Kampf gegen Geldwäsche

"Österreich attraktiv als Anlageort für Kriminelle"

1. Dezember 2009, 18:38

Anti-Geldwäsche-Einheit FATF der OECD kritisiert Bankgeheimnis und milde Justizpraxis

Wien - Ein 357 Seiten starker Bericht der FATF räumt mit der gängigen Meinung auf, wonach das Bankgeheimnis brave Anleger schütze, aber keinen Schutz von Geldwäsche darstelle. Die Financial Action Task Force on Money Laundering macht vor allem das Bankgeheimnis dafür verantwortlich. Bei der strafrechtlichen Verfolgung von Verbrechen werde dadurch "in der Praxis der Zugang zu relevanten Informationen behindert", heißt es in dem vom Internationalen Währungsfonds im Auftrag der FATF erstellten Bericht über Österreich.

Dabei gehe es nicht nur um das Bankgeheimnis, sondern auch das Berufsgeheimnis von Anwälten und Notaren. Vor allem im frühen Stadium der Ermittlungen sei der Zugang zu relevanten Informationen "unmöglich . Das wirke sich auch bei internationalen Verdachtsfällen aus, bei denen Österreich um Amtshilfe ersucht wird. "Die strengen Voraussetzungen zur Aufhebung des Bankgeheimnisses bremsen eine effektive Kooperation." Zudem konstatieren die Experten, dass die Beschränkungen "von Finanzinstituten und Rechtsbeiständen ausgenutzt werden können, um Informationen zu verweigern".

Österreich soll die Anforderungen, um an wichtige Daten heranzukommen, lockern, lautet die Empfehlung der Organisation.

Keine guten Erfahrungen

Österreich hat mit der FATF bisher keine guten Erfahrungen gemacht. So legte sich die Task Force mit Wien wegen der Anonymität von Sparbüchern und Wertpapierkonten an und drohte mit Sanktionen. Diese reichen von der internationalen Ächtung bis zum Ausschluss aus der Organisation. In der internationalen Wirtschaft gilt die Mitgliedschaft in der FATF oft als Voraussetzung für die Aufnahme von Geschäften. Am Sitz der Task Force in Paris wird derzeit aber an keine Sanktionen gedacht, wie Vincent Schmoll im Gespräch mit dem Standard betont. Er konzediert dem Land auch Fortschritte im Kampf gegen Geldwäsche, allerdings bleibe noch viel zu tun. Insgesamt liege Österreich bei der Umsetzung der FATF-Vorgaben ungefähr im Mittelfeld der 34 Mitglieder der Organisation, meint Schmoll.

Was den Bekämpfern von Terrorfinanzierung und Geldwäsche ebenfalls sauer aufstößt: die geringe Zahl an Verurteilungen bei Vergehen, das geringe Strafmaß und die geringen beschlagnahmten Summen. Das werfe die Frage auf, ob das System effektiv ist, heißt es in dem Bericht.

Die genannten Kritikpunkte sowie die geografische Nähe zu Osteuropa tragen laut FATF dazu bei, dass Österreich "von kriminellen Organisationen als Durchgangsland für Drogen und andere Schmuggelgüter genutzt wird. Gleichzeitig ist Österreich aufgrund seiner politischen Stabilität, seines Bankgeheimnisses und seines Steuersystems ein attraktiver Anlageort für Geld aus kriminellen Quellen." Neben den genannten Verbesserungen fordert die FATF eine Risikoanalyse zu Geldwäsche und Terrorfinanzierung. (as, DER STANDARD, Printausgabe, 2.12.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 141
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t-bonesteak
00
2.12.2009, 18:32
welches problem gibt es denn?

bei begründetem verdacht auf kriminelle machenschaften haben die behörden doch ohnehin zugriff auf die bankdaten.

Orakel1
00
2.12.2009, 18:32
Und ich dachte. wegen unserer weit unter dem EU-Durchschnitt...

