Justizministerium: Polanski kommt nicht vor Freitag aus Haft

1. Dezember 2009, 10:54
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Medien geben Belagerung von Villa des Regisseurs in Gstaad auf

 Starregisseur Roman Polanski wird nach Schweizer Behördenangaben nicht vor Freitag aus dem Gefängnis entlassen. Die Kaution in Höhe von rund drei Millionen Euro stehe noch aus, werde aber in den nächsten Tagen überwiesen, sagte der Sprecher des Schweizer Justizministeriums, Folco Galli, am Montag. Erst wenn alle Auflagen erfüllt sind, kann der 76-jährige Filmemacher seinen Hausarrest in seinem Haus in Gstaad antreten.

Vor Polanskis Chalet "Milky Way" in dem noblen Schweizer Skiort zogen bereits die ersten Kamerateams und Fotografen wieder ab. Tagelang hatten sie trotz Kälte und Schnee die Villa in Erwartung des berühmten Häftlings belagert. Das Justizministerium nannte den Freitagstermin nach Angaben Gallis auch aus Mitleid mit den wartenden Medienvertretern.

Seit 26. September in Auslieferungshaft

Polanski sitzt seit dem 26. September auf Antrag der US-Justiz im Gefängnis Winterthur in Auslieferungshaft. Er wurde festgenommen, als er das Filmfestival in Zürich besuchen wollte. Die US-Justiz wirft ihm vor, vor 32 Jahren eine 13-Jährige sexuell missbraucht zu haben. Seit seiner Flucht 1978 hatte Polanski die USA stets gemieden, sich hingegen wiederholt unbehelligt in der Schweiz aufgehalten. In der vergangenen Woche entschied das Schweizer Bundesstrafgericht, dass Polanski die Entscheidung über seine mögliche Auslieferung in seinem Haus abwarten darf. Neben der Millionen-Kaution muss er seine Papiere hinterlegen und eine elektronische Fußfessel tragen.

Nach den Worten des französischen Konsuls Jean-Luc Faure-Tournaire erträgt Polanski seine Haft inzwischen besser als in den ersten Wochen. Das Wissen, dass er das Gefängnis bald verlassen werde, "beruhigt und ermutigt" ihn, sagte Faure-Tournaire am Montagabend nach einem Treffen mit dem polnisch-französischen Regisseur im Gefängnis.

Polanskis Villa wurde bereits am vergangenen Wochenende auf den Aufenthalt ihres Besitzers vorbereitet. Handwerker installierten das elektronische Überwachungssystem, das Alarm schlagen soll, sobald sich Polanski zu weit von seiner Villa entfernt. Laut Ministeriumssprecher Galli darf Polanski nach Belieben Gäste empfangen, telefonieren und E-Mails schreiben, das 1.800 Quadratmeter große Grundstück, auf dem sein Haus steht, aber nicht verlassen. (APA)

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