"In Wirklichkeit nutzt heute jeder Linux"

28. November 2009, 10:44
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    foto: ubit/helmrich

    Technologiehistoriker und Unix-Experte Peter H. Salus sprach anlässlich des 40. Geburtstages von Unix in Wien.

Was dainter steckt, interessiert die Leute nicht - Technologiehistoriker und Unix-Experte Peter H. Salus im Interview

40 Jahre ist es her, dass Ken Thompson in den Bell Labs Unix geschaffen hat. Technologiehistoriker Peter H. Salus spricht Interview über die verspielten Anfänge von Unix und warnt vor religösem Betriebssystem-Eifer. Er betont die Allgegenwart von Linux im Leben des Durchschnittsusers und versichert, dass die IT-Welt auch 2038 nicht untergehen wird.

"40 Jahre UNIX"

Salus wurde vom Fachverband Unternehmensberatung-IT (UBIT) der Wirtschaftskammer Wien  anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums zur Veranstaltung "40 Jahre UNIX" als Stargast geladen. Der Experte war im Laufe der Jahre unter anderem als Geschäftsführer der USENIX Association und Vizepräsident der Free Software Foundation tätig.

Frage: Unix und seine Ableger sind für die meisten nur als trockene Server-Systeme bekannt. Hat das nicht eine gewisse Ironie, wenn man bedenkt, dass die Geschichte 1969 mit einem Spiel begann?

Salus: Aber nein. Einer der Gründe, warum Unix über 40 Jahre so viel Aufmerksamkeit bekam, war sicher, dass die Autoren es zum Spaß gemacht haben. Ken Thompson wollte für ein Spiel Planetenbewegungen simulieren. Es ist doch so: Nur, wenn ein System den Entwicklern Spaß macht, kann es auch Usern Spaß machen. Das war gut 20 Jahre später auch bei Linus Torvalds so. Er war ein großer Fan Unix-artiger Systeme, besonders Minix. Ihn hat interessiert, woraus ein Betriebssystem besteht und was er davon nachbauen kann. Torvalds hat selbst gesagt, Linux sei ein Spielzeug und nichts Ernsthaftes.

Frage: Eben Linux ist heute sicher der geläufigste Unix-Ableger. Aber Kritiker sagen, dass ist kein echtes Unix. Wie sehen Sie das?

Salus: Das ist, als würde man sagen, man ist mit Onkel oder Tante nicht verwandt. Linux stammt vielleicht nicht in direkter Linie von Unix ab, aber es gehört definitiv zur Familie. Es hat den erforderlichen Unterbau. Abgesehen davon stammt doch kein aktuelles Unix wirklich direkt vom Original ab.

Frage: Linux hat Probleme, am Desktop Fuß zu fassen. In diesem Zusammenhang wird oft erwähnt, dass die mangelnde Ausführbarkeit kommerzieller Software - etwa Games - ein Hindernis ist. Ist das wirklich so ein wichtiger Faktor?

Salus: Aber nein. Das Problem ist, dass das Massenpublikum so wenig wie möglich mit der Maschine selbst zu tun haben will. User wollen einfach E-Mails und Texte schrieben und im Web surfen. Was dahinter steckt, kümmert sie nicht - und das zu Recht. Beim Auto kennt ja auch keiner all die Bauteile.

Frage: Unix hat am Desktop derzeit sehr wohl rund fünf Prozent Marktanteil - in Form von Apples OS X. Ist das ein Erfolg?

Salus: Es ist nicht wichtig, wie viele Prozent der Desktops OS X, Windows oder anderes nutzen - sie sollen funktionieren. Nur Revolutionäre mit religiösem Eifer sagen, Desktops müssen unbedingt etwas Unix-artiges nutzen. In Wirklichkeit nutzt heute ohnehin jeder Linux in Form der Internet-Infrastruktur und von Angeboten wie Google, Amazon und eBay.

Frage: Auch das iPhone nutzt ein Unix-Derivat. Wie passt ein derart abgeschottetes System mit der Offenheit von Unix zusammen?

Salus: Es gibt ja eine ganze Reihe von offenen Lizenzen und Unix-Varianten. Apple hat auf die Berkeley Software Distribution (BSD) gesetzt, weil die entsprechende Lizenz Unternehmen den größten Spielraum bietet, eben auch geschlossene Systeme zu bauen.

Frage: Wie offen war Unix eigentlich in seinen frühen Tagen?

