KV-Verhandlungen

Handelsangestellte bekommen 1,5 Prozent mehr Gehalt

27. November 2009, 21:34

Zumindest 22 Euro im Monat - Ab Jänner 2009 - Gewerkschaft: Gerade noch vertretbares Ergebnis - Arbeitgeber: Fairer Abschluss

Wien - Nach der sechsten und letzten regulären Runde haben sich heute, Freitagabend, die Sozialpartner für die rund 520.000 Beschäftigten im Handel über die kollektivvertraglichen Mindestgehälter geeinigt. Ab 1. Jänner 2009 bekommen die Handelsangestellten demnach um 1,5 Prozent mehr Gehalt, jedoch mindestens 22 Euro pro Monat. In den unteren Einkommensbereichen bedeutet dies laut Gewerkschaft eine Erhöhung um 1,7 bis 1,8 Prozent.

Damit hat der Handel erstmals eine Lohnerhöhung erzielt, die etwas über den Metallern liegt. Wie berichtet haben sich die Metaller in besonders schwierigen Verhandlungen auf eine Erhöhung der Ist-Löhne um 1,45 Prozent und der Mindestlöhne um 1,50 Prozent geeinigt.

Zufriedene Verhandler

Beide Verhandlungsseiten zeigten sich nach der Einigung auf die kollektivvertraglichen Mindestgehälter für die Handelsangestellten zufrieden.

Manfred Wolf von der GPA-djp sprach von einem "gerade noch vertretbaren Ergebnis, das der Erwartungshaltung Rechnung trägt". Mit der Anhebung der Gehälter um mindestens 22 Euro pro Monat habe man etwas erreicht, was in anderen Bereichen nicht möglich gewesen sei. Damit sei besonderes den niedrigen Einkommensbereichen im Handel geholfen.

Auch Arbeitgeber-Verhandler Fritz Aichinger zeigte sich im zufrieden über das "faire Ergebnis". Die Verhandlungen seien schwierig gewesen und hätten lange gedauert, unter anderem deshalb, weil die Gewerkschaft lange gebraucht habe, die Realität anzuerkennen. Nicht nur die Inflation liege unter 1 Prozent, auch die Umsätze der Handelsunternehmen seien in den ersten zehn Monaten 2009 um 1,3 Prozent real im Minus gewesen, sagte Aichinger. Man habe aber das Ziel erreicht, den niedrigeren Gehaltsbeziehern stärker unter die Arme zu greifen.

Überschattet war die diesjährige Handels-KV-Runde von Protestaktionen auf der Wiener Mariahilfer Straße gestern, Donnerstag. Für den Fall, dass es es bei den heutigen Gesprächen zu keiner Einigung gekommen wäre, hat die Gewerkschaft mit weiteren Aktionen gedroht.

Vor drei Jahren haben sich die KV-Verhandlungen im Handel schon einmal bis zum Ende zugespitzt. Auch damals wurde erst in der Nacht auf den ersten Einkaufssamstag eine Einigung erzielt.

2008 wurde eine Erhöhung der Gehälter im Handel um 3,6 Prozent (ab 1.400 Euro brutto) bzw. 3,7 Prozent beschlossen - bei einer Teuerung von damals 3,2 Prozent.

Kritik vom Handelsverband

Kritik am Ergebnis der Kollektivvertragsverhandlungen im Handel, das eine Gehaltserhöhung um 1,5 Prozent, mindestens jedoch um 22 Euro monatlich vorsieht, übt der Handelsverband. Gewerkschaft und Wirtschaftskammer würden offenbar die Lage verkennen. Dieser Abschluss liege über dem mühsam mit staatlichen Stützungsprogrammen angekurbelten Wachstum der Wirtschaft von unter einem Prozent. Die Talsohle im Gefolge der Wirtschaftskrise sei für den Einzelhandel noch lange nicht durchschritten. Weitsicht und ein Auge für gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge sähen anders aus, meinte Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des Handelsverbandes in einer Aussendung.

