Grüne: "Stephansplatz ist keine Raiffeisen-Filiale"

1. Dezember 2009, 13:40
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Öffentliche Diskussion über fünf Meter hohes Aufzugsgebäude für Dombauhütte und gläsernen Souvenirshop gefordert

Wien - Deutlich weniger Stellplätze für die Fiaker, keine Durchfahrt für die Buslinie 1A und die Verunstaltung des "wichtigsten Platzes von Österreich" werden von den Grünen angesichts der Pläne für die Dombauhütte am Stephansplatz befürchtet. Diese soll nebst einem Diözesanmuseum unterirdisch neu errichtet werden und einen Zugang in Form eines 64m2 großen und fünf Meter hohen Lifthauses aus Stein bekommen. Gleichzeitig soll die bestehende Dombauhütte durch einen direkt an den Stephansdom angebauten, gläsernen Museumsshop ersetzt werden. "Wir fordern eine öffentliche Diskussion über dieses Projekt, das gravierende Änderungen bringt", so Sabine Gretner, Planungssprecherin der Grünen Wien, am Dienstag.

Online-Petition

Das Bauvorhaben sei hinter verschlossenen Türen zwischen der Bezirksvorsteherin der Wiener City, Ursula Stenzel, Bürgermeister Michael Häupl und Raiffeisen-Generaldirektor Christian Konrad beschlossen worden. "Konrad muss akzeptieren, dass der Stephansplatz keine Raiffeisen-Filiale ist", so Gretner in Richtung des Obmanns des Vereins "Rette den Stephansdom". Die Grünen haben ihrerseits eine Online-Petition unter dem Titel "Rettet den Stephansplatz!" gestartet.

Darin wird gefordert, dass keine öffentlichen Budgetmittel aufgewendet werden dürfen, kein öffentlicher Raum verloren gehen darf, kein Aufzugsbauwerk am Stephansplatz errichtet wird und die Buslinie 1A in voller Streckenlänge erhalten bleibt. "Wir begrüßen grundsätzlich, dass die Dombauhütte erneuert und das Bischofstor wieder öffentlich zugänglich wird", erklärte Rainer Fussenegger, Klubobmann der Grünen Innere Stadt. Allerdings bringe das geplante Projekt eine "massive Beeinträchtigung" für den Stephansplatz. So würden die gegenwärtigen Sichtachsen geschlossen, die Fiakerstandplätze von 24 auf sechs reduziert.

Gemeinsam mit den Fiakern wollten die Grünen ein 1:1-Modell des Aufzugsbaus präsentieren. Dies sei von der Polizei unter anderem wegen Bedenken hinsichtlich des für Passanten eingeschränkten Durchgangs abgelehnt worden. Kommende Woche wollen die Grünen erneut versuchen, mit ihrem Modell vor Ort die Ausmaße des Baus zu verdeutlichen. Der Baubeginn wird für Jänner 2010 angepeilt, Bauverhandlung hat es für das Projekt noch keine gegeben.

Erzbischöfliches Palais als Alternative

Ein besonderer Dorn im Auge ist den Grünen, dass ein privater Verein mit öffentlichen Mitteln finanziert werde, um "für die Kirche nachhaltige Einnahmequellen in prominenter Lage zu schaffen". Einen Alternativ-Vorschlag für den Aufzugsbau haben die Grünen bereits parat: "Der Aufgang kann auch im erzbischöflichen Palais errichtet werden", so Fussenegger. (glicka, derStandard.at, 1. Dezember 2009)

  • Mit einer Fotomontage wollen die Grünen die Dimensionen des geplanten Domhütten-Projekts verdeutlichen.
    fotomontage: grüne wien

    Mit einer Fotomontage wollen die Grünen die Dimensionen des geplanten Domhütten-Projekts verdeutlichen.

  • Von den Grünen angefertiger Plan.
    foto: grüne innere stadt

    Von den Grünen angefertiger Plan.

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