Wenn die Weinrebe zur Gefahr wird

1. Dezember 2009, 18:41
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Der Andrang auf die Polizeiberatung im Container ist überraschend groß - vor allem Ältere wollen Hinweise, wie sie sich gegen Einbrecher schützen können

Wien - "Nein, Hund haben wir keinen mehr, aber eine Katze", schildert der ältere Herr seine Haustiersituation. "Tja, die Katze beschützt sie leider nicht" beurteilt die Kriminalbeamtin den Wert des Feliden als Mittel gegen Einbrecher. Da seien bessere Schlösser vernünftiger, erklärt sie. Das Besondere an diesem Beratungsgespräch: Es findet in einem Container in Wien-Liesing statt - denn die Polizei geht im Kampf gegen die Einbrecher mittlerweile auf Tour.

"Fahrbare Andreasgasse" wird das Ding polizeiintern bezeichnet, der Name bezieht sich auf das "Kriminalpolizeiliche Beratungszentrum", das an dieser Adresse im 7. Wiener Gemeindebezirk beheimatet ist. Das ist zwar in Zeiten ständig neuer Einbruchsrekorde ohnehin gut besucht. Doch von der Peripherie ist es dann gerade älteren Menschen zu weit. Jenen also, die sich besonders fürchten.

"Ich wohne drei Gassen weiter, rund um uns haben sie schon eingebrochen. Beim einen Nachbarn das Fensterglas aufgeschnitten, beim zweiten wurde der Hund vergiftet, beim dritten hat die Alarmanlage nichts genutzt, da die Polizei erst gekommen ist, als die Einbrecher weg waren", schildert Frau Elisabeth R. der jungen Kriminalbeamtin, die hinter dem Tisch voller Prospekte und Demonstrationsobjekte sitzt. Die Polizistin klärt sie über die Vorteile besser gesicherter Fenster auf.

Steinchen ans Fenster

Der nächste Besucher, ein älterer Herr, hat gehört, dass automatische Lichtschalter, die die Glühbirnen bei Abwesenheit in unregelmäßigen Abständen an- und ausgehen lassen, die Täter nicht mehr irritieren. Ob das stimme? "Na ja, es gibt schon Einbrecher, die Stunden vor Objekten sitzen, um zu prüfen, ob jemand zu Hause ist. Einfacher machen sie es sich aber meistens, indem sie beispielsweise Steinchen an die Fenster werfen. Reagiert niemand, steigen sie ein."

Nicht nur zu ebener Erde und im ersten Stock sei man gefährdet, schildert die Beamtin weiter. "Wir hatten jüngst einen Fall, da ist jemand über die Weinrebe in ein oberes Stockwerk geklettert. Nicht nur die Dachrinne ist also ein Problem, sondern auch die Bepflanzung." Wieder gibt sie Info-Broschüren mit - die nicht ganz ohne Tücken sind. Denn der in einem der Folder vorkommende Satz: "Ein guter Sicherheitszylinder sollte vom Beschlag möglichst zur Gänze ????" ist keine Quizfrage, sondern lässt auf einige vor dem Druck gestohlene Wörter schließen.

Nun ist zwei Wochen Pause, erklärt Projektinitiator Walter Hladik von der Wiener Polizei. Liegen alle Genehmigungen des Magistrats vor, werde der Container durch die Bezirke wandern. Kosten seien damit nicht verbunden, beteuert er. "Der Container und auch der Transport-Lkw gehören uns."

Nur eine Sorge hat man bei der Exekutive: dass Jugendliche auf die Idee kommen könnten, ihre Farbspraydosen auf der temporären Polizeistation einzusetzen. Das Mittel der Polizei dagegen: "Wir lassen Sonderstreifen fahren", verrät die Beamtin im Container. (Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe, 2. Dezember 2009)

  • Die Kriminalistin und der Bürger: Im kargen Umfeld eines Baucontainers demonstriert die Polizei, warum neue Türen das Eigentum schützen und Zeitschalter für Lampen nutzlos sein können
    foto: der standard/robert newald

    Die Kriminalistin und der Bürger: Im kargen Umfeld eines Baucontainers demonstriert die Polizei, warum neue Türen das Eigentum schützen und Zeitschalter für Lampen nutzlos sein können

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