Obama-Pläne bringen Alliierte unter Zugzwang

1. Dezember 2009, 17:38
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Die USA verlangen auch von ihren Nato-Partnern mehr Anstrengungen. Am Freitag wollen Clinton und Holbrooke in Brüssel dafür werben.

Die Briten sagten bereits neue Truppen zu.

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Washington/Wien - Berggasse Wien, Österreichisches Institut für Internationale Politik: Esther Brimmer, Assistant Secretary für Internationale Organisationen und eine Art "Mrs. Multilateralismus" des US-Außenamts, gibt einer ausgewählte Runde von Zuhörern ein Briefing. Immer wieder scheint an diesem Dienstag das durch, was auch Präsident Barack Obama später in seiner Rede an die Nation anklingen lassen wird: Engagement, die neue Losung der US-Außenpolitik, könne keine Einbahnstraße sein. Man brauche auch willige Partner in der neuen, "multipartnerschaftlichen Welt" des 21. Jahrhunderts.

Das trifft insbesondere für den Krieg in Afghanistan zu, wo die Alliierten der Amerikaner deutlich unter Zugzwang stehen. Obama, der am Dienstag vorab den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai über seine Pläne informierte, rief auch die Regierungschefs seiner Partnerländer durch. Der britische Premierminister Gordon Brown sagte danach 500 zusätzliche Soldaten für den Kampf am Hindukusch zu. Damit erhöht sich das britische Kontingent auf 10.000.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy wollte keine neuen Truppen schicken, aber sicherte immerhin zu, dass die 3750 französischen Soldaten und 150 Polizisten nicht eher abgezogen würden als sich das Land stabilisiert hätte. Ähnliches erklärte auch der australische Premier Kevin Rudd nach einem Treffen mit Barack Obama in Washington. Sein Land stehe seit langer Zeit an der Seite der USA in Afghanistan. "Deshalb werden wir auch langfristig mit Amerika dort sein" , sagte Rudd. Australien hat mehr als 1300 Soldaten am Hindukusch stationiert.

Deutsche warten zu

Der Deutsche Bundestag wollte noch diesen Donnerstag eine Verlängerung des Mandates für die 4500 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan beschließen. Über eine bereits angekündigte Truppenaufstockung allerdings will Kanzlerin Angela Merkel, die derzeit wegen der Affäre um offenbar vertuschte Ursachen eines tödlichen Luftangriffs unter deutschem Kommando unter Druck steht, aber erst Ende Jänner und nach einer internationalen Afghanistan-Konferenz in London entscheiden.

Vor allem setzen die Amerikaner auf ihre Nato-Partner. Richard Holbrooke, der sogenannte AfPak-Sonderbeauftragte der US-Regierung, machte sich auf den Weg nach Europa, um diese mit der neuen Strategie en détail vertraut zu machen. Am Freitag dann sollen er, Außenministerin Hillary Clinton und der US-Oberkommandierende in Afghanistan Stanley McChrystal bei den Nato-Außenministern in Brüssel Überzeugungsarbeit leisten. Washington hofft, von der Nato jene zusätzlichen Truppen zu erhalten, auf die 40.000 Mann fehlen, die General McChrystal gefordert hatte. Insgesamt waren mit 1. Dezember 68.000 GIs und 42.000 Soldaten aus anderen Mitgliedstaaten des Nordatlantikbündnisses in Afghanistan stationiert.

Marines sind die Ersten

Die zusätzlichen US-Truppen sollen nach dem Willen der Kommandeure vor allem in den schwer umkämpften Provinzen Helmand und Kandahar eingesetzt werden. Als erste Einheit soll in den ersten Tagen nächsten Jahres ein Expeditionskorps der US-Marines dorthin verlegt werden, mehrere Divisionen der Armee sollen folgen.

Unklarheiten gibt es in den USA nach wie vor über die Kosten des Einsatzes. Der Kongress rechnet mit einer Million Dollar pro zusätzlichem Soldaten und Jahr. Stimmen diese Zahlen, würde das die Kosten für den Afghanistaneinsatz allein der Amerikaner auf rund 100 Milliarden Dollar pro Jahr treiben - eine horrende Summe, die erst einmal vom US-Kongress genehmigt werden muss. (Christoph Prantner, DER STANDARD, Printausgabe, 2.12.2009)

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    Die überschaubare Truppenpräsenz in Afghanistan soll nach dem Willen von Präsident Obama gestärkt werden. Dazu sollen mehr afghanische Truppen und Polizeikräfte ausgebildet werden.

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