Oberösterreich hofft auf höhere Chancen durch Med-Uni-Studie

1. Dezember 2009, 13:33
4 Postings

Kosten in den ersten 10 Jahren auf etwa 170 Mio. Euro geschätzt

Linz - Bessere Karten für die Errichtung einer Medizin-Uni in Linz erhofft man sich in Oberösterreich von einer von der Medizinischen Gesellschaft ausgearbeiteten Machbarkeitsstudie. Das gaben am Dienstag u.a. Landeshauptmann Gesundheitsreferent Josef Pühringer (ÖVP), der Bürgermeister von Linz, Franz Dobusch (SPÖ), der Präsident der Ärztekammer für Oberösterreich, Peter Niedermoser, und der Präsident der Medizinischen Gesellschaft für Oberösterreich, Primar Josef Thaler, in einer Pressekonferenz bekannt.

Über die Notwendigkeit einer Medizinischen Universität, deren Kosten auf rund 170 Mio. Euro in den ersten zehn Jahren geschätzt werden, herrscht im Landtag bei allen vier Fraktionen Einigkeit. Neben Pühringer und Dobusch bekräftigte auch die Gesundheits- und Wissenschaftssprecherin der FPÖ, Brigitte Povysil, ihre eindringliche Forderung. In einer Aussendung der Gesundheitssprecherin und stellvertretenden Klubobfrau der Grünen, Ulrike Schwarz, hieß es fast wortgleich: "Die Errichtung ist unumgänglich und darf nicht länger verzögert werden."

Pühringer: Nachwuchsbedarf für medizinische Versorgung

Pühringer verwies auf Nachwuchsbedarf, um die medizinische Versorgung auch in Zukunft zu gewährleisten. Außerdem wies er darauf hin, dass es bereits jetzt vor allem im ländlichen Raum zu wenig niedergelassene Ärzte - er schätze die Zahl auf 100 - gebe. Landesrätin Doris Hummer (ÖVP), u.a. für Bildung, Wissenschaft und Forschung zuständig, betonte auch die volkswirtschaftliche Bedeutung einer Medizinuniversität. So würden etwa 500 Arbeitsplätze allein in Linz entstehen.

Laut der Studie wird der künftige jährliche Bedarf in Österreich auf rund 1.600 Universitätsabsolventen geschätzt. Aufgrund der begrenzten Medizinausbildungsplätze, der hohen Drop-out Raten und der Quotenregelung für ausländische Studierende, werden jährlich jedoch mehr als 800 Absolventen zur Deckung des inländischen Bedarfs fehlen. Maßnahmen, die im Jahr 2009 getroffen werden, würden aufgrund der neun bzw. zwölfjährigen Vorlaufzeit frühestens 2018 greifen. Deshalb spiele auch der Zeitfaktor eine wichtige Rolle - Wunsch aller sei es, in zwei bis drei Jahren mit der Umsetzung der Medizin-Uni beginnen zu können.

Oberösterreich hofft auf Machbarkeitsstudie

Einig waren sich alle Teilnehmer auch darin, dass die Machbarkeitsstudie ein schlagendes Argument in Wien sei, das schwer zu überhören sei. Laut dem Berater der Medizinischen Gesellschaft, Wolfgang Stampfl, würde man dem scheidenden Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) die 249 Seiten noch diese Woche zukommen lassen. Pühringer will dem Nachfolger Hahns eine Schonzeit einräumen, wie er betonte. "Gegen Ende Jänner wird es einen neuen Minister geben, nach Zeit sich einzuarbeiten, werden wir noch im ersten Halbjahr 2010 bei ihm vorsprechen", so der Landeshauptmann. Applaus erwarte er sich nicht, den habe es schon damals für die Johannes Kepler Universität nicht gegeben, erinnerte er sich.(APA)

 

Share if you care.