Der Handelsverband wurde 1923 gegründet und ist eine freiwillige Interessenvertretung von mehr als 150 großen Handelsbetrieben in Österreich. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 68
1 2
El Chó
00
30.11.2009, 19:53
Damit hat der Handel erstmals eine Lohnerhöhung erzielt, die etwas über den Metallern liegt.

Von 1,45% meines Ist-Lohnes kann ich nur träumen...

Bei mir kommen heiße 0,4% raus.

Leser1010
 
00
29.11.2009, 13:34
...

die 1,5% machen die Unternehmen noch nicht arm und für manche Angestellte können 22 Euro, bzw. was davon übrig bleibt, bereits entscheidend sein.
Für die meisten (kleinen) Handelsbetriebe wirken sich Faktoren wie Zahlungsmoral, Kreditkonditionen und Energiekosten weit mehr aus, als die Kollektivvertragsabschlüsse. Das dürfte auch die Arbeitgeberseite erkannt haben und sich damit bei geringen Kosten in ein gutes Licht gerückt haben.
Und nicht grundlos werden die Sparten getrennt verhandelt, da es unterschiedliche Bedürfnisse (auf beiden Seiten) gibt. Pensionen belasten alle Österreicher, die Metallindustrie muss gegen Billiglohnländer konkurrenzfähig bleiben, etc.

adaschauher
21
28.11.2009, 18:15
wenns im handel +1,5% gibt, verdienen die beamten eine null-lohnrunde und nicht mehr...

PwnzOr
00
28.11.2009, 18:09
Hm

Gelten die 22 Euro auch für Geringfügig-Angestellte ???

Wo kann man sich da informieren?

Martin vom Dach
00
30.11.2009, 11:50
ja

22,- / 38,5 * h, die Sie arbeiten

Gottfried Freudenberger
00
30.11.2009, 11:41
das wär aber nicht gut für die,

weil die dann über die Geringfügigkeitsgrenze kommen, und weniger netto als vorher kriegen :-))


Okay, ernsthafte Antwort:
Die Geringfügigkeitsgrenze wird vom Gesetzgeber, nicht von den Sozialversicherungspartner definiert.

Der KV gilt selbstverständlich auch für geringfügig beschäftigte, aber wenn die eine Gehaltserhöhung kriegen würden, würden die ja über die Geringfügigkeitsgrenze rutschen.

Daher Lösung:
Wenn Sie "geringfügig" arbeiten, machen Sie grade so viele Stunden, dass Sie unter der Geringfügigkeitsgrenze bleiben.
Geringfügige im Handel machen also zukünftig um 1,5% (bzw. um 1,7% - wg. der 22,-) weniger Stunden, um weiterhin unter der Grenze zu bleibeln.

Rene Stangeler
02
28.11.2009, 14:36
Warum nicht für alle Arbeitnehmer

gleich hohe Lohnerhöhungen? Pensionisten nach zähen Verhandlungen 1,5%, Handelsangestelle ebenso, bei den Beamten wird auch ähnliches oder genau das herauskommen.

Was soll das jährliche Theater?

Besser noch einheitliche Beträge für Alle vereinbaren.
1,5 % bei 1500,- brutto ist netto so gut wie nichts im Monat, bei 5 Tausend/Monat schauts schon anders aus.
Bei prozentuellen Erhöhungne geht die Einkommensschere immer weiter auseinander.

Cloon
 
00
28.11.2009, 16:56
die Leute haben ganz andere Probleme..

kenn einige (pers.), die bekommen nicht mal daß, was sie lt. Kollektiv/Arbeitsvertrag/Angaben bei der Steuer bekommen müssten (zB auch Lohn auf die Hand usw.)

in Zeiten wie diesen wagt es auch (fast) niemand sich zu beschweren, ist man doch zu abhängig vom Job..bin gespannt ob die die 22.-/Mon mehr bekommen..ich glaub nicht

umso weniger versteh ich die Raunzerei bei den Beamten, haben doch die zumind. nen "sicheren Job" wo man wenigstens nicht bei der Entlohnung "vera...t wird"

lg CLoon

Martin vom Dach
00
30.11.2009, 11:51
naja, wer schwarz arbeitet,

für den gelten gesetzliche oder kollektivvertragliche Regelungen nicht.

