Architekten auf den Zahn gefühlt

1. Dezember 2009, 17:28
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Wirtschaftliche Standortbestimmung der Branche in Form einer österreichweiten Studie

Den Status quo des Berufsstands der Architekten, Ingenieurkonsulenten und Ziviltechniker nimmt eine neue Studie unter die Lupe, die am Dienstag präsentiert wurde. Demnach ist die Zufriedenheit mit der Höhe des Einkommens generell eher gering, wobei Ingenieurkonsulenten mit ihrem Einkommen rund doppelt so häufig zufrieden sind wie Architekten. Auch die berufliche Lebensqualität und das professionelle Umfeld schätzen sie positiver ein. Nur drei bis vier Prozent würden gern vor dem Pensionsantrittsalter aus dem Beruf aussteigen, während jeder Achte unsicher ist. 15 Prozent der Ziviltechniker bedauern ihre Berufswahl

Zwei Milliarden Euro Umsatz

Wirtschaftlich betrachtet erzielten 4.118 Betriebe von Ingenieurkonsulenten (IK) und Architekten 2008 knapp zwei Milliarden Euro Umsatz, wobei etwas mehr als die Hälfte auf Ingenieurkonsulenten entfiel, weil sie insgesamt mehr Umsatz pro Büro machen als Architekten, wie es in einer Aussendung heißt. Der Umsatz betrug 2008 bei den Ingenieurkonsulenten im Median 126.000 Euro, bei den Architekten 103.000 Euro. Auf Seite der Kosten dominierten die Aufwendungen für Personal und Leistungen Dritter.

Im Jahr 2009 zeichne sich insbesondere bei zahlreichen Architekten ein geringerer Auftragsstand als 2008 ab. Die Auftragsvolumen bei den Ingenieurkonsulenten stammen zu rund 40 Prozent aus der öffentlichen Hand, bei Architekten nur zu knapp 25 Prozent.

Beschäftigte und Stundensätze

Im Vorjahr beschäftigte die Branche in Österreich 24.250 Menschen im Vollzeitäquivalent. 2009 werde sich der Beschäftigungsstand auf dem selben Niveau bewegen.

Rund 73 Prozent der geleisteten Arbeitsstunden können weiterverrechnet werden, der durchschnittliche Stundensatz liegt bei 80 Euro. Ergänzt um den betriebswirtschaftlich notwendigen Gemeinkostenfaktor bedeute das einen zu verrechnenden Stundensatz von 114 Euro.

Auftragsvergabemodalitäten und Wettbewerbe

Ausländische MitbewerberInnen spielen laut Studienergebnis für die Befragten keine besondere Rolle, so ein weiteres Ergebnis der Befragung, die von Triconsult mittels web-gestützter schriftlicher Interviews im gesamten Bundesgebiet durchgeführt wurde. Die Konkurrenz komme eher aus der unmittelbaren Region, oder - seltener - aus anderen Bundesländern.

Die Vergabemodalitäten für Aufträge der öffentlichen Hand unterscheiden sich deutlich: Bei Architekten gehen rund 50 Prozent aller Fälle auf Wettbewerbe zurück, bei Ingenieurkonsulenten komme dies hingegen nur in Ausnahmefällen vor, da hier Direktvergaben deutlich häufiger vorkämen. Dementsprechend nehmen auch nur 17 Prozent der Ingenieurkonsulenten an Wettbewerben teil, während dies auf Architektenseite 63 Prozent der Befragten tun.  Architekten investieren circa 1,3 Millionen Stunden in Wettbewerbe und tragen Kosten in Höhe von rund 73 Millionen Euro, von denen sie etwas mehr als 33 Millionen Euro in Form von Aufwandsentschädigungen zurück erhalten.  (red)

  • Stellten die Studie vor (v.l.): Josef Robl (Vorsitzender der Bundessektion Ingenieurkonsulenten), Georg Pendl (Kammerpräsident), Felix Josef (Geschäftsführer Triconsult).
    foto: arching.at/bernhard wolf

    Stellten die Studie vor (v.l.): Josef Robl (Vorsitzender der Bundessektion Ingenieurkonsulenten), Georg Pendl (Kammerpräsident), Felix Josef (Geschäftsführer Triconsult).

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