STANDARD-Interview

"Ich wollte kein Rockstar sein"

27. November 2009 19:03

Snowboarder Stefan Gimpl, im "Big Air" heuer noch unge­schlagen, über Schulterklopfer, Rebellion, das intensive Leben und den Air & Style

Standard: Haben sich die Schulterklopfer nach den jüngsten Erfolgen im Fis-Weltcup wieder vermehrt?

Gimpl: Was mir am meisten taugt, ist der ehrliche Respekt, den mir die anderen, oft viel jüngeren Snowboardkollegen bei den Events entgegenbringen. Das hat auch mit meinen Leistungen zu tun, die ich noch immer zeige. Lustigerweise hat mich diese Woche die österreichische Bundesregierung zu einem Festakt zum ersten Jahr ihres Bestehens am 2. Dezember in die Hofburg eingeladen. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, warum und von wem, aber es klingt interessant. Wenn's sich vom Snowboarden ausgeht, werde ich dabei sein. Die Einladung gilt aber leider nur für eine Person, ich hoffe, das wird dann nicht zu langweilig.

Standard: Sind Sie zurzeit der beste Snowboarder der Welt?

Gimpl: Nein. Bei den vergangenen Contests ist es eben einfach gut gegangen. Da hat es zwar Leute gegeben, die schwierigere Tricks als ich gezeigt haben. Nur in der Summe bin ich besser gewesen, weil eben zwei Sprünge zählen, und die anderen Snowboarder, als es darauf angekommen ist, zu viel riskiert haben und den Sprung nicht gestanden sind. Mein Vorteil neben meiner Konstanz ist, dass ich höher springen kann als andere. Ich weiß nicht, warum das so ist, aber ich kann's halt.

Standard: Neben dem Weltskiverband Fis richtet auch die unabhängige Non-Profit-Organisation TTR Snowboard-Veranstaltungen wie den "Air & Style" in Innsbruck aus. Welche Snowboard-Tour vertritt den Sport am besten? Wo springen die besten Rider mit?

Gimpl: Im Snowboardsport relativiert sich die Vergleichbarkeit ziemlich schnell, weil in beiden Veranstaltungen Sprünge und Tricks bewertet werden. Das ist immer eine persönliche Sache. Dem einen Judge gefällt das besser, dem anderen das. So ernst kann man das Ganze nicht sehen.

Standard: Sie nehmen das Ganze also nicht ernst?

Gimpl: Snowboarden ist für mich der geilste Sport, den es gibt. Natürlich nehme ich Snowboarden ernst. Aber wie das jetzt bewertet wird? Manche sehen es so, manche eben so. Ich fahre ja nicht Snowboard der Bewertung wegen.

Standard: Trotzdem sollen die Bewerbe der TTR anspruchsvoller und viel cooler sein als die durchorganisierten Events der Fis.

Gimpl: Die Leute, die das behaupten, kennen sich nicht wirklich aus. Die TTR macht auch Slope-style Contests, also ganze Parcours mit unterschiedlichen Hindernissen und Sprüngen, bei der Fis gibt es eben nur die Big Airs. Aber es sind beides Verbände, wo es Regularien einzuhalten gilt.

Standard: Apropos Regularien. Einst sorgte der Snowboardsport mit Skandalen für Aufsehen. Bei Olympia 1998 in Nagano wurde Olympiasieger Ross Rebagliati Marihuana im Blut nachgewiesen. Ist das Rebellische verschwunden?

Gimpl: Ich finde schon. Mittlerweile ist es Zeit geworden, dass Snowboarden erwachsen wird. Es war mal cool, es war mal was anderes. Die Skandale hat es gegeben, aber jetzt setzt man sich eben sportlich durch. Dadurch, dass wir uns öfter in gefährliche Situationen begeben und etwas riskieren bei den Sprüngen, lebt man halt etwas intensiver. Das spiegelt sich natürlich in anderen Lebenslagen wider. Mir persönlich ist es immer nur ums Snowboarden gegangen, ich wollte kein Rockstar sein.

Standard: Der Air & Style am 5. Dezember in Innsbruck gilt als massentaugliche Mischung aus Sport und Show. Wieso sind Sie als dreifacher Sieger nicht dabei?

Gimpl: Keiner hat damit gerechnet, dass ich in dieser Saison drei Big Air Contests in Folge gewinne. Ich nicht und auch der Air & Style-Veranstalter nicht. Die wollten eher die amerikanischen Stars dabei haben. Vom Können her hätte ich sicher mitfahren können.

Standard: Wie ist es um die Zukunft des Snowboardsports bestellt? Händler beklagen stag-nierende Verkaufszahlen, die Konkurrenz hat mit Carving- und Free Ski ordentlich nachgelegt.