Salus: Theoretisch musste man eine Lizenz von AT&T haben. Die konnten Universitäten, Schulen, Museen und andere autorisierte Gesellschaften bekommen. Das war aber eigentlich nur ein Stück Papier, das besagte, dass man Unix nicht an Unberechtigte weitergibt. Kostenfrei war es - AT&T hat befürchtet, dass ihnen Gerichte den Verkauf verbieten würden, weil es weder Telefonie noch Telegrafie war.

Frage: Aber auf die 70er-Jahre folgte eine kritische Phase in der Unix-Geschichte. Wie kam das?

Salus: Ende der 70er hat AT&T gesehen, dass andere mit Unix Geld machen. Daher wollte man dann doch selbst teure Lizenzen verkaufen. Dem folgten die Unix-Kriege, auch getrieben von Lizenzwahnsinn. Andrew Tanenbaum etwa hat Minix entwickelt, weil für die Lehre an der Freien Universität Amsterdam Lizenzkosten von 1.500 Dollar pro Arbeitsplatz zu viel waren.

Frage: Was ist für den Erfolg der vielen Unix-artigen Systeme verantwortlich?

Salus: Portabilität und Verständlichkeit sind da die Hauptursachen. Es ist leicht zu programmieren, es ist offen und es kann mit wenig Aufwand sowohl für kleine Systeme wie Smartphones als auch etwas Riesiges wie Googles Rechenzentren umgesetzt werden.

Frage: Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft: Auch Unix hat seine Weltuntergangspropheten, die Unix-Apokalypse kommt am 19. Januar 2038. Was ist da die Gefahr - und wie real ist sie?

Salus: In jedem Unix-System steckt eine binäre Uhr, die ab 1. Januar 1970 zählt. Deren 32-bit-Darstellung wird dann erschöpft sein. Es gab schon 2001 ein kritisches Unix-Datum, weil die dezimale Zeitdarstellung von neun auf zehn Stellen sprang und da ist fast nichts passiert. Wer denkt, dass wir uns in 20 Jahren noch auf diese alte Uhr verlassen werden, ist außerdem etwas leichtgläubig.(pte)

 

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Harbachoed K.
00
6.12.2009, 20:25
behauptung: „und stellt ihre Betriebssysteme in mehreren Versionen für die verschiedenen Anwendertypen her. Vom interessierten Anfänger bis zum Guru (Home Ed. - Ultimate Ed.).“

gegenrede Auf dem Gletscher liegt Schnee 30.11.2009 12:41: „Ist das wirklich so?
Ich glaube vielmehr, die große Anzahl von Ausgaben erfordern alle so ziemlich das gleiche Fachwissen, nur die Fähigkeiten sind bei den kleinen teilweise ausgebremst.“
bekräftigung: Jerry Garcia 06.12.2009 20:03
„Es schadet nicht, wenn auch andere wissen,
dass die Leistungen z.B. bei der Home-Edition nur gesperrt sind.“


Jens Kampe
00
30.11.2009, 15:48
Nur mal so bezüglich dieser Samba-Diskussion

Vorweg: Ich bin ein Laie, also von daher bitte keine unnötige Klugscheißerei. Danke.

Aber dieses Sambagedönske, wie es "Erzherzog Johann" wünscht, ist doch vom Prinzip gleich einzurichten, wie eine ftp Verbindung für die eigene Homepage, oder? Also Letzteres nutze ich, und da musste man ja nur einmalig die Zugangsdaten im Nautilus eingeben und schon kann man es über die Lesezeichen mit nem Klick aufrufen. In meinem Falle sogar ohne jedesmal das Passwort einzugeben. :-)
Und davon ab ging es doch darum, dass so eine Verbindung automatisch nach dem Hochfahren gestartet wird. Sowas klappt bei mir (auch mit der Bluetooth-Verbindung meines Handys) indem ich unter Startprogramme-->Optionen den dortigen Haken setze. Also eigentlich ganz einfach.

Auf dem Gletscher liegt Schnee
01
30.11.2009, 12:41
MS „... stellt ihre Betriebssysteme in mehreren Versionen für die verschiedenen Anwendertypen her.

Vom interessierten Anfänger bis zum Guru (Home Ed. - Ultimate Ed.).“

Ist das wirklich so? Oder sind nicht vielmehr die Leistungen (unnötig) ausgebremst und zur Unübersichtlichkeit aufgesplittert?

