
30.11.2009 18:59
Konservativer gewinnt umstrittene Wahl
Staatengemeinschaft ist uneins, ob Anerkennung den Putsch gegen den linken Präsidenten Manuel Zelaya legitimiert - 1 Foto
Ein Konservativer soll Honduras aus der seit Monaten schwelenden Staatskrise führen. Der Großgrundbesitzer und Agrarunternehmer Porfirio Lobo ging nach Auszählung von etwa 60 Prozent der Stimmen mit 56 Prozent am Montag klar in Führung, während Elvin Santos von der Liberalen Partei auf 38 Prozent kam. Der Wahltag verlief weitgehend friedlich, nachdem es im Vorfeld zu Anschlägen und mysteriösen Morden gekommen war. Aus San Pedro Sula wurde ein Zwischenfall gemeldet, als die Polizei eine Demonstration von Anhängern des gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya gewaltsam auflöste. Die Widerstandsbewegung hatte zum Wahlboykott aufgerufen. Unabhängige Wahlbeobachter waren nicht vor Ort.
In der Schule "Bundesrepublik Deutschland" im ärmlichen Viertel El Carrizal in Tegucigalpa herrschte schon früh am Morgen großer Wählerandrang. "Dies ist ein Fest der Demokratie", sagte die Hausfrau Carla Diaz bei der Stimmabgabe. "Und eine Chance, die Polarisierung des Landes zu überwinden." Der 33-jährige Installateur Hector Irias zog es hingegen vor, draußen vor dem Wahllokal auf seine Freundin zu warten. "Wählen ist sinnlos und nützt nur der Elite, die sich so gegenseitig die Gelder zuschanzt und schon am Tag nach der Wahl das Volk vergisst", sagte er bitter. Zwei Drittel der 7,5 Millionen Einwohner des mittelamerikanischen Landes leben in Armut. Noch ist Honduras ein internationaler Paria - kaum ein Land hat die Putschregierung unter dem vorübergehend auf eigenen Wunsch beurlaubten Roberto Micheletti anerkannt. Noch befindet sich der gestürzte Präsident Zelaya verschanzt in der brasilianischen Botschaft. Am Mittwoch soll der Kongress über seine Wiedereinsetzung beraten. "Für die internationale Gemeinschaft wäre es ideal, wenn Zelaya wiedereingesetzt würde und Micheletti nicht aus dem Urlaub zurückkäme", kommentierte ein europäischer Wahlbeobachter. Honduranische Beobachter halten dieses Szenario jedoch für unwahrscheinlich.
Der 61-jährige Lobo, der mit seinen Anhängern in einem Hotel den Sieg feierte, versprach mit strahlendem Gesicht einen nationalen Dialog zur Aussöhnung. Die Staatengemeinschaft ist gespalten: Während die USA, Kolumbien, Panama und Costa Rica den Urnengang anerkannten, lehnten ihn Venezuela, Uruguay, Brasilien und Argentinien als "illegal" und "nachträgliche Legitimation des Staatsstreichs" ab, da er von einer Putschregierung organisiert wurde. Die EU wollte den Wahlverlauf abwarten und dann Position beziehen. (Sandra Weiss aus Tegucigalpa/DER STANDARD, Printausgabe, 1.12.2009)
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