Abzocker-Portale

Abkassieren mit Links zu Gratissoftware

1. Dezember 2009, 08:52
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    foto: spu

    Sieht seriös aus, grenzt an Betrügerei: Portale wie "Online-Downloaden.de" verrechnen ahnungslosen Surfern Geld für Gratissoftware.

Stellen Sie sich vor, bei der U-Bahn würde jemand versuchen, Ihnen ein Gratisblatt um einen Euro zu verkaufen

Trotz aller Warnungen vor dubiosen Geschäftspraktiken im Internet scheinen diese zu blühen. Wie dieses nicht erfundene Beispiel: einmal Apples Gratissoftware iTunes heruntergeladen, Rechnung samt Klagsandrohung über 84 Euro erhalten.

Drohungen

Das funktioniert so: Leserin Helene X. wollte an den Segnungen von Online-Musik legal teilnehmen, hörte und las von iTunes, begab sich auf die Suche und landete bei einer Website namens Online-Downloaden.de. Klingt gut, dachte X., trug in einem Formular Name und Anschrift ein, achtete darauf, keine Kreditkarteninformation preiszugeben (Frau X. tut das online nie), erhielt einen Link zum Download, erfreute sich an iTunes. Bis einige Wochen später eine Zahlungserinnerung eintraf über 84 Euro, zuzüglich Mahngebühr von 2,50 Euro, samt fettgedrucktem Hinweis auf die Androhung einer "sofortigen Erhebung einer Leistungsklage" oder "Eröffnung eines Mahnverfahrens durch unsere Rechtsanwälte", was "die Forderungen gegen Sie erheblich erhöhen würden".

Gute Platzierung in Suchmaschinen

Frau X. wurde, wie laufend hunderte andere, trotz Vorsicht im Umgang mit Kreditkartendaten, Opfer eines "Abzocker-Portals", wie solche Webseiten von Konsumentenschützern genannt werden. Der unfassbar einfache Trick: Durch gute Platzierung in Suchmaschinen landen diese bei der Suche nach Gratis-Software-Downloads wie für den Adobe Reader oder Apples iTunes oft an der Spitze gefundener Einträge. Die seriös aussehenden Seiten bieten "über 100 der aktuellsten Downloads gängiger Software", und das alles um nur sieben Euro im Monat (allerdings gibt es das "Monat" immer nur im Zwölferpack als ganzes Jahr). Dass sämtliche angebotenen Programme ohnehin gratis im Netz erhältlich sind, fällt vielen nicht auf, noch dazu, wo sie um keine Kreditkartennummer gebeten werden.

"Klassische Verlaufsgeschichte"

Noch perfider ist es allerdings, wenn man bei der Suche nach einer Gratissoftware nicht auf die Portalseite, sondern direkt auf die Anmeldeseite gelenkt wird: Hier ist der Hinweis auf die Kosten verschwindend klein platziert. Eine "klassische Verlaufsgeschichte" nennt Daniela Zimmer vom Konsumentenschutz der Arbeiterkammer das Beispiel von Frau X. "Internet-Abzocke" nach diesem Muster würde seit einigen Jahren "epidemisch grassieren". Möglicher Schutz: Konsumenten haben nach dem Fernabsatzgesetz das Recht auf Rücktritt ohne Angabe von Gründen innerhalb von sieben Tage. Diese Frist verlängert sich, "wenn man nicht durch eine E-Mail oder einen Brief belehrt wird, um drei Monate".

Gericht entscheidet

Auch wenn Webseiten Hinweise auf Gebühren enthalten: Ob die Nennung eines Preises für das merkwürdige "Service", Gratissoftware mit einer Gebühr zu versehen, ausreichend deutlich gestaltet ist, hängt letztlich im Fall einer Mahnklage vom Gericht ab. "Wenn jemand den Link zu einem Download, den es auf einer anderen Seite gratis gibt, mit einem Preis versieht, dann muss dieser schon sehr groß sein", sagt Zimmer. Aber es gibt kein generelles Verbot dieser irreführenden Angebote, die letztlich einfach unerfahrenen Internet-Usern Geld per Klagsandrohung abnehmen.

Konsumenten sollen sich wehren

In Deutschland raten Konsumentenschützer, sich zu wehren, und es gab wiederholt bei Klagen Entscheidungen zugunsten von Konsumenten. Ihr übles Handwerk wird den Betreibern damit jedoch nicht gelegt. Grenzüberschreitend dürften sich die meisten nicht auf das Klagsrisiko einlassen: "Gemessen an der Zahl der Beschwerden ist es augenfällig, dass uns keine tatsächlichen Mahnklagen zu Ohren kommen", sagt Zimmer. (Helmut Spudich/ DER STANDARD Printausgabe, 1. Dezember 2009)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 319
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denkmal
00
25.12.2009, 22:33

ich idiot hab vor einigen wochen genau diesen artikel gelsen und bin gerade auf eine dieser homepages hereingefallen und hab nun eine rechnung von 60 euro bekommen. soll ich nun zahlen oder nicht?

danke

Stefan Lindemann
00
9.12.2009, 23:09
Im Telefonbuch

stehen Millionen von Namen mit zugehörigen Adressen.