...liegenden Aufklärungsquote unserer sog. Exekutive.

Karl600
00
2.12.2009, 18:19
Schutz für Steuerhinterzieher Motiv der laxen Behörden?

Ich meine, der günstige österreichische Boden für finanzielle Transaktion von "echten" Kriminellen ist ein unbeabsichtigter Nebeneffekt der jahrzehntelangen österreichischen Tradition, Steuerhinterziehung in Österreich als Kavaliersdelikt zu betrachten und möglichst zu unterbinden, daß Steuerhinterziehung tatsächlich verfolgt werden kann. Ich sehe darin ein verständliches Komplott der Nomenklatura, unbehelligt innnerhalb der Peer Group einander nicht weh zu tun. Daß dieser geschaffene "Freiraum" nun auch von "echten" Kriminellen verwendet wird, ist jetzt natürlich ein Problem, auf die eigenen Privilegien will man aber verständlicherweise auch nicht verzichten und hält mit Zähnen und Klauen daran fest.
Karl

Poldi Fesch
00
4.12.2009, 14:11
was denn, als

ein Kavaliersdelikt sollte es denn sein ?

Einseifer
00
2.12.2009, 18:14
Ich habe gar nichts zu verbergen, außer mein Privatleben!

Einseifer
00
2.12.2009, 18:12
Bei uns wird nicht Schwarzgeld gewaschen - es wird verteilt!

Bringen Sie ein Gutachten vom Gutachter Hr. ... ! Bei positiver Bewertung bekommen Sie die 1500000.- Förderung.

So geht das - es muß ein Titel und ein Berater dabei sein. Das Honorar sind etwa 30% der Förderung, genug?

So wird der Filz erhalten und das wechselweise Zuschieben der Honorare hilft allen.

Wie beim Nachhilfeunterricht dem Lehrkörper;-)

Bankster, halb Banker, halb Gangster
00
2.12.2009, 17:23

Zeitlich sehr interessant ist die Publikation dieser Studie. Gestern hat ja Österreich sich seiner Stimme zum SWIFT-Abkommen enthalten.

Olivier Merle
10
2.12.2009, 17:00

Wir stehen am Abgrund. Unzufriedene Bürger verbündet Euch und zeigt dem anglo-sächsischen Kontrollator den Mittelfinger!

Der Waehlerwille
 
10
2.12.2009, 16:56
fassen wir also die letzten studien und untersuchungen sinnerfassend zusammen

österreich ist attraktiv für:

pensionisten aus zb den usa.

unterdurchschnittlich gebildete zuwanderer aus zweiter und dritter welt.

raucher.

und kriminelle geldwäscher.

... alles klar soweit.

Poldi Fesch
00
4.12.2009, 14:12
na

schlecht ?

auf Leben und Brot
00
2.12.2009, 17:17
suderanten

haben´s vergessen

someones
00
2.12.2009, 16:29
dafür haben wir doch die vorratsdatenspeicherung!

damit man alle überwachen kann!
weil wenns mit bankgeheimnis nicht geht, wird halt irgendwas in den aus vorrat gespeicherten daten gefunden!

Bob Kelso
12
2.12.2009, 15:36

Über das Bankgeheimnis kann man ja streiten. (Persönlich glaube ich, dass das ein vorgeschobenes Argument für die dahinter liegenden Wettbewerbsvorteile ist, noch dazu mit dem widerlichen Beigeschmack der unkontrollierbaren, totalen Überwachung der Privatspäre, aber ich kann mich ja irren.)
Noch interessanter ist allerdings, dass es jetzt anscheinend schon um den nächsten Schritt geht, nämlich das Berufsgeheimnis von Anwälten und Notaren. Ihr Anwalt wird also ohne begründeten Verdacht ausländischen Behörden gegenüber auskunftspflichtig sein über alles was er mit Ihnen vertraulich besprochen hat !? Ich glaub, ich steh im Wald...