Aber wie soll das eine KV-Verhandlungsrunde ändern?

Der Österreicher
11
28.11.2009, 13:55

Das sind immerhin über 60 Euro mehr Gehalt in 2 Jahren. Dazu kommt ja noch die Steuerreform 2009. Entlastung ca. 35 Euro pro Monat. Also fast 100 Euro mehr Gehalt in 2 Jahren. Es gibts schlimmeres...

purzl
 
01
28.11.2009, 13:52
1,5% nur für Angestellte?.....

so kann man sich auch selbst betrügen,eine schande.

gilt diese absurde erhöhung auch für für die 10std. arbeitskräfte die im handel als arbeiter eingestuft werden?.aber nix anderes tun als angestellte.

die benachteiligung der arbeiter gegenüber angestellten bei gleicher arbeit ist absurd, sei es krankenstand _urlaub_kündigungsfrist.....

was ich nicht verstehe ist,man erlernt einen handwerksberuf wird als arbeiter geführt,was bitte ist ein angestellter?.

Martin vom Dach
00
30.11.2009, 11:52
naja, kein Grund zur Sorge!

Der Arbeiter-KV war in den letzten Jahren immer exakt gleich wie der angestellten KV (im Handel jetzt)

Murmel166
00
28.11.2009, 14:41
ArbeiterKV kommt in den nächsten Tagen...

Horstl Schorschl
00
28.11.2009, 13:40
Fairer Abschluss...

tragisch - komisch.

bdbrot
 
00
28.11.2009, 18:54

kommt halt immer drauf an für wen. :D

*Fuzzy Logic*
00
28.11.2009, 12:35

Na dann fassen wir mal zusammen:
Pensionen: 1,5%; untere Pensionen werden mit einer Einmalzahlung von 3x€ ruhiggestellt
Metaller: 1,45%
Handelsangestellte: 1,5%

Ich kann Blecha/Kohl und alle Pensionisten mit einer Pension jenseits der 1.500€ bis hier lachen hören.

Lethawae
00
28.11.2009, 08:08

"Gewerkschaft: Gerade noch vertretbares Ergebnis - Arbeitgeber: Fairer Abschluss"

Na, wer hier wohl wen so richtig gef... hat?

Peter_23
01
28.11.2009, 12:29
Dass gerade im Handel notorisch schlecht bezahlt wird

ist nichts Neues. Und das sich dieser Zustand durch diesen nur sehr geringen Abschluss auch nicht ändern wird, ist auch offensichtlich.

Dr Mabuse 1
04
28.11.2009, 07:32
Gemessen an der Inflationsrate

2008 im Schnitt 3.5 % und 2009 0.5 % sind die 1.5 % Erhöhung ein realer Gehaltsverlust was uns die Politiker wiederum als ERFOLG verklickern möchten.
Es wir Zeit zum auswandern - werde mich nicht versklaven lassen.

Sam Berger
00
28.11.2009, 12:18
Irrtum

die Gehaltsabschlüsse orientieren sich an der erwarteten Inflation des kommenden Jahres und die liegt unter 1,5%.

Andreas Prucha
11
28.11.2009, 10:02

Nur mal so aus Interesse: Welches Land würdest Du denn bevorzugen?

Dr Mabuse 1
01
28.11.2009, 10:23

philippinen z.b. wo man um 2 Euro pro m2 strandgrundstück bekommt- hast keine heizkosten ,wennst hunger hast gehst um 2 euro essen basta - oder fangst dir einen fisch :-)

Der Österreicher
01
28.11.2009, 11:08

Viel Spass!

Waldorf
 
00
28.11.2009, 11:08

Und wie ist so das Durchschnittseinkommen im Dorf daneben?

Dr Mabuse 1
00
28.11.2009, 11:25

100 euro warum ?

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