Gremium hatte mehr als 400.000 registrierte Wähler zur Vorlage von Geburtsurkunden aufgefordert
La Paz - Gut eine Woche vor der Präsidentenwahl in
Bolivien hat der linksgerichtete Amtsinhaber Evo Morales der
Nationalen Wahlkommission vorgeworfen, sie wolle die Abstimmung
torpedieren. Die Kommission hatte mitgeteilt, 400.671 der insgesamt
5,3 Millionen bereits registrierten Wähler dürften ihre Stimme nur
dann abgeben, wenn sie bis kommenden Donnerstag zusätzlich noch ihre
Geburtsurkunde bei den Behörden vorlegten.
Viele Bolivianer haben jedoch keine Geburtsurkunde, deren
Ausstellung Monate in Anspruch nehmen kann. Und wer das Dokument
hatte, fand sich in langen Schlangen vor den jeweils zuständigen
Ämtern wieder.
"Wahlbehörde provoziert"
"Die Wahlbehörde provoziert das Volk, damit es sich erhebt und die
Wahl dann abgesagt werden kann. Sicher wollen sie (die Mitglieder der
Wahlbehörde) die Wahlen nicht", sagte Morales, der die Wahl allen
Umfragen zufolge gewinnen wird. Er lag zuletzt etwa 32 Prozentpunkte
vor dem stärksten Kandidaten der Opposition. Zugleich rief Morales
seine Anhänger am Freitag auf, für einen geordneten Ablauf
der Wahl zu sorgen und der Wahlkommission so einen Strich durch die
Rechnung zu machen.
Das neue Wählerverzeichnis war zwischen 1. August und 15. Oktober
angelegt worden. Die Wahlberechtigten konnten sich dort unter Vorlage
ihres Personalausweises einschreiben. Zwei Wochen vor der Wahl teilte
die Kommission dann überraschend mit, bei mehr als 400.000 Wählern
(7,5 Prozent der Wahlberechtigten) habe sie Bedenken über deren
Identität, und diese müssten nun eine Geburtsurkunde vorlegen. (APA)