Die Angst der Bürger vor den "Leuchttürmen"

29. November 2009, 17:53
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    foto: standard/fischer

    Ein Parteiobmann unter verärgerten Bürgern: Im Mai wurde in Wien gegen den Ausbau eines islamischen Zentrums marschiert.

Drei Moscheen mit Minaretten gibt es in Österreich – um den Bau jedes islamischen Gebetshauses wird gestritten

Für Heinz-Christian Strache ist das Schweizer Abstimmungsergebnis vor allem eines:"Ein Zeichen gegen den radikalen Islamismus", wie er am Sonntag in einer Presseaussendung bekannt gab. Ein Minarett-Verbot habe "auch in Österreich Vorbildwirkung" , man könne die Bevölkerung nicht ignorieren, "wie dies etwa in Wien mit dem Ausbau des islamischen Zentrums in der Brigittenau geschehe" . Was der FPÖ-Bundesparteiobmann wohlweislich nicht erwähnt: Bei dem geplanten Ausbau des seit 1996 bestehenden islamischen Zentrums war nie von der Errichtung eines Minaretts die Rede - es soll lediglich um drei Stockwerke erhöht werden.

Ein Beispiel, dass in Österreich die Angst vor den nadelförmigen "Leuchttürmen" (siehe Wissen rechts) vor allem parteipolitisch ausgenutzt wird und weniger mit der Realität zu tun hat.

Wie auch in Kärnten. Dort hat die Landesregierung im Februar 2008 mit orange-schwarzer Mehrheit das Ortsbildpflegegesetz geändert. Um, wie Straches Vorbild Landeshauptmann Jörg Haider (BZÖ) damals sagte, "ein Zeichen" zu setzen. Gegen das "Vordringen des Islam" .

Allerdings: In der Gesetzesänderung fanden sich nirgends die Wörter "Moschee" oder "Minarett" - es ging lediglich um ein eigenes Verfahren "für Sonderbauwerke" . Dass es bis dahin und auch seitdem keinen einzigen Antrag auf den Bau eines Minaretts gegeben hatte, spielte offenbar keine Rolle.

Dass die aktuelle welt- und innenpolitische Lage wichtiger ist als das Bauwerk an sich, zeigt sich auch in Wien. Im Bezirk Floridsdorf steht ein 32 Meter hohes Minarett - dass vor 30 Jahren gebaut worden ist, übrigens von Baumeister Richard Lugner. Großartige Proteste gab es damals nicht.

Im Jahr 2006 war die Lage schon ganz anders. Damals wurde in der 15.000-Einwohner Gemeinde Telfs in Tirol, wo knapp 17 Prozent der Einwohner Muslime sind, eine Moschee eröffnet - mit einem 15 Meter hohen Minarett. Rund um den Bau hatte es jahrelange Diskussionen gegeben - auch bei der Gemeinderatswahl 2010 wird der Turm wohl bestimmend bleiben.

Doch nicht nur in Österreich und der Schweiz empfinden Teile der Bevölkerung die Türme als Zumutung. Auch in Deutschland, wo proportional bedeutend mehr Minarette als in den beiden Nachbarstaaten stehen, empören sich manche Bürger. Rechtsradikale mobilisierten etwa gegen die Moschee in Köln, die zwei 55 Meter hohe Minarette bekommen soll (zum Vergleich: Der Kölner Dom ist 157 Meter hoch). Dennoch wurde Anfang November der Grundstein gelegt.

Andernorts erlebt man übrigens Überraschungen. Die 2008 eröffnete Moschee in Duisburg (Minaretthöhe: 34 Meter) haben in den ersten vier Monaten 40.000 Nichtmuslime besichtigt. (Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe, 30.11.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 286
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www.weicheier.com
00
2.12.2009, 13:27
vor 30 Jahren gab es in Floridsdorf keine Proteste...

Da gab es auch noch nicht so viele Emigranten in Gemeindebauten, keine ausufernde Kriminalität, keine extremen Terrorismus, wenig Schein-Asylanten, keine Krise....
Doch kein Vergleich mit Heute!

Alexander Reiter
00
6.12.2009, 18:24

Allerdings, die "Heute" ...

Halbmond
00
1.12.2009, 16:35
Wieso die Angst überhaupt,wo bleibt die TOLERANZ von denen staaten die es so preisen.

numeris
01
1.12.2009, 15:02
Gerade Telfs ist ein Musterbeispiel dafür

wie sorglos mit der Immigration umgegangen wird. Da hat man moslemische Gastarbeiter für die aussterbende, durch staatliche Subverntionen noch am Leben erhaltene Textilindustrie hereingeholt - 2600 bei damals 7000 Telfsern. Jetzt sind die meisten arbeitslos, und sind auf Sozialhilfe angewiesen. Aber ihre Moschee, die haben sie! Die Schweizer werden es hoffentlich besser machen.

Alexander Reiter
00
6.12.2009, 18:03

Eher ein Beispiel für verfehlte Subventionspolitik.