New Hampshire
01
2.12.2009, 15:26

Österreich ist nicht nur als Anlageort für Kriminelle toll - auch als Abholadresse bietet das Land einiges...rundum offene Grenzen, Häuser in denen es sich herrlich einbrechen lässt, die Polizei mit einem IQ ausgestattet wie Chief Wiggum - ein Selbstbedienungsladen sozusagen - Das "Komm & Klau-Ticket" der ÖBB fehlt noch, aber sonst ein Eldorado.

Mucosaprolaps
00
2.12.2009, 15:22

Geldwäsche wird doch allerorten toleriert; in dem sterbenden Kaff Oberhausen / Ruhrgebiet etwa gibt es Dutzende Geldspielautomaten-Cafés, wo man nie jemanden drin sieht. Dass dort Geldwäsche betrieben wird, gilt als offenes Geheimnis. Ich bin nicht sicher, ob es in Wien so viel anders ist -- in einem derart schmutzigen Gewerbe.

value
 
00
2.12.2009, 15:10

Solang die brav Kest zahlen wirbt die ÖVP wohl eh mit Plakaten an großen Bahnhöfen in Osteuropa ...

Millionendieb Franz
32
2.12.2009, 14:00
Für ne Million lös ich auch das problem!

War letztens golfen in Florida und hab da gleich einige Leute wegen der Euro-Umstellung beraten. Und jetzt will ich meine Mille. Die sollen die Knete ruhig von den Sparbüchern kleiner Arbeiter nehmen ! Dann bleibts wenigstens in der Familie! Har har Har

Rune Rebellion
01
2.12.2009, 13:57
Attraktiv...

...nicht nur als Anlageort, sondern immer mehr auch als "Wegtrageort" für Kriminelle.

NY, Brooklyn
02
2.12.2009, 13:53

Bei uns wird das Geld hoechstens geparkt und in investierbare Summen zerlegt, aber sicher nicht direkt veranlagt! Das passiert mMn eher auf den Caymans, usw.
Wahr ist mMn, dass Oesterreich fuer kriminelle Gelder sehr oft so was wie ein Umschlagplatz ist.

angelo6
01
2.12.2009, 13:41
der Ruf des Finanzplatzes Österreichs darf nicht angepatzt werden

Das sagt doch immer der ÖVP-Stummvoll.

onlooker
00
2.12.2009, 18:20
auf englisch? unvorstellbar

Francesco Petrarca
09
2.12.2009, 13:37
Dass Österreich für Kriminelle attraktiv ist, wundert mich überhaupt nicht.

Als ein Ministerialbeamter ananonym dem "Falter" einen großen Sack mit Dokumneten überreichte, in denen unglaubliche Schweinereien unserer Justiz und Exekutive dokumentiert sind (Korruption, Schutzgeldring der Polizei, bestechliche Richter, u.v.m.),
da war die Reaktion der Frau Bandion-O. nur:
"Priorität hat jetzt, den Informanten zu finden."

Ein Land mit einer Justiz, in der nicht die Korruptionsbekämpfung Priorität hat, sondern deren Vertuschung, ist ja wirklich ein gefundenes Fressen für Kriminelle.

José Atento
22
2.12.2009, 13:13
Man blicke ins Land der Mafia, nach Italien

da gibt es angeblich kein so strenges Bankgeheimnis wie in Ö und daher auch keine Geldwäsche. Und Schwarzgeld gibt es dort auch keines mehr. Auch der Drogenhandel ist eingedämmt worden, hahaha...

onlooker
00
2.12.2009, 18:23
in italien werden jetzt ständig mafiosi hop genommen,

wieviele hat österreich in der zwischenzeit ausgehoben?

Francis Scott
12
2.12.2009, 15:09

ähem, deswegen ist ja österreich ein attraktives geldwäscheland für >ausländische< kriminelle, mehr steht auch nicht da.

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