EU-Vertrag in Kraft

Neue EU-Führungsspitze offiziell im Amt

01. Dezember 2009 22:08

Neue EU-Führungsspitze offiziell im Amt - EU-Industriekommissar Verheugen: "Europa hat keine klare und anerkannte Führung"

Brüssel/Straßburg/Wien - Mit Inkrafttreten des EU-Reformvertrags von Lissabon haben die 27 Mitgliedstaaten die Ernennung der neuen Führungsspitze formalisiert. Die mit dem Reformwerk geschaffene neue EU-Außenministerin, die Britin Catherine Ashton, tritt heute ihr Amt als "Hohe Vertreterin für die EU-Außen- und Sicherheitspolitik" und damit die Nachfolge des bisherigen EU-Außenbeauftragten Javier Solana an.

Wenn nächstes Jahr die neue EU-Kommission ihre Arbeit aufnimmt, soll die Britin zusätzlich die Aufgaben der bisherigen EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner übernehmen und zugleich Vizepräsidentin der Brüsseler Behörde werden.

In ihrer Eigenschaft als Kommissionsmitglied muss sich Ashton aber noch mehreren Anhörungen im EU-Parlament stellen, die erste ist für den (morgigen) Mittwoch geplant. Das Parlament will am 26. Jänner über das gesamte Kommissionskollegium abstimmen. Ashtons Amtszeit wird mit jener der kommenden EU-Kommission (Ende 2014) enden.

Die Wahl des neuen EU-Ratspräsidenten Herman Van Rompuy und die Ernennung der neuen Außenpolitikchefin Catherine Ashton seien in einem schriftlichen Umlaufverfahren bestätigt worden, teilte der Rat der Europäischen Union am Mittwoch in Brüssel mit. Van Rompuy wurde für zweieinhalb Jahre gewählt, seine Amtszeit endet am 31. Mai 2012.

Der neue EU-Ratspräsident, die die EU nach außen vertreten soll, wird seinen Job einer internen Vereinbarung zufolge erst mit 1. Jänner 2010 beginnen. Die Leitung von EU-Gipfeln überlässt er bis zum Jahresende dem schwedischen Regierungschef Fredrik Reinfeldt, der bis dahin noch nach dem alten Rotationsprinzip den Vorsitz führt.

Neunjähriger Streit geht zu Ende

Der nach der portugiesischen Hauptstadt benannte Vertrag habe "nach langer und stürmischer Reise endlich seinen Hafen erreicht", erklärte der neue EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy in einer in Auszügen nach Brüssel übertragenen Ansprache. Van Rompuy spielte damit auf die zahlreichen Rückschläge bei der Ratifizierung des Vertrags an, der bereits vor zwei Jahren in Lissabon unterzeichnet worden war.

Mit Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon geht ein neunjähriger Streit um interne Reformen der auf 27 Staaten gewachsenen Europäischen Union zu Ende. Mit ihm hat die EU die wichtigsten Bestimmungen der EU-Verfassung gerettet, die nach Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden 2005 gescheitert war. Zwar lehnten die Iren drei Jahre später auch den Lissabon-Vertrag in einem Referendum ab. Im Angesicht der schweren Wirtschaftskrise sagten die Bewohner der grünen Insel aber dann im zweiten Anlauf Ja zu dem Reformwerk.

Verheugen: "Mehr Europa" notwendig

Der Lissabon-Vertrag sei sicher nicht das letzte Wort in der europäischen Entwicklung, aber ein notwendiger Schritt, um auf gleicher Augenhöhe mit anderen wichtigen Regionen der Welt zu reden, sagt der deutsche EU-Industriekommissar Günther Verheugen im Ö1-Interview. "Das ist für die nächsten 20 bis 25 Jahre die fundamentale Frage." Wenn die Europäer über ihr Schicksal selber entscheiden wollten, müssten sie gleichberechtigt agieren können mit den anderen globalen Mächten.

