Antifolterparagraf

Später Versuch, Folter unter Strafe zu stellen

01. Dezember 2009 19:09
  • Artikelbild
    Foto: der standard/robert newald

    In dieser stillgelegten Lagerhalle wurde der Gambier Bakary J. von Wega-Beamten schwer misshandelt - Die milden Strafen für die Beamten stießen in Österreich und international auf Kritik

Seit 1989 wird Österreich von der Uno aufgefordert - Foltern durch Polizisten unter Strafe zu stellen - Nun setzen die Grünen eine Initiative

Wien - Spätestens der Fall Bakary J. habe gezeigt, dass Österreich einen eigenen Strafparagrafen gegen Folter brauche, meint der grüne Justizsprecher Albert Steinhauser - und nicht nur er. Manfred Nowak, Leiter des Wiener Ludwig-Boltzmann-Instituts für Menschenrechte und UN-Sonderberichterstatter gegen Folter, sowie Heinz Patzelt, Generalsekretär von Amnesty in Österreich, teilen seine Ansicht.

Denn was nach der schweren Misshandlung des gambischen Schubhäftlings durch Wega-Polizisten im April 2006 im Dienst weiter geschah, zeige schonungslos die Lücken des Systems auf. Tatsächlich wurden vier an der Misshandlung beteiligte Polizisten zwar wegen "Quälens eines Gefangenen" zu bedingten Strafen verurteilt. Diese jedoch waren so bemessen, dass sie einer Aufhebung ihrer Suspendierung disziplinarrechtlich nicht im Wege standen. Der Fall liegt derzeit beim Verwaltungsgerichtshof.

Laut Steinhauser würden Schieflagen wie diese gar nicht erst entstehen, gäbe es den vor zwei Wochen von ihm per parlamentarischen Initiativantrag vorgeschlagenen Paragrafen 312a StGB bereits. "Wer als Amtsträger einen anderen foltert, ist mit Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren zu bestrafen", heißt es in dem Entwurf. Bei schweren Dauerfolgen oder gar dem Tod des Geschädigten ist ein Strafrahmen von ein bis 15 Jahren vorgesehen.

Im Jänner oder Februar soll der Entwurf im Parlamentsplenum eingebracht werden. Die SPÖ hat bisher Unterstützung signalisiert. Ex-SPÖ-Justizministerin Maria Berger hatte nach den milden Strafen für die Prügelpolizisten im Fall Bakary J. gar angekündigt, dass das Ministerium von sich aus eine Antifolterparagraf-Initiative setzen werde. Ihre Nachfolgerin Claudia Bandion-Ortner sieht das Thema laut ihrem Sprecher Paul Hefele zwar als "wichtig", aber nicht als derart vordringlich an.

Laut Patzelt hingegen wäre durch den neuen Paragrafen 312a "endlich klargestellt, dass misshandelnde Beamte strenger bestraft werden als Privatmenschen, die Derartiges tun". Eine Grenzziehung, die auch in der Antifolterkonvention der Vereinten Nationen im Mittelpunkt steht: jenem wichtigen Menschenrechtsdokument, das Österreich, wie weltweit die meisten Staaten, im Juli 1987 ratifiziert hat - das aber laut UN-Antifolterausschuss bis dato nicht entsprechend umgesetzt worden ist.

Sowohl 1999 als auch 2005 hatte der UN-Ausschuss der Republik daher entsprechende Empfehlungen erteilt. "Wie schon 1989, als ich das Thema erstmals aufs Tapet gebracht habe, hieß es: Das brauchen wir nicht. Die bestehenden Strafrechtsbestimmungen gegen Körperverletzung und Quälen eines Gefangenen reichen aus."

Die "erste parlamentarische Initiative für einen Antifolterparagrafen, die es je gab", werde das jetzt ändern, hofft er. Und mehr noch: "Die Bestimmung sollte auch das Weltstrafprinzip in österreichisches Recht umsetzen: dass Folterer von anderswo, wenn sie bei uns ergriffen werden, hier vor Gericht gestellt werden müssen." (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 2. Dezember 2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 74
1 2
friedrich wilhelm voigt
04.12.2009 22:26
ja ja, machts pro forma ein paar neue paragraphen

solangs gegen polizisten nicht exekutiert werden, nützt das alles nix...

peter schmidt
 
02.12.2009 15:32
die diskussion um dieses delikt reiht sich zwanglos in die anderen gewünschten delikte

z.b. ehrenmord, zwangsverheiratung etc. ein.

es ist ja auch bereits jetzt strafbar menschen zu misshandeln zu foltern etc. zusätzlich erhöht der § 313stgb den strafrahmen für delikte soferne diese unter ausnützung einer amtsstellung begangen werden.

es ist im übrigen auch bereits jetzt strabar menschen zu einer heirat zu zwingen (nötigung) . es ist auch strafbar eine frau zu beschneiden ( schwere körperverletzung mit dauerfolgen)

aus all diesen gründne wurde ja auch die ministerin und ihre beraterin bei einer tagung zu dem thema von de facto allen anwesenden belächelt.

man kann zurzeit einfach nur noch den kopf schütteln egal ob die dinge von links oder rechts kommen alles falsch und unnötig.

hotzenplotz1001
03.12.2009 00:30
warum kommt das thema dann trotzdem auf das tapet, lieber peter schmidt?