Jerry Garcia
 
00
5.12.2009, 19:57
Die "fehlenden" Leistungen sind schon oft gehackt und aktiviert worden.

Jerry Garcia
 
00
6.12.2009, 20:03
Es schadet nicht, wenn auch andere wissen,

dass die Leistungen z.B. bei der Home-Edition nur gesperrt sind.

auf dem Gletscher liegt Schnee
00
5.12.2009, 22:24

oh mein gott wie bin ich uninformiert ...
cu!

Jerry Garcia
 
00
6.12.2009, 20:06
Es schadet nicht, wenn auch andere außer Ihnen wissen, dass die Leistungen z.B. bei der Home-Edition nur gesperrt sind.

Meine Wenigkeit mit viel Senf
02
30.11.2009, 07:59
Unix-Uhr

Die Unix-Uhr ist in Wirklichkeit ein signed integer, daher reicht sie auch von 1904 (- 2 Milliarden Sekunden) über 1970 (null Sekunden) bis 2038 (+2 Millarden Sekunden). Man braucht sie also nur von signed auf unsigned Integer umzustellen (Wer braucht 2038 schon Daten von vor 1970 im Kernel? - Es geht ja nicht um Anwendungen.) und schon reicht sie bis 2106. Das sollte vorläufig reichen...

Herzerzog Johann
00
29.11.2009, 19:04

"In Wirklichkeit nutzt heute jeder Linux"
Ohne es zu bemerken. Und genau so soll es bleiben ...

GevatterTod
00
1.12.2009, 23:00
an den Investititonen die M$ in Linux FUD taetigt

kann man ablesen, wie uninteressiert M$ an Linux ist.

( Ich haett gern die Kohle die Billy und Steve an Werbekampagnen gegen Linux ausgegeben haben - da braeucht ich keinen Lottojackpot mehr )

M. P.1
00
29.11.2009, 21:57

Genau so WIRD es bleiben.

Chanandelar Bong
91
29.11.2009, 14:22
Solange

es keine vernünftigen Linux Software Alternativen zu MediaMonkey, TV-Karten, Ulead Media Studio, Adobe Audition, SyncBack usw. gibt, bin ich leider gezwungen, auf Windows zu bleiben. Solange das mounten einer Netzwerk-Festplatte nur über command-line und editieren von irgendwelchen config-Dateien funktioniert, bin ich gezwungen, bei Windows zu bleiben.
Seit 7.10 habe ich einen Rechner mit Ubuntu parallel laufen und ich würde mir nichts sehnlicher wünschen, als die Windows-Rechner zu entsorgen, aber........

Jerry Garcia
 
00
5.12.2009, 20:02
Der Mann lügt.

Bei Ubuntu (anderswo auch) werden die Festplatten automatisch eingehängt. Auch Wechselplatten.
Schon lange. Und sicher auch bei Ubuntu 7.10!

entity13
11
30.11.2009, 08:18

Vielleicht sollten sie's mal mit einer aktuellen Distribution versuchen .. da hat sich in den letzten zwei Jahren doch einiges getan.

Chanandelar Bong
21
30.11.2009, 09:05
"Seit 7.10"....!!!

... aktuell Ubuntustudio 9.10. Neuer gehts nicht. Also weiter warten. Ich bin ja geduldig.

Dust von Dust
00
30.11.2009, 14:24
profi software für den profi!

http://www.linuxmovies.org/
Linux is the most popular operating system for big budget feature film animation and visual effects, with more than 95% of the servers and desktops at large animation and visual effects companies. People outside the film industry, and even inside the industry sometimes, don't realize that Linux is so big at large studios. Linux is the norm in Hollywood and considered the state-of-the-art. In this upside-down world where Windows and Mac are minority operating systems, Linux evangelists would be hard-pressed to find anyone left to convert. The free operating system built by the people for the people has been embraced foremost by film studios.

Hollywood prefers Linux because in the right hands it's better, faster

ScrewItFix
 
00
30.11.2009, 08:54
Warum keine OSX Software auf Linux Systemen

Warum kann keine OSX Software auf Linux Systemen laufen. Eine große Zahl wichtiger Software gibt es ja auch für OSX (ADOBE) ?

Robert Dunkelwand
 
00
30.11.2009, 17:07

Weil OSX zu Linux so Binärkompatibel ist wie Windows zu UNIX?

