Reaktionen

Islamische Länder schockiert

30. November 2009, 11:25

Ägyptischer Großmufti Ali Gomaa: Bauverbot ist "Beleidigung" aller Muslime

Bern - Das Verbot von Minaretten in der Schweiz hat die islamische Welt überrascht und schockiert. Der ägyptische Großmufti Ali Gomaa hat das Bauverbot für Minarette laut "Deutsche Welle" als "Beleidigung" für alle Muslime kritisiert. Gomaa nannte das in einer Volksabstimmung durchgesetzte Verbot zudem einen Angriff auf die Religionsfreiheit. Der Großmufti, einer der höchsten islamischen Würdenträger, rief die Muslime in der Schweiz dazu auf, mit legalen Mitteln gegen das Verbot zu demonstrieren und sich im gesellschaftlichen Dialog zu engagieren.

Gewalttätige Reaktionen sind auch nach Ansicht von Babacar Ba, Botschafter der Organisation der islamischen Konferenz (OCI), nicht zu erwarten. Die Schweizer Regierung habe klar gegen die Initiative Stellung genommen. Das Ansehen der Schweiz in den islamischen Ländern leide aber, sagte Ba am Sonntagabend der Nachrichtenagentur SDA.

Und den Fundamentalisten könnte das Abstimmungsergebnis neue Türen öffnen. Die OCI appelliere deshalb an die Wachsamkeit. Die Schweizer Muslime könnten sich bedroht fühlen. Eine Diskussion über die Rolle der Muslime in der Schweiz sei deshalb nötig.

"Die Schweiz hat nicht rassistisch abgestimmt. Es war wohl vielmehr blanker Egoismus und die Sorge, dass jemand des Volkes Ruhe stören könnte", sagte Anouar Abou Eisheh, Rechtsprofessor an der Al-Quds-Universität in Ost-Jerusalem. Das Abstimmungergebnis liefere den muslimischen Extremisten Argumente für ihren Kampf gegen den Westen. Für sie sei der Entscheid eine frontale Attacke gegen den Islam und seine Symbole. Er hoffe, dass das Beispiel in Europa nicht Schule mache.

"Zeichen des Hasses"

In Indonesien, dem bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Welt, hat das Schweizer Minarett-Verbot empörte Reaktionen ausgelöst. Die wichtigste muslimische Organisation des Landes verurteilte den Entscheid als Ausdruck von Hass und Intoleranz gegen den Islam. "Es ist ein Zeichen des Hasses der Schweizer auf die Muslime. Sie wollen keine Präsenz des Islams in ihrem Land. Diese Ablehnung macht sie intolerant", sagte der Chef von Nahdlatul Ulama (NU), Maskuri Abdillah: "Das ist wirklich bedauerlich."

Abdillah forderte die Muslime in Indonesien auf, für die Freiheit der Religionsausübung einzustehen, zugleich aber "nicht übertrieben" auf den Entscheid des Schweizer Stimmvolks zu reagieren. "Es wird schwierig sein, dass sie nicht demonstrieren und ihr Missfallen ausdrücken. Aber wir fordern sie auf, es friedlich zu tun", sagte Abdillah.

Hohe Wellen in arabischen Medien

In den arabischen Medien warf das Minarett-Verbot hohe Wellen. Die Reaktionen reichten von Überraschung, Unverständnis und Enttäuschung bis hin zu blanker Wut. Es werde befürchtet, dass sich die Schweiz von ihren traditionell liberalen Werten abwende, sagte Hasni Abidi, Direktor des arabischen Forschungszentrums in Genf. Das Minarett-Verbot liefere dem libyschen Staatschef Muammar Gaddafi zusätzliche Munition im Streit um die beiden festgehaltenen Schweizer Geschäftsleute. Libyen habe seit Beginn der Krise der Schweiz Rassismus gegenüber der arabischen Welt vorgeworfen.

