Minarettverbot: In Österreich ist man einen Schritt weiter

30. November 2009, 16:50

Das Ja der Schweizer zum Minarettverbot entsetzt die Eliten - Von Farid Hafez

Die ersten Kommentare in Österreich zum Minarettverbot weckten meine Verwunderung. Ein "Verstoß gegen die Menschenrechte" wäre ein solches Verbot. "Überflüssig" wurde es andernorts genannt. Es sollte Europa "aufwecken" . Alles richtig. Dabei wurde ein Akzent auf das unverständliche Verhalten des Stimmvolkes und der Macht der Rechtspopulisten gelegt. Aber liegt der Kern der Problematik nicht ganz woanders?

Es verwundert, dass eine solche Einstellung der Schweizer Stimmbürger als absonderlich eingestuft wird. In Deutschland assoziierten im Rahmen einer Allensbach-Umfrage 93 Prozent der Befragten die Religion des Islams mit der Unterdrückung der Frau. Islamophobie ist heute aber weder ausschließlich ein Phänomen der Unterschicht, noch stellt sie eine Ausnahme innerhalb der politischen Elite dar. Das Problem, das hier kaum beim Namen genannt wird, ist, dass Islamophobie heute mehrheitsfähig geworden ist. Schulbücher transportieren ein negatives Islambild. Medial wird der Islam beinahe ausschließlich als Bedrohung wahrgenommen. Und die Politik rechtspopulistischer Parteien hat sich quer über Westeuropa seit beinahe einem Jahrzehnt (in manchen Ländern weniger lang) auf den Islam als neues Feindbild eingeschworen. Und die Parteien der Mitte ziehen nach.

Um hier nicht nur über die "bösen" Schweizer zu sprechen: Kehren wir doch vor der eigenen Haustüre, bevor wir auf die da auf der anderen Seite des Bodensees zeigen. Denn während sich in der Schweiz ein großer Block von Parteien, Kirchen und Teilen der Zivilgesellschaft gegen das Minarettverbot positionierte, wäre bei uns in Österreich eine so geschlossene Front überhaupt nicht denkbar.

Tatsächlich wurde Österreich das erste Land, wo ein solches Verbot umgesetzt wurde. Während ein Entschließungsantrag der FPÖ im ersten Halbjahr 2007 im Nationalrat noch abgeschmettert wurde, nutzte der Kärntner Landeshauptmann die Chance, ein Moscheen- und Minarettverbot zu lancieren. Ein solches ließ sich aber nicht mithilfe der Stimmen seiner eigenen Partei alleine durchsetzen. So stimmte die ÖVP Kärnten mit.

Was hier aber noch weitaus bedenklicher stimmt, ist die Tatsache, dass eine Partei der "Mitte" in einem anderen Bundesland dieses Gesetz noch ein halbes Jahr früher beschloss. Während in Kärnten das Gesetz am 18. Dezember 2008 umgesetzt wurde, wurde in Vorarlberg unter einer ÖVP-Mehrheit am 20. Juni 2008 das erste Moscheen- und Minarettbauverbot in Europa abgesegnet. All diese Gesetze wurden nach österreichischer Manier selbstverständlich weniger klar und direkt als in der Schweiz formuliert (Änderung des Ortsbildpflegegesetzes und des Bau- und Raumordnungsgesetzes). Es zeigt sich, dass auch hierzulande von Teilen der politischen Elite der "Mitte" ein solches Verbot unterstützt wird. Ein Konsens der Parteien, Kirchen und der Zivilgesellschaft gegen ein Verbot wie in der Schweiz findet sich nicht. Im Gegenteil unterstützte der Feldkircher Diözesanbischof dazumal ein solches Moscheen- und Minarettbauverbot. Selbst von Mitgliedern der Bundesregierung wurden passende Argumente laut.

Ein wiederkehrendes Argument, das nicht mehr ausschließlich im rechts-rechten Parteienspektrum zu finden ist, ist jenes der Reziprozität. Wenn christliche Gemeinschaften kein Anrecht auf Kirchenbauten in muslimischen Ländern haben, warum den Muslimen in Österreich ein Recht auf Moscheenbauten geben? Diese Argumentation krankt an vielen Stellen. Erstens homogenisiert sie die unterschiedlichsten muslimischen Länder, die unterschiedliche politische Systeme und Verfassungen haben und eine dementsprechend unterschiedliche Handhabe mit öffentlicher Religionsausübung aufweisen. Zweitens versucht sie den Umgang mit der muslimischen Bevölkerung Österreichs an einem nichtdemokratischen Maßstab zu messen.