Ich korrigiere obiges Posting
 
00
1.12.2009, 23:38
Jetzt sind die meisten arbeitslos, und sind auf Sozialhilfe angewiesen

Das kann nicht sein, laut Sozialminister zahlt jeder mehr ein als er rausnimmt.

numeris
00
2.12.2009, 09:32

"Traue nie einer Statistik, die du nicht selber gefälscht hast!" - im Ernst: Es geht hier um Telfs. Und dort haben sie zwar eine Moschee, sind aber meist arbeitslos, weil die Arbeitsplätze nimmer da sind. Und die Zuzügler werden häufiger von der Arbeitslosigkeit betroffen als Inländer. Und die IV Wien - Hr. Kapsch will noch mehr Ausländer-Zuzug, damit er sich die Billigarbeiter aussuchen kann. Unverantwortlich!

Jürgen Rembremerding
11
1.12.2009, 12:57
"Ka Moschee war schee"

Braucht es mehr, um den Hirninhalt dieser Menschen zu kennen?

Niemand ist im Internet anonym
96
30.11.2009, 14:11
Ein Parteiobmann unter verärgerten Bürgern: Im Mai wurde in Wien gegen den Ausbau eines islamischen Zentrums marschiert.

So so. Tatsache war - ich war dort - es waren gerade 200 herangekarrte FPÖ Funktionäre, verbrüdert mit den wenigen Rechtsradikalen. Soweit zu den "verärgerten Bürgern"

tridge
107
30.11.2009, 14:09
Das Vordringen des Islams in Europa und die Veränderung unserer Gesellschaft.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Muslime und ihre religiösen Symbole als Sündenböcke herhalten müssen, dass z.B. in Österreich traditionelle identitätsstiftende Elemente aussterben oder sich stark verändern. Meine Fragen dazu: Sind sie Schuld daran, dass nur wenige Kinder Zieharmonika spielen lernen und Jugendliche Volkslieder singen? Sind sie schuld daran, dass die Mundart nicht mehr so intensiv gepflogen wird und manche Wörter dadurch verloren gehen? Oder sind sie gar Schuld daran, dass immer mehr Menschen aus der Kirche austreten? Und noch etwas: Die röm. kath. Kirche hat auch immer noch Probleme mit dem Laizismus, sollen wir deshalb Kirchtürme abreißen?

Indira Gundi
87
30.11.2009, 19:03
So ist es.

Diese irrationale Angst einer Mehrheit, von einer Minderheit zahlenmässig und ideologisch überrannt zu werden, kann nur aus einem abgrundtiefen Minderwertigkeitskomplex kommen. Sind die Österreicher wirklich so lendenlahm und wohlstandsverwahrlost, dass sie keine Kinder mehr bekommen, und so orientierungslos, dass sie neiderfüllt anderer Leute Kultur fürchten müssen, statt sie von der eigenen zu überzeugen ? Dann ist eh nicht schad drum.

numeris
22
1.12.2009, 15:17
Bitte bemühen Sie sich einmal

als angestammter einkommensschwacher Inländer eine Gemeindewohnung in Wien zu bekommen, in der Sie Nachwuchs zeugen können, wie Sie es verlangen. Jeder Zuzügler hat bessere Chancen - weil er bereits mit Kindern in unser Land kommt. So entstehen übrigens die berühmten "Ausländerghettos" in Wien. Haben Sie das nicht gewußt?

lehrerlämpel
68
30.11.2009, 16:30
wir haben jahrhunderte gebraucht

um uns weitgehend (aber noch lange nicht vollständig) von der gängelung durch die katholische kirche zu befreien. warum sollen wir daher die ausbreitung einer anderen religion/ideologie/lebenstil der intoleranz und unterdrückung dulden? wehret den anfängen!

mit erhobenem zeigefinger
lehrer lämpel

Indira Gundi
82
30.11.2009, 19:12
Weil das Nichtdulden anderer Lebensstile genau

INTOLERANZ ist und das Gegenteil der Ideale der Aufklärung, die Sie das so großspurig für sich in Anspruch nehmen ?
Aber vielleicht sind Sie ja nur für bessere Integration der Muslime. Werfen wir doch unsere eigenen Werte schnell über Bord - dann brauchen wir von den Gestrigen anderer Länder gar keine kulturelle Anpassung mehr zu fordern, denn dann sind wir flugs schon auf gleichem Niveau.

Richard III
19
30.11.2009, 23:17
nein, indira....

es ist eigentlich ganz einfach:

In Europa gab es Humanismus/Aufklärung etc. und in muslimischen Ländern NICHT. Daher haben Muslime tendenziell ein unaufgeklärteres Verhältnis zur Reliogion. Deshalb ist es für einen liberal denkenden Menschen durchaus berechtigt, eine Ausbreitung des Islam zumindest kritisch zu hinterfragen.