"Mehr Europa" sei vor allem in der Außen- und Sicherheitspolitik notwendig, sagt Verheugen zu Ö1. Selbst die größten Länder in der EU könnten ihre internationalen Interessen nicht mehr allein vertreten. Als größtes Manko erachtet Verheugen, dass Europa keine klare und anerkannte Führung habe. Ob das nun besser wird, das werde sich zeigen, so Verheugen. Als "sehr schweren Fehler" bezeichnet er, "dass ein Land wie Deutschland sich seiner Führungsverantwortung für Europa weitgehend entzieht". (red/APA, derStandard.at, 1.12.2009)

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Stachanow, Mitarbeiter des Monats!
 
01.12.2009 15:17
Ich gratuliere zur Abschaffung der Demokratie!

Die EU hat einen neuen EU-Ratspräsidenten und eine neue Außenministerin.

Beide sind unbekannt und wurden von unbekannten "VolksvertreterInnen" gewählt.

blubblub
01.12.2009 20:35
vergessen sies

ausser ihnen und einigen ganz wenigen versteht hier im forum keiner was sie meinen :( sie wollen es auch nicht verstehen.

Bürger Europas
02.12.2009 09:25

Sie zählen halt zur geistigen Elite des Landes
:-D

blubblub
01.12.2009 20:28
sie vergaßen zu erwähnen

Dass die liebe Frau Catherin Ashton für die Außen und Sicherheitspolitik zuständig ist. Sie ist hässlicher als Frau merkel und ihr Mann ist Österreicher. Er ist der Chef eines Propagandakonzerns (www.yougov.com)
Die Farben dieser Organisation sind Schwarz Rot und Weiß.
Und Frau Ashton ist nicht nur für außen und sicherheitspolitik zuständig, ihr ist auch die Strategieplanungs- und Frühwarneinheit, der Militärstab (EUMS) sowie ein Polizeistab und ein Gemeinsames Lagezentrum zugeordnet.

Soviel zur Gewaltentrennung usw :)

John Malkovich
01.12.2009 16:07
die 27 Volksvertreter...

Yves Leterme, Boyko Borisov, Lars Løkke Rasmussen, Angela Merkel, Andrus Ansip, Matti Vanhanen, Nicolas Sarkozy, Giorgos Andrea Papandreou, Brian Cowen, Silvio Berlusconi, Valdis Dombrovskis, Andrius Kubilius, Jean-Claude Juncker, Lawrence Gonzi, Jan Peter Balkenende, Werner Faymann, Donald Tusk, José Sócrates, Emil Boc, Fredrik Reinfeldt, Robert Fico, Pahor, BorutBorut Pahor, José Luis Rodríguez Zapatero, Jan Fischer, Gordon Bajnai, Gordon Brown und Dimitris Christofias.
---
jeder einzelne wurde mehr oder minder demokratisch gewählt und so manch einer ist auch mir nicht unbekannt ;-)

Ava Tar
02.12.2009 03:12
demokratisch gewählt wurde der da auch

http://www.youtube.com/watch?v=mQHpkwuwZ3E

der Punkt ist, daß sie IN DIESES AMT nicht demokratisch gewählt wurden !

xEurocent
01.12.2009 16:05

Haben sie Spindelegger als Außenminister gewählt?

Mostbluzer
01.12.2009 16:35
zumindest bekam seine partei

einige stimmen.

das kann man ja von der labour party nicht mehr behaupten (die bei der nächsten wahl weg ist vom fenster).

ihr eu-demokraten wisst genau, dass die vergleiche hinken, man kann alles drehen bis es passt, sogar die geschäftsgrundlage (eu vertrag v. lissabon). in der eu wird nur das (hand auf - hand hoch) parlament gewählt, selbst das mit desaströsen ergebnissen. und die ham ja offensichtlich wenig zu sagen. aber das hearing ... jaja ich weiss. toll im nachhinein.

Teleobjektiv1
01.12.2009 16:43

Und Sie wissen, wofür seine Partei die Stimmen bekommen hat? Nein?

Dann sage ich es Ihnen:

Die Stimmen bekam seine Partei für die Beschickung des NATIONALRATES.

Und dieser direkt legitmierte Nationalrat wählt die Bundesregierung. Diese ist damit indirekt demokratisch legitmiert.

Und wie war das noch gleich mit dem EP und der Kommission?