Schlechtere Österreicher?

Die Argumentation impliziert weiters eine Zweiklassengesellschaft, die entlang des Religionsbekenntnisses geteilt wird: Muslime seien keine Österreicher, weswegen auch nicht das österreichische Recht anzuwenden sei. Da derartige Argumente von kirchlichen wie auch politischen Führungskräften verbreitet werden, ist es auch nicht verwunderlich, warum islamophobe Einstellungen breite Zustimmung finden können.

Hinzu kommt, dass die politische Elite konsequent die Gefahren der Islamophobie leugnet. Als im Frühjahr die Schmierereien an den Mauthausener Mauern kritisiert wurden, sprach das Establishment von Rassismus und Antisemitismus - keine Rede von Islamfeindlichkeit. Solange die Islamophobie unter den Teppich gekehrt wird und zur Unterwanderung von Grundrechten und Mobilisierung von Wählerstimmen benützt wird, brauchen wir uns nicht wundern. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.12.2009)

Mag. Dr. Farid Hafez, M.Sc., Politikwissenschafter und Forschungsmitarbeiter am Institut für Rechtsphilosophie, Religions- und Kulturrecht an der Universität Wien. Vor kurzem erschien "Islamophobie in Österreich" mit John Bunzl. Demnächst: "Islamophober Populismus" , Analysen der Landtagsdebatten zum Moschee- und Minarettbauverbot in Vbg. und Kärnten.

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    Posting 1 bis 25 von 361
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    Andi_Sch
     
    01
    18.12.2009, 13:13
    Umfrage zum Minarettverbot auch in Deutschland

    Auf http://www.umfragezeichen.de läuft noch bis Ende Januar 2010 eine Umfrage zum Minarettverbot in Deutschland. Ich bin fast sicher, dass die Deutschen ähnlich abstimmen, wie die Schweizer es per Volksentscheid beschließen konnten.
    Dieter Nuhr hat es m.E. auf den Punkt gebracht: Die Anhänger des Islam fordern unendliche Toleranz. Die Toleranz endet aber abrupt dort, wo der Islam die Mehrheit hat!
    Da steckt viel Wahrheit drin, finde ich.
    Na, vielleicht bringt die Abstimmung von Unmfragezeichen ja auch in Deutschland die ein oder andere Möglichkeit, dieses Thema mal ehrlich und nicht immer in demonstrativer Demut diskutieren zu müssen/können/dürfen…! Denn “Assimilation” sollte nicht nur eine Worthülse bleiben müssen.

    Cielito Lindo
    02
    13.12.2009, 22:46
    .... dass die politische Elite konsequent die Gefahren der Islamophobie leugnet

    Diese leugnet vielmehr die schleichende Islamisierung Europas.

    ino
    00
    13.12.2009, 00:49
    das verwunderliche daran ist aber weniger,

    dass viele menschen im islam frauenfeindliche tendenzen erkennen, schließlich sind die auch objektiv vorhanden. aber damit unterscheidet sich der islam nicht von vielen anderen religionen, die hierzulande gepflegt werden.

    katholische würdenträger beschränken sich schließlich nicht auf ministrantenbelästigung, sondern können sich nicht durchringen frauen als gleichberechtigte mitglieder in ihrem verein zuzulassen. hat deswegen schon wer ein kirchturmverbot gefordert?

    wer also vorgibt, minarette verbieten zu wollen, weil der islam frauen- oder menschenrechte zu wenig achtet, ist ein lächerlicher heuchler.

    pro digi
    00
    12.12.2009, 14:41

    sämtliche angste bezüglich des islam haben natürlich nichts mit dem islam zu tun , wieso sagt er das schon wieder . wir wissen schon lange , dass wir an einer phobie erkrankt sind .
    ein hoher funktionär in deutschland war deutlicher : er nennt diese erkrankten islamfeindliche geschwüre .