Ob das am Sonntag in der Volksabstimmung angenommene Verbot zum Bau von Minaretten Auswirkungen auf die Wirtschaft haben werde, werde sich noch zeigen, sagten Händler. Bundesrat und Wirtschaft befürchten Probleme im Handel mit muslimisch geprägten Ländern. "Das geht nicht so schnell. Zudem sind internationale Trends viel wichtiger. Und momentan beschäftigen sich die Marktteilnehmer stärker mit den Zahlungsproblemen Dubais", sagte ein Händler. (APA/sda/Reuters/red)

Kommentar posten
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a klana indiana
01
30.11.2009, 20:45

die superreichen, extremistischen kameltreiber aus abu dabi, dubai, saudi arabien etc. werden sich`s schon überlegen, ob sie nun die schweiz ala dänemark angreifen - schließlich lagert dort nicht wenig von ihrem kapital...
und die schweizer haben`s schon ziemlich satt gehabt, sich von diesem verrückten terroristen aus lybien an der nase herum führen zu lassen....

-ReliefpfeileR-
00
30.11.2009, 20:08
"Das Ansehen der Schweiz in den islamischen Ländern leide aber, sagte Ba am Sonntagabend der Nachrichtenagentur SDA. "

Erster Teilerfolg für die Schweizer

emanze c
02
30.11.2009, 19:59
Schade, dass Europa (noch?) nicht so pluralistisch ist wie gehofft (und Amerika in manchen Dingen eben doch nicht so überlegen - dort sind zB hinduistische Prachttempel kein Störfaktor im Stadtbild.. und das seit vielen Jahren).

Aber:
"Abstimmungergebnis...muslimischen Extremisten... Kampf gegen den Westen. Für sie sei der Entscheid eine frontale Attacke gegen den Islam..seine Symbole. "

Interessant das aus Ländern zu hören, in denen zB GAR keine Kirchen gebaut werden dürfen (zB Türkei - Baubewilligungen werden einfach nicht erteilt), in denen Kirchenglocken zB zur Nichtstörung der Muslime nicht erlaubt sind (die gesamte arabische Welt seit Jahrhunderten), in denen Wein nicht gebraucht werden darf (ohne den Christen keine gültige Messe feiern können - Leib und Blut, Eucharistie). Noch nicht mal erwähnt ist hier gerade die menschenrechtlich extrem prekäre Lage der Kopten genau in Ägypten.

Europa sollte besser sein, aber das müßte diskutiert werden mit d arab Welt!

das ist fix
00
30.11.2009, 19:59


Aha, der Großmufti ist also beleidigt... - wie wäre es aber wenn man z.B. in Dubai eine Kirche errichten wollte?

WOCKNUP
01
30.11.2009, 19:47
Na hoffentlich haben die Herrschaften noch Restbestände von dänischen und Schweizer Fahnen!

Simplicius Simplicissimus
00
30.11.2009, 19:40
Das Karikaturenverbot ...

... war eine Beleidigung des menschlichen Gerechtigkeitsempfindens. Desgleichen die islamischen Karikaturenwettbewerbe, die als antisemitische Furze endeten.

deadsoil
013
30.11.2009, 19:23
lachhaft

sind diese schockreaktionen, gerade aus jenen ländern in denen toleranz, religionsfreiheit fremdwörter sind. wie sieht das z.b. der großmufti aus ägypten, wenn ägyptische kopten für die sanierung einer wc anlage in ihren gotteshäusern beim staatsoberhaupt ansuchen müssen? ist das die geforderte religionsfreiheit und toleranz? die religionsfreiheit die in der schweiz und im rest von europa gegenüber den muslimen gebracht wird, ist in den meisten islamischen ländern vollkommen undenkbar. man sollte einmal darüber reden und sich nicht in schockzustand zeigen, nur weil das schweizer volk gegen den bau von minaretten ist.

Gefährliche Clowns
00
30.11.2009, 20:46
Was hat der Großmufti mit dem Kopten-Klo zu schaffen?


Dafür ist er genauso wenig zuständig wie ein hiesiger Bischof für das Klo in einem islamischen Gotteshaus...

deadsoil
00
30.11.2009, 21:57

was ich ausdrücken möchte: die religionsfreiheit - das menschenrecht der freien religionsausübung ist in ägypten soweit, dass kopten beim staatsoberhaupt um erlaubnis für so simple dinge wie die sanierung eines kirchenklos ansuchen müssen. da klingt diese entrüstung dieses großmuftis einfach nur noch lächerlich.