Ich verrate Ihnen was: Die Kommssion ist auf Unionsebene genau so stark bzw. schwach legitimiert wie jede mitgliedsstaatliche Regierung auf mitgliedsstaatlicher Ebene. Auch wenn Ihnen Ihr Onkel Hans was anderes einreden möchte.

Quim Barreiros
02.12.2009 12:44

Im Großen und Ganzen richtig, aber die Bundesregierung wird vom Bundespräsidenten ernannt.

Teleobjektiv1
01.12.2009 15:58
Ah ja....

Dann fassen wir mal zusammen: Der Umstand, dass ein Minister und der Vorsitzende eines Organs, das zwei Mal im Jahr tagt und dabei die politische Agenda des nächsten Halbjahres definiert, nicht direkt gewählt worden sind und zudem - man höre und staune - u-n-b-e-k-a-n-n-t sind, bedeutet den Untergang der Damokratie.

Kann mich vor so viel zwingender Schlüssigkeit nur verbeugen.

P.S.: Zeigen Sie mir einen einzigen Minister und einen einzigen Vorsitzenden eines Kollegialorganes auf dem großen weiten Erdenrund, der für die besondere Funktion, die er ausübt, eine direkte demokratische Legitimation hat.

P.P.S.: In parlamentarisches Systemen sind sogar ganze Regierungen immer nur indirekt legitimiert!

Mostbluzer
01.12.2009 16:06
ich bezweifle sehr,

dass die gute baronin in gb (geschweige denn woanders) auch nur zur bürgermeisterin gewählt worden wäre.

die gute dame, schwer gesponsert vom kgb in ihren besten zeiten, ist ja nirgends bekannt. also ihr vergleich hinkt schon sehr. da könnte dann jeder bürger ebenso gut "gewählt oder sagen wir auserkoren" werden (wobei ich jedoch zumindest auf eine berufsausbildung verlangen würde). aber das war vermutlich genauso geplant. wer könnten die nachfolger sein in ein paar jahren ... generäle, lobbyisten, oder ... politiker??

M. P.1
01.12.2009 18:01

Muss wohl weh tun, dass 2 relativ unbekannte diese Positionen erhalten haben, sodass ihr EU-Gegner nicht schon vorher zurecht legen konntet, was ihr denen alles auf'n Schädel schmeißen könnt.

Aber ja, was will man von jemanden erwarten, der sich selbst Mostbluzer nennt :D.

Teleobjektiv1
01.12.2009 16:22

Es ist völlig würscht, wozu sie gewählt oder nicht gewählt worden WÄRE. Das ändert aber schon mal garnix daran, dass sie für die Funktion, die sie derzeit ausfüllt eben nur indirekt demokratisch legitmiert ist.

Und damit ist sie genau so stark oder schwach legitmiert wie Frau Clinton, Herr Spindelegger und jeder andere Außenminister dieser Welt.

Merke: der Umstand, dass ich vielleicht irgend eine dierkte demokratsiche Legitimation für irgend ein Amt vorweisen kann, ändert nichts an meiner bestehenden - oder nicht bestehenden - damokratischen Legitimation für irgend ein anderes Amt.

Sie wissen, das die Legitimationslehre eine Wissenschaft ist und jedenfalls nicht das, was sich Klein Maxi darunter vorstellt?

Mostbluzer
01.12.2009 16:36
in erster linie

gehts um den chef. das prinzip der fehlenden legitimation bleibt aufrecht.

die gute dame wurde als beiwerk mitausgeschnapst.

Teleobjektiv1
01.12.2009 16:57

Und dann erklären Sie mir, welcher "Chef" in Europa direkt legitmiert ist. Ich verrate Ihnen was: Fayman ist es jedenfalls nicht.

Die "Chefs" sind nur in Präsidialsystemen direkt legitimiert. (Frankreich ist ein Mittelding - das nennt man semipresidentielles System) Und ich bin sicher, Sie kennen den Unterschied zwischen parlamentarischen Systemen und Präsidialsystemen. Wenn Sie nämlich den Unterschied nicht kennen würden, würden Sie ganz sicher nicht ganz so groß daherreden.