Gimpl: Alpinsnowboarden zum Beispiel existiert im Breitensport quasi nicht mehr. Es wird sich immer um Freestyle und Freeride drehen. Da werden auch die Sachen verkauft. Ich bin kein Geschäftsmann, mich würde es nur stören, wenn der Sport zugrunde gehen würde. Aber das wird er nicht. Die Wirtschaftssituation merke ich insofern, dass auch Snowboard-Sponsoren beim Budget sparen, was sich in weniger gut dotierten Verträgen niederschlägt.

Standard: Sie haben eine HTL mit Schwerpunkt Tiefbau besucht. Inwiefern wird Ihnen das im Leben nach dem Sport nützen?

Gimpl: Das einzige Mal, wo ich meine Ausbildung bis jetzt gebraucht habe, war im vergangenen Jahr, als wir bei mir daheim in Leogang eine Schanze in die Erde gebaut haben, damit wir nicht so viel Schnee brauchen. Da war Grundbau dabei, das haben wir in der Schule gelernt. Aber was ich nach meiner Karriere machen werde? Ehrlich gesagt, ich hab keine Ahnung.

Standard: Mit Verlaub, können Sie sich vorstellen, als 40-Jähriger über die Schanzen zu jagen?

Gimpl: Ich bin davon überzeugt, dass das möglich ist. Der Amerikaner Todd Richards, immerhin 39, springt auch noch. Außerdem habe ich mit meinem Bruder Martin eine Abmachung, dass wir mit 55 Jahren einen 720er samt Rückwärtssalto machen. Das trauen wir uns zu. Ich hoffe nicht, dass mich irgendwann das Alter einholt, und ich feststellen muss, dass das sehr hochgegriffen war. (David Krutzler, DER STANDARD Printausgabe 28.11.2009)

ZUR PERSON:

Der Leoganger Stefan Gimpl (30) gilt seit Jahren als einer der weltweit besten Freestyle-Snowboarder. Er entschied von 1999 bis 2001 dreimal in Folge den Air & Style Contest für sich. Seit 2005 startet der Salzburger für den ÖSV bei Big-Air-Bewerben. Seine Bilanz: neun Weltcupsiege, dreimal Gesamtweltcup ('06, '08, '09).

Die Skandale hat es gegeben, aber jetzt setzt man sich eben sportlich durch.

Kommentar posten
24 Postings
usual suspect
22.12.2009 16:13
buuh

Snowboarders against fis control! :-)

Joe Z.
19.12.2009 03:32

hat gimpl diese 3 big airs wieder mit seinem fakie 900 backside grab gewonnen? also ihm 3 air&style siege als erfolg anzuhängen grenzt an idiotie. jedes jahr den gleichen trick hat einfach einen faden beigeschmack. Ja ich fahre snowboard und ja ich habe extra zahlen müssen um mit dem schlepplift fahren zu dürfen...

Lika3
01.12.2009 01:30

@fat duck: du meinst wirklich er ist überbezahlt? hast du eigentlich irgendeine ahnung von dem business? wenn du nähmlich welche hättest, würdest du wissen, das kein einziger österreichischer snowboarden überbezahlt ist. und noch etwas: die besten snowboarder österreichs ( fis debatte hin oder her ) ziehen vor gimpl den hut. das muss ihn erst einmal jemanden nachmachen. das schafft so schnell keiner. schade, dass einige leute immer viel reden, obwohl sie keine ahnung vom business haben, das zerstört den snowboardsport total. informier dich ein bisschen, dann kennst dich sicher bald besser aus, aber solche sachen zu sagen, finde ich überhaupt nicht in ordnung. wenn du es ihm nachmachen kannst, dann kannst so große töne von dir geben!!!

Lika3
01.12.2009 01:24

ff

so go
30.11.2009 16:16
ÄSTHETIKER 4 LIFE !!!

hau rein alta!

Der Tod als Ziel
29.11.2009 12:43
Irgendwie total angepasst........

ist doch eher enttäuschend, die Gimpl Aussagen haben so rein gar nichts Subversives.

Mir ist schon klar, dass man als Sportprofi keinen Spielraum für Eskapaden hat, dennoch hätte ich mir etwas (kritische!)Substanz in diesem Interview gewünscht.