    Fritz Wunderlich
    03
    10.12.2009, 14:49

    falter 50/09 - kleine notiz
    irritierender besuch in der größten moschee österreichs
    der moslemische schulterschluß von hier bis istanbul, damaskus und riad??
    eines wird in der ganzen debatte vergessen, dass die moslems eine extrem starke lobby hinter sich haben, opec, arabische liga, islamische konferenz, uno, syrien, lybien, saudi-arabien, türkei, ...
    eine solche ist für andere minderheiten nur ein wunschtraum!!!

    wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
    00
    9.12.2009, 23:48
    soso

    Solange die Islamismus unter den Teppich gekehrt wird und zur Unterwanderung von Grundrechten und Mobilisierung von Wählerstimmen benützt wird, brauchen wir uns nicht wundern...

    Fred Fido
    31
    7.12.2009, 09:48
    Die assoziation

    Islam = Frauenunterdrückung ist deswegen so weit verbreitet, weil sie gemessen an unseren säkularen Standards stimmt. Das unsere Christlichen Standards vor 50 Jahren kaum besser waren, ignorieren wir halt.
    Wer pinkelt sich schon gern selbst ans Bein.

    True Earl Grey
    04
    8.12.2009, 11:18
    Den Beweis,

    dass Frauen bei uns vor 50 Jahren (1960!) in gleichem Maße unterdrückt worden wären, wie das in islamischen Gesellschaften der Fall ist, sind Sie uns schuldig geblieben. Einfach deshalb, weil Ihre Behauptung unwahr ist.

    Meine Wenigkeit mit viel Senf
    00
    10.12.2009, 08:02
    Disqualifiziert!

    Von welchen "islamischen Gesellschaften" sprechen Sie? Sie haben somit wieder alle in einen Topf geworfen und sich als Teil des Problems geoutet!

    Werden in Albanien Frauen zur Burka gezwungen? Dürfen in der Türkei Frauen nicht studieren? (Hier wurde sogar ein Kopftuchverbot erlassen!)

    Frauenunterdrückung ist kein islamisches Problem, sondern eines der jeweiligen politischen Situation. Haben sich nicht vor Kurzem erst bestimmte christliche österreichische Politiker geäußert, dass sie Frauen lieber als Mütter und Haushälterinnen sehen würden?

    Edwin Felix
    29
    2.12.2009, 23:43
    wie üblich Hafez´Schmäh mit der Islamophobie

    Herr Hafez hat wie immer die Muslime in Europa einseitig als Opfer dargestellt. Und auch in Abrede gestellt, dass man die generell diktatorisch vorhandenen Regimes in moslemischen/arabischen Ländern mit Demokratien wie in Ö vergleichen könne. Darüber können selbst Muslime nur mehr lachen. Jeder, der mit westlichen Standards aufgewachsen ist und dann einmal in einem diktatorisch geführten islamischen Land gelebt hat, weiss, auf welch blankem Eis er sich befindet, selbst, wenn es nur um Bekleidungsvorschriften geht.

    Herr Hafez macht wie viele "Gutmenschen" den (bewußten?) Fehler, in Ö eine Verpflichtung der Mehrheitsbevölkerung gegenüb er Zuwanderern zu orten und läßt dabei historisch gewachsene Traditionen völlig außer acht

    Meine Wenigkeit mit viel Senf
    10
    10.12.2009, 08:11
    Ich versteh' Ihr Posting nicht.

    OK, es gibt diktatorische islamische Länder. Und es gibt demokratische Länder. Es gibt aber auch demokratische islamische Länder und diktatorische christliche. Was wollen Sie sagen?

    Und - natürlich haben wir eine Verantwortung gegenüber Zuwanderern. Sie sind nun mal da, und die meisten haben wir sogar eingeladen, hier zu sein! Verantwortung heißt aber vor Allem Toleranz und Respekt, nicht, dass jetzt schon länger hier Lebende alle zum Islam konvertieren müssen. Á propos: Dieser ist seit 1912 anerkannte Religionsgemeinschaft, aber sicher nicht wegen der tschechischen Zuwanderer!

    Außerdem: Woher kommen denn diese zum größten Teil? Türkei, Ex-Jugoslawien, Albanien. Alles islamische Diktaturen?

    Fritz Wunderlich
    14
    2.12.2009, 13:11

    vielfalt in ö:
    dann hätte der auto ja darauf hinweisen können, dass die iggiö einerseits die aleviten als teil der gemeinde ablehnt, gleichzeitig beim kultusamt aber interveniert, damit sie nicht als eigene glaubensrichtung anerkannt werden - soviel zur islamischen vielfalt

    skip it
    08
    2.12.2009, 11:08
    passt auch hierher: was vielerorts so leichtfertig als "islamophobie" gebrandmarkt wird,...