Es kann ja wohl nicht sein, dass allein die anonyme Eingabe irgendeines x-Beliebigen Namens + Anschrift bei irgendeiner Website fuer irgendetwas als Beweis verwendet werden kann.

Wenn das so wirklich so läuft, warum machen sich diese Firmen überhaupt noch die Mühe zu werben? Eine Brute-Force Mahn-Attacke auf alle die im Telefonbuch stehen ist doch viel einfacher. Auch wenn nur einer von 10000 Opfern zahlt, lohnt es sich.

ich finde keinen namen
10
6.12.2009, 22:45
das dümmste was auf diesem planeten

frei herumläuft ist einfach der mensch

monstale
00
2.12.2009, 23:56
ist doch toll

brauch ich nicht 10 portale, sondern reicht eines wenn ich opera downloaden will oder open office.
das der service nicht umsonst ist muss klar sein..
;)

nedi26
01
3.12.2009, 02:20

nimm softpedia die haben auch alles ohne das man was bezahlen muss, da hast du auch ein portal für alles und kannst sogar kostenpflichtiges herunterladen, für das mußt du allerdings dann doch zahlen :-)

di`Luca
00
2.12.2009, 15:42
proxies und keine adresse nennen

= win

Mathias
 
00
2.12.2009, 12:48
Witzig bezüglich Abmahnungen und Pseudo-Rechnungen

Für manche Portale hat es sich schon als gut erwiesen, daß ich eine Anonyme Emailadresse eingerichtet habe. Also nur für Anmeldungen und sonst keinen Emailverkehr!

Trotzdem flattern darüber oftmals "Abmahnungen" oder Erinnerungen bezüglich nicht bezahlter Rechnungen in die Mailbox. Ich kann natürlich alles als Spam löschen :-)

Auf meiner offiziellen Emailadresse hatte ich solche Schreiben noch nie! (Weil ich diese Adresse auch nur für seriöse Firmen verwende)

Liegt also nahe, daß manche Anbieter wohl mehr machen als die AGB mitteilt ...

Sebastian Auinger
00
2.12.2009, 11:09
Da fällt mir immer wieder ein...

Bei der Begegnung mit solchen Leuten fällt mir immer wieder das hier ein...

http://www.youtube.com/watch?v=bMUk9nqjpP8

;-)

cuniculus
00
2.12.2009, 10:55
Aufpassen

Es ist echt nicht leicht, da solche Portale wie totalestempo.de sogar Fernsehwerbung schalten!

Was ich aber wirklich empfehlen kann ist das Firefox AddOn "WoT - Web of Trust". Da werden anhand zahlreicher Benutzerbewertungen Seiten in vertrauenswürdig oder unzuverlässig bzw. riskant eingestuft. Am besten bei potentiell gefährdeten Verwandten und Bekannten installieren. So hab ich's jedenfalls gemacht. (Bei sich selbst schadet's auch nichts.)

Installieren: https://addons.mozilla.org/de/firefo... addon/3456
Und dann gleich mal ausprobieren auf z. B. http://www.online-downloaden.de oder einer anderen hier genannten.

der dilettant
00
2.12.2009, 09:04
Keine Sorge ...

... das österreichische Recht sieht für diese Fälle neben dem Rücktritt/Widerruf nach Fernabsatzrecht (Achtung: uU wegen sofortiger Leistungserbingung ausgeschlossen) einige Rechtsbehelfe vor (die offenbar den AK-Konsumentenschützern nicht so geläufig sind), nämlich
- Irrtum
- Arglist
- Verkürzung über die Hälfte

Sobald ein Anwalt (da gibt es einige, die sich in Deutschland für solche Dinge hergeben) tätig werden, hilft auch der dezente Hinweis auf eine Anzeige bei der Rechtsanwaltskammer ...

karl65
00
2.12.2009, 10:13
ich liebe Hobbyjuristen

Die AK-Konsumentenschützer kennen sich schon halbwegs aus.

Ich würd nur gern wissen, was Sie genau bei der Kammer anzeigen wollen. Leere Drohungen beeindrucken Rechtsanwälte üblicherweise nicht besonders.

der dilettant
00
2.12.2009, 10:38
Es ist standeswidrig ...

... wissentlich unberechtigte Forderungen geltend zu machen.

Richtig ist, dass möglicherweise dem entsprechenden Anwalt nichts nachzuweisen ist. Dennoch wird ihn die Rechtsanwaltskammer zu einer Stellungnahme aufforderung, und alleine das stört das Geschäft der Masseneintreibungen derartiger Forderungen beträchtlich.

monella laputa
02
2.12.2009, 09:01
ich frage mich einfach

wie elendig müssen solche Betreiber und auch "Anwälte" in ihrem Leben heruntergekommen sein, dass sie sich auf solche schäbigen "Geschäfte" einlassen. Menschen und sehr oft auch Kinder auf diese Art zuzocken. Was muss bei solchen "Leuten" im Leben alles schief gelaufen sein, um auf diese miesen Tricks zurückgreifen zu müssen.
Genauso schlimm finde ich aber die Politiker/innen -selber Internetlaien- es nicht schaffen hier endlich mal einen empfindlichen Riegel vorzuschieben, sprich ein Gesetz zu schaffen, dass solche Schmutzgeschäfte hart abstraft und Winkel-advokaten endlich die Berufserlaubnis entzieht. (Bei einem amtsbekannten Schmierenanwalt ist es ja schon geglückt. Sitzt endlich im Gefängnis, dieser Gauner.)