Karl Kraus
 
13
30.11.2009, 19:23
derartige reaktionen...

konnte man nach der abstimmung erwarten, nur gereicht das nicht zur erkenntnis das es besser gewesen wäre minarette zuzulassen. die schweizer haben in einer offenen, demokratischen wahl entschieden, etwas das in vielen islamischen republiken noch ein zukunftswunsch ist. niemanden wird dadurch die religionsausübung verboten. jetzt wird liberalismus von denen angezweifelt die dies weder praktizieren noch als etwas gegenseitiges ansehen. die islamische religion zeigt sich in den ländern in der sie wirkt nicht als liberal und weltoffen sondern expandistisch, populistisch und gewaltverherrlichend. das der islam anders sein könnte weiß kaum noch wer, die muslime erst recht nicht.

prusiner
08
30.11.2009, 19:17
es werde befürchtet

dass sich die Schweiz von ihren traditionell liberalen Werten abwende

welch Ironie; islamische Länder reklamieren liberale Werte ..

und eine Beleidung der Moslems; Hauptjob ist offenbar zunehmend beleidigt zu sein ..

AlliGator
23
30.11.2009, 19:14

Beim Flug über Saudi-Arabien durfte die Swissair früher ihre Heckflosse mit dem Kreuz nicht beleuchten. Das ist jetzt halt die Retourkutsche.

Die europäischen Populisten begeben sich endgültig auf das Niveau der Islamisten...

nemo sander
10
30.11.2009, 19:22
In Saudi Arabin darf man so wenig Kirchen bauen, wie man

Moscheen in Griechenland bauen darf.
Andersherum darf man in allen anderen muslim. Ländern Kirchen bauen und sie werde gerade gebaut, unter anderem Großprojekte auf der arabischen Halbinsel. google, auch bei "Bilder" zu unterschiedl. Kirchen in unterschiedl. mulim. Ländern.

emanze c
01
30.11.2009, 20:04

In Griechenland dürfen sehr wohl Moscheen gebaut werden - sollte das einem Bürger/einer Bürgerin verwehrt werden empfehle ich den Gang zum EuGH bzw EGMR.
In der Türkei werden dagegen tatsächlich keine Kirchen genehmigt seit Jahrzehnten und die christliche Bevölkerung ist in den letzten 130 Jahren von einer blühenden Bevölkerungsschicht zu einem Prozent des Landes dezimiert worden. Auch mit Völkermord an Griechen und Armeniern, Enteignung und Vertreibung.
Saudiarabien läßt sich auch schwer mit Griechenland vergleichen - Kettchen mit Kreuzen werden vom Staat abgenommen. Auch davon (dass Halbmonde hysterisch abgenommen werden) hat man von Griechenland - so sehr es kein europäischer Musterschüler sein mag - nicht gehört.
Wo sind die Fakten?

souldoubt
 
01
30.11.2009, 19:05
Argumentation

Ich kann nicht verstehen, weshalb sich zahlreiche Poster auf diese "Aug um Aug, Zahn um Zahn" Argumentation einlassen! Natuerlich ist es korrekt, dass z.B. Christen in zahlreichen Laendern der arabischen Welt ihren Glauben nicht frei ausueben koennen, dass Maedchen genitalverstuemmelt bzw. zwangsverheiratet werdn. Aber - Hallo?! - wir sprechen hier von absolutistischen Monarchien oder autokratischen Systemen bzw. in manchen Faellen sogar von "failed states"! Wollen wir uns hier tatsaechlich auf "Vergleiche" einlassen? Die Schweiz ist ein reiches, demokratisches Land der westlichen Welt und ich finde es bedenklich, wenn dort Minarette verboten werden sollen und somit eine Religionsgruppe in ihren Rechten beschnitten wird.

Wildhüter John
01
30.11.2009, 21:15

Und viele finden es eben bedenklich, wenn Menschen aus jenem mittelalterlichen Kulturkreis (mit all den von Ihnen selbst geschilderten Grauslichkeiten), ihre, einen Machtanspruch symbolisierenden "Leuchttürme" der Intoleranz mitten in eine Welt pflanzen wollen, die einen hohen Preis dafür zahlen hat müssen, um den Einfluss der Religion (im speziellen der christlichen) auf das tägliche Leben zurückzudrängen.

Glauben Sie nicht auch, daß es zB mit buddhistischen Prachtpalästen (so es welche gibt) - auch wenn sie 10 Türme hätten, irgendwelche Probleme mit der Gesellschaft gäbe? Ich wage zu behaupten: Nein.

