Tiroler Hypo-Chef muss gehen

1. Dezember 2009, 14:46
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Hannes Gruber geht zu Jahresende: Ein möglicher Kreditausfall in Höhe von 21 Millionen Euro brachte das Fass zum Überlaufen

Innsbruck - Der Tiroler Hypo-Chef Hannes Gruber verlässt mit Jahresende die landeseigene Bank. Dies verlautete am Dienstag aus dem Büro des Landeshauptmannes. Hintergrund dürfte eine umstrittene Kreditvergabe in Bayern sein, bei der 21. Mio. Euro an eine Solarfirma offenbar ohne entsprechende Sicherheiten vergeben worden waren. Diese Kreditvergabe hatte auch zu Ermittlungen der dortigen Staatsanwaltschaft geführt.

Betrugsfall in Bayern "frisst" Ertrag 2009

Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Mader betonte am Dienstag, dass "niemand silberne Löffel gestohlen hat". Die Kreditvergabe in Bayern und die daraus resultierende Wertberichtigung seien allerdings "in einer Größenordnung, wo man nicht wegschauen kann".

Auf die Höhe der Wertberichtigung wollte sich Mader nicht festlegen. Heuer erwirtschafte die Landesbank zwar ein deutlich positives Ergebnis. Dieser Ertrag werde aber durch den Betrugsfall in Bayern "aufgefressen". Die Bilanz werde aber sicher positiv sein, "allerdings nicht in der Höhe, die wir gerne hätten".

Bei einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am 9. Dezember sollen nun die Prüfberichte präsentiert werden. Am 15. Dezember folge eine ordentliche Aufsichtsratssitzung, bei der auch die Ergebnisse einer Prüfung durch die Finanzmarktaufsicht vorgestellt werde.

Erst am vergangenen Freitag hat sich die Tiroler Hypo rund 52 Mio. Euro Partizipationskapital vom Markt geholt. Obwohl es dazu eine Landesgarantie gab, wurden von möglichen 100 Mio. Euro nur die Hälfte gezeichnet. Da das Land Tirol eine Ausfallshaftung für die Partizipationsscheine übernimmt, hat die Maßnahme eine ähnliche Wirkung wie eine staatliche Kapitalzuführung. Damit komme die Hypo Tirol Bank auf eine Kernkapitalquote von rund 7 Prozent.

Suche nach Nachfolger ohne Zeitdruck

Zeitdruck für die Gruber-Nachfolge gebe es keinen. Die Bank habe zwei zeichnungsberechtigte Vorstände, sagte Mader.

Landeshauptmann Günther Platter betonte, er nehme als Eigentümervertreter seine Verantwortung gegenüber dem Unternehmen, den Kunden und den Mitarbeiterern "sehr ernst". Dieser Schritt sei "gut und sorgfältig überlegt". Er sehe darin "insbesondere auch eine Chance für eine weitere Schärfung der neuen Strategie des Unternehmens". Zielvorgabe sei, dass die Hypo Tirol Bank in erster Linie ihre Rolle als Landesbank wahrnehme, sich vor Ort um die Menschen und Unternehmen in der Region kümmere und hier ein verlässlicher und vertrauenswürdiger Partner sei. Diese Neupositionierung werde nun auch an der Unternehmensspitze vollzogen.

In einem schriftlichen Statement nannte Gruber "unterschiedliche Sichtweisen über die Entwicklung der Bank und der Betrugsfall M-Solar" als Auslöser für die Entscheidung. Intensive Prüfungen in den vergangenen Wochen hätten zwar eine gesunde und starke Regionalbank ausgewiesen. Der Betrugsfall in Bayern und ein deutlich erhöhter Wertberichtigungsbedarf hätten "aber auch Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt". Zahlen nannte Gruber nicht. (APA)

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