    ...ist oft genug lediglich jener mangel an respekt vor dem islam, den genau dieser nicht gewillt ist, einer saekularen gesellschaft entgegenzubringen.

    und da brauch ich gar nicht verhetzend à la strache mit dem kreuz durch die strassen zu wanken um genau diesen respekt vor einer saekularen republik, deren gesetzen und deren verfassung von der muslimischen gesellschaft einfordern zu duerfen.

    weil sonst spielt's in die gegenrichtung naemlich genau auch nix.

    da sind beide seiten auf- und gefordert. DIESE wies'n is keineswegs g'maht und schon gar keine einbahnstraße.

    und kommen s' mir bitte NICHT mit dem alles abtoetenden "toleranz"-geschwafel. ich red naemlich vom unbedingt noetigen gegenseitigen RESPEKT.

    Raphae1
    32
    2.12.2009, 12:16

    Woran erkennst Du, dass Muslime in Österreich unsere säkulare Republik nicht respektieren?

    wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
    02
    9.12.2009, 23:52
    sprechen sie

    mit insbes. türkischen moslems (in österreich)u. sie werden wohl auch eine bedenkliche u. prinzipielle ablehnende haltung zu österreich bemerken müssen.

    Raphae1
    10
    10.12.2009, 14:52

    Ich konnte eine prinzipielle Ablehnung nicht bemerken. Es wäre ja auch widersinnig hier leben zu wollen und gleichzeitig Österreich abzulehnen. Insb. der Laizismus erlaubt es dieser Minderheit ja ihre Religion hier zu praktizieren.

    skip it
    01
    5.12.2009, 13:33
    lassen sie sich von einem moslem belehren...

    ...http://derstandard.at/125928115... en-Wurzeln

    skip it
    10
    2.12.2009, 13:46
    net boes sein, aber hier ist definitiv nicht der platz...

    ...fuer soziopolitische nachhilfestunden.

    sorry.

    Raphae1
    02
    2.12.2009, 14:18

    Hier ist ja auch Platz genug für unbelegte Pauschalvorwürfe. Warum willst Du mir keine Quellen für deinen sozio-politische These nennen?

    skip it
    00
    2.12.2009, 15:04
    beginnen s' einmal damit...

    ...
    http://www.migration-boell.de/web/integ... 7_1123.asp

    und dann google: islam und saekulare gesellschaft.

    Raphae1
    00
    2.12.2009, 16:24

    Wo ist denn der Respekt der Kirche vor unserer säkularen Gesellschaft, wenn diese die Kreuze in den Klassenzimmern und Gerichtssälen verteidigt?

    skip it
    02
    2.12.2009, 16:40
    sagen s', was glauben s' denn,...

    ...weshalb ich mir hier schon seit jahren die finger wund-tippe?

    ich fleh' sie an, ich hab wirklich ka geduld fuer frischlinge in der debatte.

    lesen sie sich ein, formulieren sie ihre meinung anstatt mosaiksteinchenhafte kinderfragen einzuwerfen.

    warum, glauben sie, verweise ich staendig auf frankreich, hm?

    Raphae1
    01
    2.12.2009, 22:14

    Säkularisierung bedeutet vor allem, dass alle anerkannten Religionen vom Staat gleich behandelt werden, und keine Gesetze erlassen werden, die eine bestimmte Religion diskriminieren.
    kein Minarett => kein Kirchturm
    kein Kopftuch => auch nicht für christl. Nonnen
    Ich halte nichts von solchen Verboten; schon gar nicht, wenn man sie nur auf eine Gruppe anwenden will.

    skip it
    00
    3.12.2009, 18:19
    sie haben nichts von saekulaer vestanden...

    ...und ihr kopftuch-vergleich muslimin/nonne eliminiert jeden zweifel an ihrer einfalt.

    schoenen tag auch.

    Raphae1
    10
    3.12.2009, 18:54

    Na dann klären Sie mich doch bitte auf. Welche wichtigen Unterschiede gibt es denn zwischen dem Kopftuch einer Muslima und dem Schleier einer Klosterschwester?

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    Posting 1 bis 25 von 361
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