Dubai: "Überlege, ob ich die Schweiz umbenenne"

1. Dezember 2009, 18:41
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Der Immobilienentwickler und Ex-Polizist über seine Inseln vor der Küste Dubais und die Folgen der Gigantomanie im Emirat

STANDARD: Wie laufen die Geschäfte in Dubai? Sie haben ja unter anderem beim gigantischen Inselprojekt "Welt" zugeschlagen und die Insel Österreich gekauft. Wie ist der Stand des Projekts?

Kleindienst: Wir haben insgesamt acht Inseln gekauft, wobei wir drei zusammengelegt haben. Uns gehören Österreich, die Niederlande, Deutschland, Schweden, St. Petersburg und die Schweiz. Wobei ich mir nach der Abstimmung (Minarettverbot, Anm.) ernsthaft überlege, ob ich die Schweiz nicht umbenennen soll.

STANDARD: In Dubai wurden wegen der Finanzkrise zahllose Projekte gestoppt. Wie ist der Stand bei der Inselwelt?

Kleindienst: Die Inseln wurden Ende 2008 fertig aufgeschüttet und wurden dann teilweise an die Käufer übergeben. Bei 33 Inseln, darunter sind auch unsere, erwarten wir einen verzögerten Baubeginn für Anfang 2010. Wir hatten ja bereits zwei Käufer für die Inseln, kurz vor Abschluss des Geschäftes sind aber die Märkte eingebrochen. Dass Großprojekte einfach aufgekauft werden, gibt es hier nicht mehr und so werden wir die Inseln einmal selbst entwickeln. Verzögert hat sich der Baubeginn aber auch, weil der Markt uns allen eine gewaltige Lektion erteilt hat. Vor der Wirtschaftskrise spielte Geld hier keine Rolle, entsprechend großzügig wurden Villen und Hotels geplant. Nach Ausbruch der Krise mussten alle noch einmal in die Planungsphase gehen.

STANDARD: Inzwischen gibt es neue Probleme. Die Staatsholding Dubai World ist zahlungsunfähig.

Kleindienst: Hier herrscht Verwunderung darüber, wie kritisch die Meldungen rund um Dubai World auf den Weltmärkten aufgenommen wurden. Der Auslöser der Affäre waren die im Grunde bekannten Probleme des Immobilienentwicklers Nakheel, die zu Dubai World gehört. Nakheel konnte eine Anleihe von 3,5 Milliarden Dollar nicht zurückzahlen. Dass die Börsen und ganz Dubai nun deswegen so stark leiden, liegt vor allem an der negativen Berichterstattung.

STANDARD: Nakheel steht hinter bekannten Projekten wie der Palmeninsel. Warum ist Nakheel pleite?

Kleindienst: Nakheels Schwierigkeiten hängen mit den Problemen beim Projekt Waterfront zusammen. Die aufgeschüttete Waterfront an der Grenze zu Abu Dhabi sollte zweimal so groß wie Hongkong Island werden. Das Projekt hatte gigantische Ausmaße, unter anderem sollte ein 7,8 Kilometer langer Arm ins Meer ragen. Viele Hotelbetreiber und Immobilienentwickler haben sich Grundstücke reserviert, konnten wegen der Krise aber nicht zahlen, weshalb Nakheel selbst nicht zahlen kann.

STANDARD: Ist an dem ganzen Debakel nicht die kapitalistische Gigantomanie Dubais schuld?

Kleindienst: Sagen wir so: Ohne Wirtschaftskrise hätte es funktioniert. Wenn man weniger rasch vorangeschritten wäre, hätte man sicher viele Probleme nicht. Aber Großprojekte wie die Palmeninseln haben viele Großinvestoren hergelockt. Dubai liegt in derselben Region wie Irak, Iran, Afghanistan, steht heute aber ungleich besser dar. Zudem hat das Land für hunderttausende Menschen aus der Region Arbeit geschaffen.

STANDARD: Aber die Bezahlung ist schlecht und die Bedingungen der Arbeiter teils katastrophal.

Kleindienst: Das ist eine Vergleichsfrage. Selbst wenn die Leute nicht übermäßig verdienen, ist es dreimal mehr als in Indien, Pakistan. Und Hunderttausende träumen davon, ihre Familien nachzuholen und hier ihre Kinder in die Schule zu schicken. (András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe, 2.12.2009)

Zur Person

Der Ex-Polizist, Ex-FP-Politiker und Buchautor Josef Kleindienst ist seit der Wiener Polizei-Spitzelaffäre bekannt. In Dubai leitet er die auf Immobilien spezialisierte Kleindienst Group.

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