Christoph ************
01.12.2009 16:09

Komischerweise, kannte sie zB Mrs Clinton angeblich schon vor ihrer Beförderung zur "EU Außenministerin". Soviel zu völlig unbekannt.

Mostbluzer
01.12.2009 16:30
da hams was verwechselt

ja, der fokus schrieb: eine hillary für die eu und obamas kleine trägt gerne die friedens t-shirts. toll.

Christoph ************
01.12.2009 15:35

Die "Außenministerin" benötigt noch die Zustimmung des EPs. Der Ratspräsident ist schlicht ein bisschen besserer Ratsvorsitzender. Wann haben sie das letzte mal den Nationalratspräsidenten oder ein vergleichbares Amt direkt gewählt?

Stachanow, Mitarbeiter des Monats!
 
01.12.2009 15:44
Zumindest darf ich in Österreich ...

... aus allen zur Wahl stehenden KandidatInnen auswählen. 96% des EU Parlaments kann ich aber gar nicht wählen!

Blöd, denn der Vertrag von Lissabon stellt die EU über der Österreichische Verfassung!

Teleobjektiv1
01.12.2009 16:31

1. Blöd nur, dass Sie in den USA, Frankreich, GB und anderen Demokratien mit Mehheitswahlrecht genau einen Kandidaten (nämlich den Ihres Wahlkreises) von 100, 200, 300, 400 Kandidaten wählen können. Und würde man in Ö das Mehrheitswahlrecht einführen, hätten Sie die idente Situation auch bei uns.

2. Das Unionsrecht geht nicht mit Lissabon nationalem Recht vor. Dies ist so seit dem EuGH Urteil im Fall Costa - ENEL, ergangen im Jahr 1964. Seitdem ist dies ständige Rechtsprechung. Lissabon kodifiziert nur, was längst geltendes Recht ist.

Sie sollten noch ein wenig wachsen, bevor Sie sich zutrauen dürfen mit den großen Hunden zu spielen.

Christoph ************
01.12.2009 15:58

Ergänzung:
EU Recht stand schon vor Lissabon über der Verfassung. Im Gegenteil der Vertrag von Lissabon relativiert diesen Vorrang sogar indem er ausdrücklich bei Grundprinzipien der Verfassung nicht mehr gilt. Das finde ich Grundvernünftig. Denn sonst wäre der Vorrang des EU Rechts ja sowieso eine Farce. In Ö hat es Tratition bei Gelgenheit gewöhnliche Gesetze im Verfassungsrang zu erlassen.

blubblub
01.12.2009 20:30

so wie die neutralität.
wir treten der nato bei und sind immer noch neutral.
wir werden nie krieg führen. wir werden nur anderen völkern unseren frieden durch gewalt aufdrängen :)

Entscheiden werden wir das aber nicht mehr selbst. Das ist jetzt die Aufgabe von Frau Ashton.

Teleobjektiv1
01.12.2009 16:35

Da muss ich Sie leider korrigieren. Aus unionsrechtlicher Sicht gilt der Anwendungsvorrang von Unionsrecht nach wie vor unbedingt. (Auch ggü. mitgliedsstaatlichem Verfassungsrecht). Der einzige Unterschied besteht nun darin, dass es nunmehr einen Grundrechtskatalog der Union gibt, an dem Unionsrecht zu messen ist. Bisher gab es nur die Krücke EMRK und ARG der Grundrechtstraditionen der Mitgliedsstaaten.

Christoph ************
01.12.2009 15:56

Wow! Ich habe gar nicht gewusst, dass Sie 4% des EU Parlamentes wählen. Finden Sie nicht, dass sie etwas überrepräsentiert sind?

Spaß beiseite. In vielen Demokratien kann man nur die Kandidaten aus dem eigenen Wahlkreis wählen. Man kann dabei aber in der EU so wie auch in diesen Demokratien die Kandidaten von jenem Wahlkreis wählen in dem man derzeit den Wohnsitz hat.

Mir persönlich gefiele es besser wenn wir ein einheitlicheres Wahlrecht hätten, aber das lassen erstens die EU Skeptiker nicht zu und zweitens ist meiner Meinung nach ein Wahlrecht mit solchen Wahlkreisen auch legitim.

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