Dubai will seinen Schuldenturm abbauen

1. Dezember 2009, 17:33
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Staatsholding Dubai World legt einen Sanierungsplan vor, die Börsen in den Emiraten stürzten dennoch ab

Dubai/Wien - Angesichts der Zahlungsunfähigkeit der größten Staatsholding des Emirates Dubai, der Dubai World, warnten am Dienstag führende Ökonomen vor einer neuen Welle an ähnlichen Problemen in zahlreichen Ländern. Dubai World hatte vergangene Woche um die Aussetzung seines Schuldendienstes für ein halbes Jahr ersucht. Weil hinter Dubai World die Regierung des Emirates steht, gibt es massive Spekulationen über Zahlungsunfähigkeit des Emirates selbst.

"Der Fall Dubai zeigt eindeutig, dass sich viele Staaten ihre in den vergangene Monaten angehäuften Schulden genau ansehen sollten", sagte Pierre Cailleteau, Chefanalyst der Ratingagentur Moody's, bei einerTelefonkonferenz. Einige Regierungen hätten ihre Bilanzen krisenbedingt überdehnt, das Problem könnte 2010 vor allem aufstrebende Staaten treffen.

Moody's selbst nannte keine Länder, als besonders hoch verschuldet gelten aber neben Dubai Russland, die baltischen Staaten, die Ukraine und auch Griechenland.

Moody's wertet den Fall von Dubai World gleichzeitig als Beginn einer neuen Entwicklung: In den vergangenen Monaten seien Regierungen strauchelnden Konzernen stets massiv zu Hilfe gekommen, damit sei nun Schluss. "Wir erleben den Beginn der Exit-Strategien", sagte Cailleteau.

Gravierende Auswirkungen

Moody's rechnet jedenfalls mit gravierenden Auswirkungen der Restrukturierung bei Dubai World auf das Emirat: Das Unternehmen habe "Tentakel" in jedem Wirtschaftsbereich, wenn Dubai World nun massiven Sparkurs beginne, werde das die Arbeitslosigkeit hochtreiben. Auch die Kreditklemme im Land könnte sich verschärfen.

Dubai World hat Schulden von rund 60 Milliarden Dollar. Am Dienstag stellte das Unternehmen erste Informationen über seinen Restrukturierungsplan vor. Insgesamt will Dubai World Schulden in Höhe von 26 Milliarden Dollar restrukturieren. Betroffen sind vor allem die Immobilienentwickler Nakheel und Limitless, die anderen Tochterfirmen sollen nicht betroffen sein. Was mit Umstrukturierung gemeint ist, steht noch nicht genau fest. Denkbar wäre eine Teilzerschlagung der Firma.

Die Regierung von Dubai hat jedenfalls klargemacht, dass sie den Schaden nicht allein tragen werde, sondern ihn mit den internationalen Investoren teilen werde, sagte Moody's-Analyst Philipp Lotter.

Keine Ruhe

Die Finanzmärkte am Golf kamen trotz der Ankündigung der Restrukturierung nicht zur Ruhe: In Abu Dhabi und Dubai brachen die Aktienmärkte erneut ein und schlossen mit Verlusten. In Katar gab der Markt neun Prozent am ersten Handelstag ab nach einer fünftägigen Feiertagspause.

Während Dubai World internationale Anleger eher beruhigen wollte, und künftig ein transparenteres Vorgehen versprach, attackierten Vertreter der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ausländischen Medien und warfen ihnen vor, die Ereignisse überzubewerten. Dubais Herrscher, Scheich Mohammed bin Raschid al Maktum, sprach sogar davon, dass "internationale Anleger gar nichts verstanden haben".

Er betonte, dass seine Regierung nicht identisch mit dem Unternehmen sei und daher auch keinesfalls für alle Schulden haften könne. (szi, DER STANDARD, Printausgabe, 2.12.2009)

  • Dubai World hatte am vorigen Mittwoch die Aktienmärkte in aller Welt geschockt, als es um Zahlungsaufschub für Verbindlichkeiten von fast 60 Milliarden Dollar gebeten hatte.
    foto: reuter

    Dubai World hatte am vorigen Mittwoch die Aktienmärkte in aller Welt geschockt, als es um Zahlungsaufschub für Verbindlichkeiten von fast 60 Milliarden Dollar gebeten hatte.

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