Es wird in mehr als 100 Ländern gelesen.
Weltweit kennt man rund 12.500 verschiedene Ameisenarten, etwa 130 davon gibt es in Österreich. Und alle Ameisen zusammengenommen bringen etwas mehr Biomasse auf die Waage als die gesamte Menschheit. Die Gefahr, dass Myrmecological News in nächster Zeit der Stoff ausgeht, sollte damit gebannt sein. (Susanne Strnadl/DER STANDARD, Printausgabe, 2.12.2009)
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