Bahnverbindung wieder hergestellt - Mindestens 26 Menschen getötet, rund hundert Passagiere verletzt - Noch rund 20 Vermisste
Moskau - Bei einem blutigen Anschlag auf einen
Schnellzug im Nordwesten Russlands sind mindestens 26 Menschen
getötet und etwa 100 Passagiere verletzt worden. Am Unfallort
zwischen Moskau und St. Petersburg seien Splitter eines Sprengkörpers
sowie ein Bombentrichter entdeckt worden, sagte am Samstag der
Sprecher der Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin, nach Angaben der
Agentur Interfax. Knapp 20 Menschen werden noch vermisst. Zuvor waren
von verschiedenen Seiten Opferzahlen zwischen 27 und 39 Toten genannt
worden. Der Hintergrund des Attentats war zunächst unklar.
Nach Angaben des Inlandgeheimdienstes FSB hatte der selbst
gebaute Sprengkörper eine Wucht von sieben Kilogramm TNT. Während der
Bergungsarbeiten detonierte am Samstag am Unglücksort ein weiterer
Sprengsatz. Niemand sei verletzt worden, sagte Bahnchef Wladimir
Jakunin. Die vermutlich im Gleisbett versteckte Bombe sei nicht
vollständig explodiert. Die Bergungsarbeiten konnten fortgesetzt
werden und waren am Samstagabend weitgehend beendet. Kremlchef Dmitri
Medwedew forderte eine schnelle Bestrafung der Täter und versprach
den Angehörigen der Opfer unbürokratische Hilfe.
Russlands meistbefahrene Bahnverbindung ist in der Zwischenzeit wieder hergestellt. Die Strecke sei am Sonntagmorgen für den Passagierverkehr freigegeben worden, teilte die russische Staatsbahn auf ihrer Internetseite mit.
14 Waggons entgleist
Rund 350 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Moskau waren am
Freitagabend nach einer Explosion vier von 14 Waggons des "Newski
Express" von den Gleisen gerutscht. Einige der mehr als 650
Passagiere sagten, sie hätten zuvor einen Knall gehört. Das
Staatsfernsehen strahlte am Samstag den Notruf des Lokführers aus,
der darin von einer "Explosion unter dem Zug" sprach. Er hatte bei
einer Geschwindigkeit von etwa 200 Stundenkilometern noch eine
Notbremsung eingeleitet. Die Verbindung zwischen den beiden größten
Städten des Landes ist vielbefahren, die Züge sind oft voll besetzt.
Die Ermittler fanden vor Ort einen Bombentrichter von mehr als
einem Meter Tiefe. Zudem seien Spuren gefunden worden, die bei der
Suche nach den Hintermännern helfen könnten, sagte Innenminister
Raschid Nurgalijew. Die Behörden hätten ein Täterprofil entworfen und
würden auf die Unterstützung der Bevölkerung setzen. Die Ermittler
äußerten Zweifel, dass ein im Internet aufgetauchtes
Bekennerschreiben einer rechtsradikalen Gruppierung authentisch sei.
Eine Sprecherin der russischen Menschenrechtsorganisation Sowa nannte
es nicht abwegig, dass die Gruppierung hinter der Tat stecken könnte.
Kritik an Rettungseinsatz
Nach Mitteilung des Innenministeriums in Moskau waren in dem
Zug auch Ausländer. Reisende aus Belgien, Italien und Aserbaidschan
würden in einer Klinik behandelt, hieß es. Zahlreiche Verletzte äußerten scharfe Kritik
an den Rettungsarbeiten. Passagiere hätten teilweise mehr als eine
Stunde auf Ärzte warten müssen und seien kaum informiert worden.
Im August 2007 hatte es auf der selben Strecke einen Anschlag
mit 60 Verletzten gegeben. Damals waren Rebellen aus der Unruheregion
Nordkaukasus verantwortlich gemacht worden, allerdings wurde die Tat
nie vollständig aufgeklärt. (APA/AP)