Nach dem Lesen dieser Aussagen bleibt ein bitterer Geschmack, so beliebig und kritiklos habe ich mir SG einfach nicht erwartet, am Ende liest er noch die Krone und hört Ö3, würde mich nicht wundern.......

salt&pepper
14.01.2010 02:27
finde ich z.B. überhaupt nicht

er kommt angenehm relaxed rüber, um es mal ganz cool zu sagen. mann mann mann, bei manchen kommentaren könnte man echt meinen der neid frisst die empathie. er scheint spass am 'leben' zu haben, was man einigen postern nun wirklich nicht anmerkt.

bewusstsein
29.11.2009 22:57

und wenn? er ist ein freier mensch!

fat duck
29.11.2009 12:01

"Mir persönlich ist es immer nur ums Snowboarden gegangen, ich wollte kein Rockstar sein. "

du bist auch kein rockstar sondern ein vollkommen überschätztes und -bezahltes tschapperl das mit einem brettl unter den füssen durch den schnee rutscht.

werwolfi
10.12.2009 17:49

na, schon länger nicht mehr vom boden weggekommen, "fat duck"? ;oP

ganz im ernst, ich selbst bin zwar ein sehr guter skifahrer, aber nur ein mittelmäßiger snowboarder (gerade die paar jahr älter als herr Gimpl, dass ich noch fast ausschließlich mit 2 brettln sozialisiert wurde und nicht schon von kindesbeinen an am board stand), aber ich kann gerade genug, um die athletik und koordination dieser "tschapperln" beurteilen und bewundern zu können.

was kannst du denn so, dass du dir so ein urteil anmaßt, hm?
oder doch nur neidisch? ;oP

ad "überbezahlt": da fallen mir auf anhieb ein paar branchen ein, wo wenig begabte leute für wesentlich weniger risiko, arbeitseinsatz und talent ein vielfaches einstreifen.

maCCam
30.11.2009 07:59

Nein, tatsächlich ist er kein Rockstar - gut erkannt.

Schon mal probiert einen bs 900 über einen >20er Table zu machen?

Hustler
29.11.2009 01:01
Am Stubaier wars heit schön sonnig!

*Fuzzy Logic*
28.11.2009 20:43
Ich warte noch immer auf den ersten BS-Sprung von ihm bei einem Contest ^^

Dr.Shirota
30.11.2009 00:44

Vienna soul city:1999+2000

bs720 inverted indy

nachtschatten
28.11.2009 17:26
auch wenn gimpl anderer meinung ist, fis ist trotzdem beschissen

ich sehe und höre lieber gar nichts vom snowboarden, als fis-veranstaltungen im fernsehen sehen zu müssen.
es reicht bereits, dass diese organisation andere sportarten vollends korrumpiert hat. nicht umsonst blockierten wahre snowboardlegenden wie terje hakonsen die erste olympia.

marihuana ist einfach keine leistungsfördernde drogen, ihr konsum hat daher nichts mit dem sport zu tun.

so go
30.11.2009 16:27

@FIS vs. TTR
Grundsätzlich wäre es mMn besser, wenn derartige Veranstalungen einen Dachverband hätten, der nicht auf Sponsorengelder angewiesen ist. Wenn die FIS so "cool" wäre wie die TTR wär das ok für mich... ausserdem freue ich mich schon auf den big-air-olympia event.

@doping
leistungssteigernd oder nicht, cannabinoide sind in allen sportarten verboten!

Herr Meierl
28.11.2009 13:12
...die "durchorganisierte FIS"...

...ein Lieblingsterm dieses Autors... ;)
TTR is ein Sauhaufen, oder?

Herr Tee
29.11.2009 21:48

Recht haben Sie, die TTR ist nichts als ein zugedröhnter Sauhaufen;
die FIS im Gegensatz ein aufgeputztes und frisch lackierts Hutschpferti.

Mal im Ernst, ich denke die FIS hat den alibi Bewerb "Big Air" nur eingeführt um selbstorganisiertes Snowboarden (TTR) zu schwächen und Ihnen Werbeverträge weiter abzuluchsen.
Siehe Olympia und vorangegangene Ereignisse zwischen FIS und ISF!

ernst thaelmann1
27.11.2009 22:51
vielleicht nicht rockstar, aber:

http://www.youtube.com/watch?v=cIKpYHnU7qc

Langstätter Toni
28.11.2009 01:44

das is besser waere lieber rockstar :)

http://www.youtube.com/watch?v=n8OSWe82rsk

ordo ab chao
28.11.2009 14:46
Pardautz
27.11.2009 21:37
bist eh ned, stefan,

bist eh ned.

re123
28.11.2009 11:50

bist eh ned nei dig im i'net.

Herr Tee
27.11.2009 20:56

Immer muss ich lachen wenn ich Ihn (oder seinen quasi Zwillingsbruder) so nahe vor Augen hab, ob persönlich oder auf Bildern.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.