Österreich! Österreich zuerst!
00
30.11.2009, 20:17

An der Muschi?

emanze c
00
30.11.2009, 20:07
"Auge um Auge" ist tatsächlich falsch. Allerdings scheint jedes Erwähnen der Mankos der "anderen" Seite als Auge um Auge verstanden zu werden. Dem muss nicht unbedingt so sein - dass Muslime in Europa Freiheiten geniessen,

die Christen und anderen Minderheiten in muslimischen Ländern verwehrt bleiben, dass Muslime nicht zu anderen Religionen konvertieren können in den meisten muslimischen Ländern, in nichtmuslimischen Ländern aber offen "missioniert" wird von Muslimen (was aus europäischer Sicht völlig legitim ist) sollte der "anderen" Seite (aus Schweizer bzw europ. Sicht) aber durchaus in Erinnerung gerufen werden.
Dass die objektivierbar intolerantere Seite sich nun regelmäßig über Karikaturen, Hassverbrechen und Baubeschränkungen echauffiert während in ihren Ländern Juden verächtlich machende Karikaturen, Hassverbrechen gegen Christen bzw "christliche Missionare" und Baubeschränkungen für Nichtmuslime ALLTÄGLICH sind ist allerdings unerträglich.

J R
00
30.11.2009, 20:01

im Endeffekt geht es nicht um die Gebäude oder was im Nahen Osten vor sich geht, es geht um die Ideologien selbst. Islam und r.k Kirche bestehen den Eignungstest für den Westen im 21 Jhd einfach nicht. Antidemokratisch, diskrminierend, gewaltbereit und auf irdische Macht versessen. Warum wird Religionen nicht endlich ihr Sonderstatus als Ideologien mit Artenschutz entzogen?
Mir ist völlig unverständlich, daß die Linke offensichtlich bereit ist, die säkulare Demokratie für totalitäre Religionen zu Grabe zu tragen.
Ist es Betriebsblindheit? Seit den Nazis sollte die Linke eigentlich wissen, daß die Demokratie auch von innen heraus zerstört werden kann.

Hubertos
012
30.11.2009, 19:04
"Es wird befürchtet, dass sich die Schweiz von ihren

liberalen Werten abwendet".....die arabischen Länder machen sich Sorgen um die liberalen Werte der Schweiz...was für ein Witz.

docw
224
30.11.2009, 18:51
Islamische Länder schockiert

und ich bin schockiert,wenn:
in saudiarabien internatsmädchen verbrennen,weil die religionspolizei die türen versperrt,weil die mädchen nicht korrekt bekleidet waren.
in qatar ein 18-jähriges pärchen für 2 jahre hinter gitter kommt,weil es hänchenhaltend aus einem haus kam.
in malaysien eine frau eingesperrt wird,ihren job verliert,weil sie zum christentum konvertierte.
in indonesien jeder christ,der eine einheimische heiraten will,zum islam konvertieren muss.
in afghanistan buddhastatuen als beleidigung gesehen und gesprengt werden.
imselben land mädchen mit säure übergossen werden,da sie zur schule gehen.
in nigeria frauen genitalverstümmelt werden.
in der türkei junge mädchen gegen ihren willen zwangsverheiratet werden.
so what?

sturmerr
00
30.11.2009, 19:57
Und im Iran ein Christ von Familienagehörigen ermordet wird,

weil: "Vom Glauben abgefallen"! Der oder die Täter haben nichts zu befürchten. Wo bleibt da die Gerechtigkeit?

geilhuber
02
30.11.2009, 19:10
polemisch betrachtet...

in vielen islamischen Laendern herrscht ja auch ein Bauverbot von Kirchen. Warum regt sich dort deswegen keiner auf oder ist schockiert????

emanze c
00
30.11.2009, 20:10

Darüber sollte sich (zu Recht) aufgeregt werden.
Und die Errungenschaften (unvergleichliche Freiheiten der nichtchristlichen Minderheiten) sollten selbstbewusster kommuniziert werden genau in diesen Ländern.
Das macht schikanöse Ausgrenzung von Muslimen (so sie in der Zukunft geschehen sollte) aber nicht besser - im Gegenteil.

Sahin A.
20
30.11.2009, 19:07
Sind jetzt islamische Länder die Vorreiter der Demokratie oder wieso jetzt dieser Vergleich?

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