In Österreich Uni-Autonomie wenig stark ausgeprägt

2. Dezember 2009, 13:46
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Einschränkungen etwa bei Studenten-Auswahl, Studiengebühren, Uni-Rat, Rektors-Wahl und Gebäude-Eigentum

Wien - Die österreichischen Unis sind autonom - dieser im Zusammenhang mit den letzten Uni-Reformen oft geäußerte Satz stimmt im internationalen Vergleich nicht immer. Das zeigt eine Studie der European University Association (EUA), die die Uni-Autonomie in 34 europäischen Staaten vergleicht. Die österreichischen Hochschulen sind in gewissen finanziellen, studienrechtlichen und Personalfragen durchaus weitgehend eigenständig, umgekehrt haben sie in Fragen der Zulassung von Studenten, der Einhebung von Studiengebühren oder der Zusammensetzung der Uni-Leitung wenig bzw. deutlich weniger Autonomie als Unis in anderen Staaten.

Die EUA-Studie "University Autonomy in Europe" gliedert die Autonomie der Unis in vier Teilbereiche: organisatorische, finanzielle, personelle und akademische Autonomie. Dabei werden die Situation in den einzelnen Staaten und die einzelnen Modelle miteinander verglichen, eine Art Punktewertung gibt es vorerst nicht. In den kommenden zwei Jahren soll eine solche "Scorecard" aber erarbeitet werden.

Einschränkung der Autonomie durch Uni-Rat

Eingeschränkt wird die Autonomie der österreichischen Hochschulen etwa durch die Zusammensetzung des Uni-Rats, der ausschließlich aus externen Personen besteht. Darüber hinaus wird auch die Mehrheit der Rats-Mitglieder nicht von der Uni selbst bestimmt. Das schlägt auch auf die Wahl des Rektors durch, der in einem Zusammenspiel aus Senat (gewähltes uni-internes Gremium) und Uni-Rat (mehrheitlich uni-externes Gremium) bestimmt wird. In den meisten anderen Staaten wird der Rektor dagegen entweder durch die Stimmen einer Uni-Versammlung, bestehend aus den einzelnen Gruppen der Universität, oder durch ein demokratisch gewähltes, uni-internes Gremium (etwa Senat) gewählt.

Wenig Autonomie bei Gebühren

Im finanziellen Bereich haben die österreichischen Unis wie die meisten anderen Hochschulen in Europa Globalbudgets zur Verfügung - laut Studie ist Österreich auch eines jener Länder, das den Unis am wenigsten Einschränkungen bei der Verteilung der Mittel vorgibt. Etwaige Überschüsse dürfen außerdem behalten werden - auch keine Selbstverständlichkeit in manchen anderen Staaten. In anderen Finanz-Bereichen sieht es mit der Autonomie dagegen schlecht aus: Die österreichischen Unis dürfen nicht selbst über die Einhebung von Studiengebühren befinden und sind nicht Eigentümer ihrer Gebäude.

Im akademischen Bereich kommt den österreichischen Unis im Vergleich zu den meisten anderen Staaten aufgrund des freien Zugangs keine Mitsprache bei der Auswahl der Studenten zu. Im Personalbereich nehmen sie eine Mittelstellung ein: Weder können sie ihr Personal komplett frei aussuchen, noch müssen sie sich einem festen Postenplan unterwerfen. (APA)

 

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