Mathias
 
10
2.12.2009, 12:43
die Politiker/innen -selber Internetlaien- es nicht schaffen hier endlich mal einen empfindlichen Riegel vorzuschieben

Wundert Sie das? Das ist doch deren Klientel! (Wählerschaft). Da kann man nicht so leicht vorgehen wie gegen KiPo oder Terroristen ....

LL MM
00
2.12.2009, 11:42

Dieser Anwalt, den Sie meinen, hat aber Kundengelder veruntreut.
Wegen vieler anderer Dinge (Rechtsmissbrauch am laufenden Band) blieb er hingegen ungeschoren.

maruh
31
2.12.2009, 08:44
NIE

ich wiederhole !! NIE !! seinen echten namen und seine anschrift im internet preisgeben.

zu 99,9% wird das teuer.

Sebastian Auinger
00
2.12.2009, 11:03

Das bringt Dir garnichts. Habe schon erlebt, dass die Abzocker die Daten über die IP-Adresse über den Provider bekommen haben und dann erst ein Brief ins Haus geflattert ist.

Club-der-dichten-Toten
00
6.12.2009, 23:02

Das halte ich für ein Gerücht.
Der Provider darf die Daten erst auf gerichtlichen Beschluß rausgeben und soweit ich weiß halten sich *alle* österreichischen Provider daran. Die geben auch österreichischen Firmen keine Daten weiter, geschweige denn irgendwelchen deutschen.

Sebastian Auinger
00
7.12.2009, 09:33
Sei Dir da nicht so sicher

Soviel zur Geheimhaltung der Provider:

http://derstandard.at/1224169785885

Club-der-dichten-Toten
00
7.12.2009, 11:04

Das war 2008.
Zudem gab's das Statement der ISPA:
"Für Provider gibt es keine zivilrechtliche Auskunftspflicht, weshalb auch der Verband der Internet Service Provider Austria (ISPA) seinen Mitgliedern empfiehlt, nur bei "richterlicher Anordnung" Auskunft zu erteilen."

Nach dieser Geschichte gab's massive Proteste und die TA hat diese Praktiken eingestellt: http://derstandard.at/122416982... uenfte-ein

Soweit ich weiß, geben alle österreichischen Provider seit dieser Geschichte keinerlei Daten mehr ohne richterlichen Beschluß heraus.

Sebastian Auinger
00
7.12.2009, 11:17

Ich weiß. Aber auch damals wiegte man sich in einer trügerischen Sicherheit, die keine war, etwa so wie heute.

Ich möchte nicht darauf wetten, dass der Provider die Daten nicht herausgibt, wenn der Rechtsanwalt bzw. das Inkassobüro beim Provider die Daten verlangt.

di`Luca
00
2.12.2009, 15:40
und spätestens dann

hat der internetbetreiber ne klage von mir am hals

Georg Scholz
13
2.12.2009, 09:22

99,9%? Also da bin ich offenbar ein Riesen-Glückspilz!

Also das ist doch Paranoia.

Ich kaufe viel übers Internet ein, und das allermeiste läuft völlig normal ab. Abzockerseiten sind eine Falle vor allem für Internet-Anfänger, die sich mit den Gepflogenheiten nicht auskennen, aber mit einer gewissen Erfahrung und Portion Menschenkenntnis kennt man das dann schon.

Auf der Strasse kann genauso viel passieren, zB wenn ich bei einer "Bank" reingehe, die mir 10% Zinsen verspricht, oder wenn ich glaube, daß ich beim Hütchenspielen wirlich gewinnen könnte, etc.

Eleazar
22
2.12.2009, 07:24

war gestern auf so einer Seite, da stand doch tatsächlich: testen sie wie intelligent sie sind, dann kam ein 10 Fragen Test, und im Abschluss wollte man eine TelefonNr, damit man das Resultat des Tests bekam. (klein gedruckt stand dann aber schon das es sich hierbei um ein ABO handelt und jede SMS mit 2 Euro berechnet wird)

ich gab also die Telefonnummer ein, und bekam sofort die Nachricht ich müsste mit JA antworten, damit ich das Resultat bekomme.

Also schrieb ich : "geh schei**en"

Das Resultat sah ich zwar nicht, aber war sehr glücklich über meine Intelligenz.

Club-der-dichten-Toten
00
6.12.2009, 23:04

Super gescheit, jetzt haben die Ihre Telefonnummer, eine Bestätigung, dass Ihnen diese Nummer gehört und sie haben eine SMS geschickt und eine bekommen.
Wundern Sie sich nicht über ihre nächste Rechnung, da werden die 2 Euro für die SMS nämlich aufscheinen.

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