Schale Posse statt großem Knall

1. Dezember 2009, 18:19
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Mattes Bauerntheater: Franzobels "Big Bang Löbinger" bleibt weit unter seinen Möglichkeiten

Die Ingredienzen wären ja durchaus authentisch: ein Altbauer (Gerhard Fröhlich), der seine Felder an eine Shoppingcity vor der Stadt verkauft hat, und zwar mit Unterstützung des Bankdirektors (Ferdinand Kopeinig), der zugleich auch Bürgermeister ist. Dazu reicht der Autor Franzobel in Big Bang Löbinger eine Prise Bauerntheater, das heißt, einen verlorenen Sohn (Theo Helm), dann noch einen verkommenen Sohn - Karl Ferdinand Kratzl als Tunte mit Motorsägenfetisch - und einen ordentlichen Dorfdeppen (Maxi Blaha), dem der Autor diverse Sprachspiele in den Mund legt. Insgesamt also Ausgangspunkte, aus denen man durchaus einen kritischen Schwank machen hätte können, wäre da nicht die schwache Textvorlage (aus der gehörig gestrichen werden musste) und die Nicht-Regie Harald Gebhartls. Diese unterläuft nicht nur die Erwartungen an schräges und pointiertes Bauerntheater, es unterläuft selbst die Vorhersehbarkeiten, die dieses in sich birgt. Auf der mit grünen Matten belegten und weißen Tarnvorhängen (Mauerwerk vorstellend?) begrenzten Bühne ist alles lau - sowohl das Spiel als auch der Spaß. Auch wenn mit der Ankunft des EU-Kontrollors (Matthias Hack) schärfere Töne bezüglich Sinn und Unsinn des Subventionswesens Einzug halten, zu retten ist hier nichts mehr.

Den Paarfindungs-Kitsch, der als Happyend verkauft wird, den nimmt man matt zur Kenntnis. Vor der bäuerlichen Fassade bleibt alles durchsichtige Schimäre. (wo/DER STANDARD, Printausgabe, 2. 12. 2009)

>> Linz, Theater Phönix, 0732/66 65 00. 19.30

  • Mattes Bauerntheater: Franzobels "Big Bang Löbinger" bleibt weit unter seinen Möglichkeiten.
    foto: theater phönix

    Mattes Bauerntheater: Franzobels "Big Bang Löbinger" bleibt weit unter seinen Möglichkeiten.

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