ÖBB-Postenschacher zügig auf Nebengleisen

1. Dezember 2009, 17:30
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Bahn bekommt Ober-EDV-Chef - Große Brocken blieben unerledigt

Wien - Die umstrittenen Tagesordnungpunkte der ÖBB-Holding-Aufsichtsratssitzung am Dienstag behielt sich Präsident Horst Pöchhacker für den Schluss vor. Unter Tagesordnungspunkt 16 "Vorstandsangelegenheiten", war eine kontroversielle Debatte programmiert, zielte selbiger doch auf die vorzeitige Pensionierung des für den Absatz zuständigen Holding-Vorstandsdirektors Gustav Poschalko per Jahresende ab.

Über die Modalitäten war zwischen den Koalitionsparteien bis zuletzt gefeilscht worden - mit ungewissem Ausgang, denn der Hausfrieden hängt seit dem Debakel bei der Bestellung des ÖBB-Personenverkehr-Finanzchefs am vergangenen Mittwoch schief. ÖVP-Verhandler sind sauer, weil Pöchhacker bereit war, die Postenbesetzung gegen ihren Willen durchzuziehen. Wäre, denn diesen Alleingang durchkreuzten, wie berichtet, die Belegschaftsvertreter, indem sie gegen die kurzfristig eingeschobene Bestellung von Andreas Fuchs stimmten - weil sich Fuchs wohl für andere Positionen im ÖBB-Konzern, nicht aber für den PV-Finanzchef beworben hatte. Die der VP zurechenbaren Kapitalvertreter lehnten Fuchs ebenso ab, wie den im Hearing im Februar zweitgereihten ÖBB-Rechnungswesenleiter Günther Hek. Seither steht die Mühle. Da eine Wiederholung der ein Jahr alten Ausschreibung als ausgeschlossen gilt (weil einklagbar), stieg der Druck auf Hek, seine Bewerbung zurückzuziehen und den Weg für einen neuen Anlauf freizumachen.

Nebenschauplätze durchgewunken

Durchgewunken wurden in der Sitzung, die gut acht Stunden gedauert hat, jedenfalls Nebenschauplätze. So bekommt der ÖBB-Konzern einen neuen CIO, also einen IT-Chef, der diverse EDV-Systeme in diversen Konzerntöchtern von der Holding aus harmonisieren soll. Von ÖBB-Holding-Finanzchef Josef Halbmayr dafür vorgesehen ist Peter Ostermann, 53-jähriger IT-Fachmann, der auffällig viele Großunternehmen durchlaufen hat - von der alten Elin Union der 19970er-Jahre über Andersen Consulting, IBM und Erste Bank. Durchgriffsrecht hat der neue CIO zwar keines auf die zahlreichen IT-Systeme, laut Halbmayr seien mit der Harmonisierung aber gut zwölf Millionen Euro einsparbar.

Gegen ausufernden Erklärungsbedarf betreffend Spesen und Beratungshonorare des ÖBB-Holding-Aufsichtsrats hatten sich der Präsident und seine Stellvertreter mit Gutachten gewappnet. Während jenes von WU-Professorin Susanne Kalss keinen Freibrief für den ehemaligen ÖBB-Holding-Vizepräsidenten, Eduard Saxinger, darstellt, soll jenes der Kanzlei Reich-Rohrwig mehr Gestaltungsspielraum bieten, wie es in ÖBB-Kreisen heißt. Da von den 100.000 Euro Honorar (netto) nur 30.000 Rechtsberatung im engeren Sinn darstellten (der Rest seien begründbare Mehraufwendungen und Spesen), galt ein Reparatur-Beschluss des aus Pöchhacker, Franz Rauch und Herbert Kasser (Generalsekretär Verkehrsministerium) bestehenden Präsidiums als ausgemacht. Die Ergebnisse der Sitzung waren zu Redaktionsschluss noch nicht offiziell - auch, was die Führung der neuen ÖBB-Shared-Services betrifft. Der Posten war lange Zeit für Philipp Ita reserviert, Exkabinettschef diverser ÖVP-Innenminister. Das Rennen machten Personenverkehr-Personalistin Sabine Greiner und ÖBB-Rechtschef Alfred Loidolt. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe, 2.12.2009)

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