"Markt für private Raumflüge wächst"

1. Dezember 2009, 19:19
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Brent Sherwood ist Weltraumarchitekt und arbeitet für die Nasa - Was Alltourismus für die Raumfahrt bewirken kann, erzählte er Karin Krichmayr

STANDARD: Es gibt viele Ideen, wie Weltraumarchitektur aussehen könnte. Was sind die größten Herausforderungen bei der Umsetzung?

Sherwood: Zunächst muss erkannt werden, was Architekten zum professionellen Design von bemannten Raumfahrtsystemen beitragen können. Architekten sind gewohnt, integrativ und ganzheitlich zu denken, während Ingenieure eher logisch-analytisch arbeiten. Bisher waren nur sehr wenige Architekten am Bau von Weltraumsystemen beteiligt - weil es so außerordentlich kostspielig und zeitaufwändig ist, gibt es auch nicht viele Gelegenheiten dazu. Die interessanteste Herausforderung sind die technologischen Anforderungen. Ob Entwürfe für den Orbit, die Mondoberfläche, den Mars oder Asteroiden - jede dieser Umgebungen unterscheidet sich stark von der Erde. Designer können zum Beispiel auf einmal mit Schwerkraft als Variable arbeiten.

STANDARD: Was halten Sie von derzeitigen Ansätzen kommerzieller Raumfahrt und des Alltourismus?

Sherwood: Das ist eine wundervolle Entwicklung! Ich glaube, dass die Möglichkeit des Reisens in den Suborbit hilft, die bemannte Raumfahrt generell voranzutreiben. Es wird eine Zeit kommen, in der auch gewöhnliche Leute ins All fliegen können. Denn der Markt für private Flüge ist real und wird weiter wachsen. Das bedeutet, dass es Alternativen zu staatlichen Missionen geben könnte.

STANDARD: Bisher waren die Erwartungen immer überzogen ...

Sherwood: Ja, die tatsächliche Rate des Fortschritts im All ist eine große Enttäuschung im Vergleich zu den Voraussagen. Aber auch wenn die staatlichen Explorationsziele immer wieder zurückgeschraubt werden, scheint es, dass die traditionelle Vision von Menschen auf anderen Planeten nach wie vor der Heilige Gral der großen Raumfahrtprogramme ist. Enorme Investitionen gehen in wenige vom Staat angestellten Astronauten und werden nicht dafür verwendet, etwa tausenden Menschen Allflüge zu ermöglichen; oder für Solarkraftwerke, die Energie auf die Erdoberfläche schicken.

STANDARD: Würden Sie gern im All leben?

Sherwood: Ja, sehr gerne! Ich würde den Orbit aber nur gelegentlich besuchen - von meinem Zuhause auf dem Mond aus. Wenn mein Körper alt und müde von der Schwerkraft ist, würde der Mond eine andere Art des Ausruhens bieten ebenso wie die Chance, eine Menge alltäglicher Fragen zu lösen: Wie würde man in einer Mondstadt, wo die meisten Gegenstände aus lokalen Ressourcen gemacht sein würden, Papier herstellen? Oder einen Stuhl? Für einen Weltraumarchitekten sind diese "Probleme" eine unerschöpfliche Quelle. (DER STANDARD, Printausgabe, 2.12.2009)

 

  • Zur PersonBrent Sherwood, Weltraumarchitekt aus Los Angeles, ist am Jet Propulsion Laboratory der Nasa für Strategie und Planung zuständig. Er ist einer der Vortragenden des Symposiums "Architektur jenseits des Erdhorizonts".
    foto: privat

    Zur Person
    Brent Sherwood, Weltraumarchitekt aus Los Angeles, ist am Jet Propulsion Laboratory der Nasa für Strategie und Planung zuständig. Er ist einer der Vortragenden des Symposiums "Architektur jenseits des Erdhorizonts".

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