Klar kann man Software portieren...macht Adobe aber nur mi den nötigsten.

aceFruchtsaft
06
29.11.2009, 14:54

Vielleicht mache ich ja was falsch, aber ich kann eine SMB-Netzwerkshare in Nautilus mit
smb://user@host/share
erreichen (werde nach der Domain und dem Passwort gefragt, die dann, falls gewünscht, für die Zukunft im gnome keyring abgelegt werden). Und das ohne auch nur irgendeine Konfigurationsdatei angepasst zu haben.

Oder vielleicht bist doch du es, der was falsch macht.

Chanandelar Bong
00
29.11.2009, 15:05
Möglich.

Dies ist die Dokumentation, die ich zu Rate gezogen habe
:
http://wiki.ubuntuusers.de/Heimnetzw... e-Vielfalt

oder

http://wiki.ubuntuusers.de/Heimnetzw... e-Vielfalt

Also so einfach ist das nicht für einen Laien.

Dust von Dust
03
29.11.2009, 15:24

von deinem link weiter unten auf der seite war der link
http://wiki.ubuntuusers.de/Samba_Client_GNOME

da ist alles wirklich sehr einfach beschrieben...

dieses süssliche "ich würde ja gerne und ich habe es ja probiert, aber wegen blablabla muss ich leider bei windows bleiben" ist das die neue pr masche von ms?

Chanandelar Bong
20
30.11.2009, 01:12
Halloo ?

Wieso soll ich mich tagelang mit irgendwelchen seitenweisen "Anleitungen" und Forumsdiskussionen herumschlagen für so einfache Dinge wie Netzlaufwerke permanent einbinden ?
Es würde von Größe zeugen, wenn man in der Linux-Community zugeben würde, dass vieles nicht so rosig ist, wie allgemein behauptet wird.

Danke an die beiden, die mir wenigstens bei diesem "Problem" weitergeholfen haben.
Zu den Software-Alternativen ganz oben in meinem ersten Posting hat niemand Stellung bezogen. Wo sind die gleichwertigen Linux-Alternativen ? Ich beschäftige mich als IT-Laie seit über 2 Jahren intensiv mit Ubuntu, zuletzt habe ich auf Ubuntustudio 9.10 upgegradet, aber nicht ein einziges meiner Softwareprobleme ist offensichtlich lösbar.

M1AU
07
30.11.2009, 09:42

Schon teilweise witzig zu lesen, wie doch die Linux-Community für die nicht Verfügbarkeit von proprietärer Software verantwortlich sein soll, liegt dies doch ausschließlich in den Händen besagter Software Hersteller.

Ich für meinen Teil nutze diese Software, welche mir unter einem freien System zur Verfügung steht, versuche mich damit zurecht zu finden und habe damit auch kein großes Problem.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, vielleicht bleiben Sie besser bei Ihrer gewohnten proprietären Umgebung, dort scheint ja alles bestens zu funktionieren. Also kein Grund für den Umstieg.

Chanandelar Bong
30
30.11.2009, 11:21
So sehe ich das mittlerweile auch.

Denn zum herumwurschteln und "irgendwie zurecht finden" fehlt mir einfach die Zeit und das Fachwissen. Deswegen ist wahrscheinlich auch M$ immer noch "Standard". Weil keiner der Konkurrenten über seinen Schatten springen und seine "Identität" opfern will. Würde Linux sich dahin weiterentwickeln, dass wirklich auch jemand mit Null Ahnung von IT damit arbeiten könnte, wäre wohl die Exklusivität von Linux dahin.
Leider hat M$ das wieder mal viel früher erkannt, und stellt ihre Betriebssysteme in mehreren Versionen für die verschiedenen Anwendertypen her. Vom interessierten Anfänger bis zum Guru (Home Ed. - Ultimate Ed.).
Will man eine weite Verbreitung anstreben, muss man sich dem Normalbenutzer annähern, bei Linux sehe ich das (noch) nicht.

3komma141592
05
30.11.2009, 11:25
„und stellt ihre Betriebssysteme in mehreren Versionen für die verschiedenen Anwendertypen her. Vom interessierten Anfänger bis zum Guru (Home Ed. - Ultimate Ed.).“

Ist das wirklich so?
Ich glaube vielmehr, die große Anzahl von Ausgaben erfordern alle so ziemlich das gleiche Fachwissen, nur die Fähigkeiten sind bei den kleinen teilweise ausgebremst.

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