LG,

R

tridge
00
1.12.2009, 12:12

aha, weil es in europa "die aufklärung" gegeben hat, haben wir sie in den genen. muslime aber die nach österreich kommen (oder seit generationen in österreich leben) und aufgeklärte luft atmen, sind von geburt an unfähig ein aufgeklärtes verhältnis zur religion zu haben. lieb.
haben sie sich schon einmal eingehender mit dem thema aufklärung und islam beschäftigt? anscheinend nicht. und noch etwas: ISLAM ist NICHT GlEICH ISLAMISMUS. das scheint in dieser diskussion allzu oft vergessen zu werden.

Richard III
00
2.12.2009, 19:28
@tridge : zweiter Teil

Hier die Beispiele:

1) Angenommen, ich zeichne eine Karikatur von Jesus und der Standard veröffentlicht´s: Gäbe es dann auch Tote...?
(Übrigens hat angesichts des Karikaturenstreits ein gewisser Dr. Jörg Haider gemeint:
http://kaernten.orf.at/stories/88087/)
Interessant, nicht?

2) Angenommen, ich schreib ein Buch, in dem ich die Bibel ziemlich hart kritisiere, würde ich dann auch von einem christlichen Würdenträger zum Tode verurteilt werden....?

Und sag mir jetzt bitte nicht, dass das jeweils nur winzig kleine Minderheiten waren, die die Hardliner unterstützten. Genau mit solchen Fragen z.B. auch zum Thema Homophobie müssen wir mit den Muslimen einen offenen Dialog führen und dürfen uns klare Antworten erwarten.

LG,

R

Richard III
00
2.12.2009, 19:20
@tridge : erster Teil

Also: ich behaupte nicht, dass wir Humanismus/ Aufklärung etc. in den Genen haben. Wir, unsere "westlich-europäische" Gesellschaft, hat Jahrhunderte gebraucht, um sich von der geistigen Vormachstellung der Kirche zu lösen. Ich denke nicht in irgendwelchen "Abstammungs", sondern in historisch-soziologischen Dimensionen.
Schau Dir die Türkei an: Dort ist die kemalistische Revolution keine 100 Jahre alt und jetzt ist die Türkei ein kulturell gespaltenes Land. Ich hab mich also sehr wohl ein wenig beschäftigt. Und noch etwas:): Ich weiß, dass Islam nicht Islamismus ist, aber hier ein paar Bespiele, die verdeutlichen sollen, dass die Muslime all over betrachtet zu ihrer Religion ein unaufgeklärteres Verhältnis haben als die Christen in Europa:

Jupidupidu
00
1.12.2009, 08:14

und das, ohne dabei ins rechte eck gestellt zu werden!

mein Deutschprofessor
00
1.12.2009, 02:06

hier geht es aber! nicht ums hinterfragen der religion, hier werden menschenrechtsverletzungen begangen, mitten in europa. und wenn sie nur nen hauch von den idealen in sich hätten mit denen sie sich brüsten würden sie den beitrag von indira verstehen. aber anscheinend verstehen sie nicht!

lg

hamstertier
10
1.12.2009, 15:06
an deutschprofessor

es ist ein menschenrecht, einen turm zu bauen um in der gegend rumschreien zu können?
ich fordere das recht auf schlaf, auch das ist ein menschenrecht.

peter56
 
00
1.12.2009, 22:15
Naja, Verdrehung.

Es geht nicht darum, ob der Bau eines Turmes ein Menschenrecht ist (Den Unsinn hamma schon oft genug gelesen in der Themendebatte). Da ist allein die Bauordnung und vielleicht der Ensembleschutz zuständig.
Das VERBOT für eine bestimmte Gruppe ist ein Verstoß gegen das Menschenrecht, vor dem Gesetz GLEICH behandelt zu werden....

hamstertier
00
2.12.2009, 09:24
an peter56

ein verstoß gegen das gleichbehandlungsgesetz wäre es dann, wenn man den moslems ein minarett verbieten würde, aber z.b. den katholiken ein minarett erlauben würde. turm ist nicht gleich turm. es geht auch um die funktion eines solchen.
die kirchenglocken läuten nicht im morgengrauen....

peter56
 
00
2.12.2009, 10:50
Geh bitte ! Es ging doch nie um die FUNKTION.

Es geht um das behauptete Symbol, und das ist genau dasselbe wie bei einem Kirchturm.
Bitte net machens aus einem Minarett was anderes, als es ist.

Gegen den Ruf vom Minarett herab bin ich übrigens auch, das ist aber eine ganz andere Geschichte.

Richard III
10
1.12.2009, 09:42
@Deutschprofessor: ich verstehe den Beitrag sehr wohl,

ich argumentiere nur ganz klar dagegen.
Im übrigen bin ich auch gegen dieses Minarettbauverbot (wenngleich ich anmerke, dass Machtdemonstrationen für mich kein Menschenrecht darstellen und zur Religuionsausübung braucht man Minarette nicht), aber für eine offene Diskussion ohne Scheuklappen.

Einen intolaranten Lebensstil kann ich im Namen der Toleranz nicht tolerieren. Verstanden?

LG,

R

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