Strahlende Verlierer

1. Dezember 2009, 18:51
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ARD-Krimi: Die Schuld einer Dorfgemeinschaft soll im Mittelpunkt stehen

Man lebt bequem im niedersächsischen Wendland. 28 Jahre ist es her, dass junge, zornige Menschen dort die (tatsächlich für kurze Zeit existierende und alsbald von der Polizei gewaltsam aufgelöste) "Freie Republik Wendland" ausgerufen haben, um gegen das Atommüllager Gorleben zu protestieren.

Im ARD-Fernsehfilm "Ein Dorf sieht Mord" (Montag, 20.15 Uhr) aber protestiert in der Heide-Idylle zunächst niemand mehr. Der Schriftsteller (August Zirner) kämpft gegen seine Schreibblockade, seine Freundin, die Pfarrerin (Corinna Harfouch), predigt gelangweilt, und der Bürgermeister (Thomas Thieme) sorgt persönlich mit allerlei Dorfbewohnerinnen dafür, dass der Ort nicht ausstirbt.

Doch dann rauscht eine angebliche Fotografin (Lavinia Wilson) heran. Rot ist ihr Auto, auch ihr Haar, und das kann nichts Gutes bedeuten, zumal die knusprige junge Dame, der die etwas tumben Männer reihenweise erliegen, auch 28 Jahre alt ist. Natürlich muss einer nach dem anderen sterben, während die "Doors" Riders On The Storm singen.

Die Schuld einer Dorfgemeinschaft (im Kino gerade in Tannöd und "Das weiße Band" Thema) soll im Mittelpunkt stehen. Leider gelingt das nicht. Zu wenig erfährt man, warum die heute scheinbar Etablierten damals die Mutter der Fotografin, die sich danach umbrachte, verrieten. Warum sie dann doch den Kampf gegen den Staat und somit auch ihre Ideale aufgaben. Es war einfach so und Punkt.

Für diese Schwäche wird man aber entschädigt. Die Schauspieler sind exzellent, und die zunächst recht holzschnittartige Handlung bietet später einige so überraschende Wendungen, dass am Schluss sogar der blockierte Autor endlich ein Thema für seinen Roman hat. (Birgit Baumann/DER STANDARD; Printausgabe, 2.12.2009)

  • August Zirner und Lavinia Wilson.
    foto: zdf

    August Zirner und Lavinia Wilson.

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