November-Arbeits­losigkeit ein Fünftel höher

1. Dezember 2009, 11:11
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Besonders dramatisch stieg die Arbeitslosigkeit bei Industriearbeitern, deutlich höher ist auch die Zahl der Schulungsteilnehmer. AMS-Chef Kopf rechnet 2010 mit 50.000 Arbeitslosen mehr

Wien - Die Arbeitslosigkeit in Österreich ist im November weiter gestiegen: Inklusive Schulungen waren 336.527 Personen arbeitslos, das war um um fast ein Fünftel (plus 19,9 Prozent) mehr als vor einem Jahr. Gegenüber dem Vormonat Oktober stieg die Arbeitslosigkeit um 17.207 Betroffene an. Die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen (ohne Schulungen) stieg im November im Jahresvergleich um 14,3 Prozent auf 257.745 Betroffene.

Die Zahl der offenen Stellen war mit minus 12,9 Prozent auf 25.646 deutlich rückläufig. Im November waren 42.452 Jugendliche ohne Job, das waren um 10,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der Beschäftigten ging im Jahresvergleich nach vorläufigen Zahlen um 1,6 Prozent oder um 54.000 auf 3,355 Millionen zurück. Die Arbeitslosenquote nach Eurostat erhöhte sich um 0,9 Prozentpunkte auf 4,8 Prozent und nimmt damit den zweitbesten Platz im EU-Vergleich ein.

Vom Anstieg der Arbeitslosigkeit waren alle Bundesländer betroffen, am stärksten Oberösterreich mit plus 31,1 Prozent, gefolgt von Vorarlberg mit 25,5 Prozent und Niederösterreich mit 19,8 Prozent.

Am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffen waren auch im November in der Industrie beschäftigte Männer. Währen die Arbeitslosigkeit bei den Männern um 17,4 Prozent auf 142.519 Betroffene stieg, erhöhte sich die Zahl der weiblichen Jobsuchenden um 10,6 Prozent auf 115.226 Personen. Bei den Älteren über 50-Jährigen stieg die Arbeitslosigkeit um 15,1 Prozent auf 52.186 Betroffene an. Nach Branchen war der Produktionsbereich mit plus 34,9 Prozent auf 30.729 Jobsuchende am stärksten betroffen, gefolgt vom Handel mit plus 15,0 Prozent (37.513), dem Gesundheits- und Sozialwesen mit plus 14,6 Prozent und dem Bau mit plus 12,4 Prozent. Bei den Leiharbeitern betrug das Plus gegenüber dem Vorjahr nur mehr 7 Prozent.

Hundstorfer sieht Erfolg

"Der Anstieg der Arbeitslosigkeit konnte weiter gedämpft werden", so Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) zu den aktuellen Arbeitsmarktdaten. Dies sei vor allem auf die Arbeitsmarkt- und Konjunkturpakete zurückzuführen. In den nächsten Monaten werde man vor weiteren großen Herausforderungen stehen. "Wird sind daher dabei, bestehende Arbeitsmarktmaßnahmen zu evaluieren, neue Maßnahmen zu überlegen und andere Maßnahmen neu zu gewichten bzw. auszudehnen", sagte Hundstorfer.

Mit plus 14,3 Prozent sei die registrierte Arbeitslosigkeit im November nur noch halb so hoch gestiegen wie einige Monate zuvor im Sommer. Auch im Vergleich zur Hochkonjunktur vor zwei Jahren sei die Zahl der Arbeitslosen um rund 34.000 höher und damit weniger stark gestiegen als erwartet. Die Zahl der Schulungen nahm um 43,2 Prozent auf 78.782 Teilnehmer zu. Dies sei vor allem auf die Qualifizierungsoffensive des Arbeitsmarktservice (AMS) zurückzuführen, so der Minister.

Besonders erfreulich sei, dass die Ausbildungsgarantie trotz Wirtschaftskrise wirkt: Im November habe es mit 5.803 um 4,5 Prozent weniger Lehrstellensuchende und um 7,9 Prozent mehr offene Lehrstellen (3.122) gegeben. Die Lehrstellenlücke ist deutlich kleiner geworden, und es gibt noch offene Plätze in der überbetrieblichen Lehrausbildung.

Mehr Qualifizierung und Stiftungen

Darüber hinaus habe sich die Teilnehmerzahl von Fachkräftequalifizierungen und Arbeitsstiftungen gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Mehr als zwei Drittel der erfolgreichen Absolventen von Arbeitsstiftungen finden innerhalb von drei Monaten einen Arbeitsplatz.

Heftige Kritik übte Hundstorfer an der Industrie: Diese stelle trotz der wieder leicht anziehenden Konjunktur keine neuen Mitarbeiter ein, sondern lasse die Stammbelegschaft Überstunden machen. Die Unternehmen müssten hier Verantwortung zeigen und bei besserer Auftragslage auch wieder mehr Mitarbeiter einstellen.

AMS-Chef Kopf rechnet mit weiterem Anstieg

Einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit erwartet der Chef des Arbeitsmarktservice (AMS), Johannes Kopf. Der Anstieg werde aber nicht mehr so stark ausfallen wie im laufenden Jahr. Zwischen 2009 und 2010 werde die Zahl der Jobsuchenden noch einmal um bis zu 50.000 Personen ansteigen. Im Jahresschnitt würden dann rund 320.000 Menschen arbeitslos sein, so Kopf am Dienstag im ORF-Morgenjournal.

Trotz der Wirtschaftskrise gebe es in mehreren Branchen noch offene Stellen, sagt Kopf. Zu Beginn des Winters würden vor allem im Dienstleistungsbereich und im Tourismus viele Arbeitskräfte gesucht werden. Aber auch in Zukunftsbranchen, wie Energietechnik, gebe es noch freie Stellen. Auch in der Industrie würden noch Arbeiter gesucht werden, vor allem im Metallgewerbe, so der AMS-Chef.

Kritik an mangelnder Mobilität

Kritik übt Kopf an der mangelnden Mobilität in Österreich: "Menschen, die in der Wirtschaftskrise arbeitslos geworden sind, müssen jetzt sehr flexibel sein," Im Bereich der regionalen Mobilität seien die Österreicher sehr bequem und unflexibel. Die Personen müssten in Zeiten der Krise auch einen längeren Arbeitsweg in Kauf nehmen und in anderen Branchen nach Arbeit suchen, welche nicht dem angestammten Beruf entsprechen.

Viele Jugendliche seien derzeit arbeitslos, weil sie zu wenig Zeit in die Jobauswahl investieren würden. Wichtig sei es, die richtige Berufswahl zu treffen, denn es sei eine Entscheidung, die das ganze Leben beeinflusst. Jugendliche sollten viele Informationen einholen, in Berufe hinein schnuppern und Praktika absolvieren. Dadurch könnten Jugendliche ihr Potenzial und ihre Stärken erkennen. Zusätzlich spiele die Schnelligkeit eine wichtige Rolle, denn immer mehr Unternehmen besetzen ihre Lehrstellen bereits am Jahresanfang. "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!", sagt Kopf. (APA)

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