Die Philosophie der Blutspritzer

    1. Dezember 2009, 19:45
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    Episch wie sie sind, werden uns Rollenspiele noch alle überleben, ohne sich maßgeblich verändern zu müssen. "Dragon Age Origins" folgt ebenso der guten alten Zeit. Auch wenn's spritzt.

    Ach, Rollenspiele. Nachdem sogar das IT-Magazin "Matrix" auf Ö1 letzten Sonntag von der Entwicklung spielerischer Interaktivität vor "Dungeon Master" (1987) erzählt hat, (also "Dungeons & Dragons" mit Karten, "interaktive" Bücher zum Alleinspielen, Telefonspiele und erste Schritte am Computer) war die Lust geweckt, es wieder einmal zu versuchen. Trotz endlicher Geduld im Feld unendlicher Optimierungsmöglichkeiten der aus Zahlen geformten Spielcharaktere. (Übrigens: Danke, Ö1, für die iPhone-App zum unterwegs Hören. War längst fällig!)

    Für die Lust am Rollenspielen ist jetzt ohnehin ein guter Zeitpunkt, nachdem BioWares "Dragon Age Origins" am Markt ist und genau so ausfällt, wie man sich die Fortführung der guten alten Rollenspielzeiten erwartet. Klar, die Entwickler versuchen das Spiel zugänglich zu halten, machen ein bisschen auf interaktiven Spielfilm und stellen dem Spieler frei, wie intensiv er an der Spielmechanik drehen will. Aber die starren, offenbar ewig unveränderlichen Bilder- und Figurenwelten, die ein Herr Tolkien ins kollektive Gedächtnis gemeißelt hat, werden hier ohne Gefahr von (oder Hoffnung auf) Abwandlung wiedergegeben. Kaum eingestiegen fühlt es sich heimelig an. Und die handwerkliche Virtuosität der erfahrenen Rollenspielmacher von BioWare unterstützt die Geborgenheit, die das lange Bekannte generiert. Das Rad können ruhig andere neu erfinden, bzw. ist nach "Mass Effect" das Thema "neues Rad" ohnehin vorerst einmal erledigt.

    Langsam zwingt einem das Epos um den Jahrhunderte alten Kampf gegen die Höllenkreaturen seine Geschwindigkeit auf, man klickt geduldig durch alle Dialoge und entlockt auch noch dem alten Lehrmeister in der väterlichen Burg ein paar Details der Familiengeschichte. Das müsste man nicht. Aber es ginge wohl an der Sache vorbei, wenn man der Story entgehen wollte. Ein Höhepunkt ist der subtile Humor der Blutspritzer. Weil das Spiel ab 18 ist, dürfen beim Schlachten die epischen Gliedmaßen samt Dämonenblut herumfliegen, dass es eine Freude ist. Wenn die Spielfigur ständig rot gesprenkelt aus dem Monitor glotzt als käme er gerade vom Hermann-Nitsch-Happening, macht sich auch etwas epische Ironie breit.

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