O tempora
03.12.2009 07:58
Weil es sehr, sehr viele Leute gibt, die zu allem

eine vorgefasste Meinung, aber zu wenig Wissen haben.

hotzenplotz1001
03.12.2009 10:41
Sie sind ja gar nicht peter schmidt.

hotzenplotz1001
03.12.2009 10:39
Also können wir mit der jetzigen Gesetzeslage zufrieden sein?

Herrscht kein Handlungbedarf? Folter, Familientragödien (sog. „Ehrenmorde“) und Zwangsheirat haben wir großteils im Griff?

peter schmidt
 
03.12.2009 13:51
einfach die bestehenden gesetze

anwenden, dann klappt es.

die polizisten der letzten jahre wurden ja nicht freigesprochen bzw. milde abgeurteilt weils keine regelungen gab sondern weil eben das system teilweise nur holprig funktioniert wenns gegen die "eigenen" leute geht.

hotzenplotz1001
04.12.2009 14:13
Könnte der Gesetzgeber nicht mit einem eigenen Paragraphen betonen, dass eine Regelung auch dann gilt, wenn es gegen die eigenen Leute geht?

Quasi um ein Rechtsgut, das noch nicht ausreichend im Bewusstsein verankert ist, als Prinzip hervorzuheben und den aktuellen schlampigen Umgang mit der Materie als gesellschaftlich verpönt zu kennzeichnen?

O tempora
05.12.2009 00:47
Das Strafgesetzbuch ist ja keine Müllhalde für überflüssige Bestimmungen.

Und auch keine Nachhilfefibel für Leseunkundige. Redundanz hat dem Gesetzgeber noch nie gut getan. Ob die derzeitigen Strafrahmen ausreichen, ist eine ganz andere Frage, die ernsthaft zu diskutieren ist.

Chris Haslacher
 
02.12.2009 14:10
Der Gipfel waren die roten Skandal-Innenminister Schlögl, Blecha und Löschnak:

Omofuma, Bakary, Lucona, Operation Spring,..

Indira Gundi
02.12.2009 16:46
Werden denn mit jedem Minister auch gleich alle Polizisten

ausgewechselt ? Oder müssen alle Polizisten jeweils bei Amtsantritt eines Ministers einen Eid auf dessen Partei schwören ? Oder warum sonst ordnen Sie entgleiste Polizisten immer schematisch der Farbe ihres obersten Chefs zu ?

major grubert
 
02.12.2009 14:58
op spring

war das nicht prokop?
also nicht ganz so rot.

byron sully
02.12.2009 15:00
operation spring

war schon schlögl, dafür war bakary unter prokop.

Mein anderer Nick ist beeindruckender
02.12.2009 12:54
Es ist unbestreitbar Zeit für diesen Paragraphen,

allerdings fürchte ich, dass er nur langsam greifen würde. Die Deliquenten stolpern auch jetzt schon vor beamtete Zeugen, fallen Stufen runter oder verletzen sich sonstwie bei Unfällen. Und Handballenschläge auf die Schläfen, über den Kopf gezogenen Plastiksackerl, die unten zugehalten werden etc., hinterlassen kaum sichtbare Spuren.

byron sully
02.12.2009 15:00
danke,

da kann ich mich leider nur anschließen.

Chen Fu Chang
 
02.12.2009 12:53
keinen folter paragrafen

denn sonnst wirds schwer mit den geständnissen

was glaubt ihr eigentlich

ausserdem verliert man dann seine autorität und
man vermi9sst dann vielleicht noch kollegen weil die hälfte dann sitzt

weg mit sollchen ansinnen von folterparagrafen wir sind doch ned in südamerika

Adjasadaku
02.12.2009 14:42

Respektiere meine Autoritääää!

mindovermoney
02.12.2009 17:39
XD

http://www.youtube.com/watch?v=9hWDPcGc_k8


BÖSES DREIZEHENFAULTIER!!!

sir osis of liver
 
02.12.2009 13:25

nächstes mal bitte satire dazu schreiben ;-)

verleih nix
02.12.2009 12:52
was bringts?

einen richter, der sich traut den polizisten zu verurteilen, kann man per gesetz ohnehin nicht einrichten.

cHL
02.12.2009 12:41

aber wenn die uno ein genussmittel aufgrund ökonomischer überlegungen verbieten will simma wieder die ersten die mitziehn...

austrian demofaschie at its best...

Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft AG
02.12.2009 12:18
auch eine möglichkeit, das "asylantenproblem" zu lösen

wir gleichen unsere menschenrechtlichen standards einfach den herkunftsländern an, dann kommt eh keiner mehr.

renato illuminato
02.12.2009 11:33
die verjährungsfrist

sollte man mindestens mit 20 jahren anberaumen, da viele der opfer der polizei von dieser auch eingeschüchtert wurden. nach einer zeit traut sich das opfer dann vielleicht eher.

Politicus1
02.12.2009 11:11
1), 2)

1) Folterungen, d.h. Misshandlungen, Körperverletzungen etc. sind in Ö. selbstverständlich strafbare Handlungen - also was soll's?
2) Mit derartige Schaumschlägereien werden die Grünen in Wien sicher haushoch gewinnen...

noracismonearth
02.12.2009 13:42
erklärung

wer lesen kann ist klar im vorteil!
natürlich steht folter in österreich unter strafe, es geht hier aber darum, dass beamte die foltern nicht mit zivilisten die foltern gleichzustellen sind, sondern diese eben härter bestraft werden müssen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 74
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.