Neue EU-Kommission fix

"Ein Mix aus Erfahrung und Neuem"

27. November 2009, 18:06

Neun von 27 Kommissaren sind Frauen - Christdemokraten stellen 13 - Sozialdemokraten sechs - Liberale acht Kommissare

Große und kleine Staaten sind geschickt ausbalanciert.

****

Ich will, dass diese Kommission Europa in den nächsten fünf Jahren aus der Krise herausführt, hin zu einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft, die ein nachhaltiges Wachstum garantiert". Mit diesem Leitmotiv hat Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Freitag in Brüssel sein neues Team vorgestellt. Es besteht neben ihm selbst, EU-Außenministerin und Vizepräsidentin Catherine Baroness Ashton noch aus weiteren 25 Kommissaren. Inhaltlich gehe es auch darum, in der Union eine „grüne, soziale Marktwirtschaft zu etablieren", Innovation in den Vordergrund zu rücken.

Seine Truppe sei eine „gute Mischung", ein „perfektes Team aus Erfahrung und Neuem", beschrieb der Präsident seine Kollegen. Tatsächlich ist knapp die Hälfte bereits zum zweiten Mal dabei. Barroso zeigte sich bei einer Pressekonferenz vor seiner Abreise nach China überzeugt davon, dass diese Kommission nach den Anhörungen vor dem Europäischen Parlament im Jänner auch die Abstimmung klar überstehen werde. Fragen ob er angesichts der kommunistischen Vergangenheit zweier Kommissare nicht Probleme erwarte, verneinte er. Er habe mit allen Kandidaten gesprochen und geklärt, ob es irgendein Problem gäbe, das dem neuen Amt widerstrebe. Dies sei nicht der Fall.

Hatte Barroso in seiner ersten Amtszeit seit 2004 die Zuständigkeiten für die schwergewichtigen Ressorts - wie Wettbewerb, Wirtschaft/Währung oder Binnenmarkt - noch ganz auf die kleinen Länder verteilt, so entschied er sich diesmal für einen Mix (siehe Grafik nebenan). Auch dabei scheint er vor allem Rücksicht auf Ausgleich, auf Balance und möglichst große Unterstützung seitens der Regierungen, der Parteifamilien und der EU-Abgeordneten zu setzen - praktisch alle wichtigen Interessensgruppen finden sich wieder.

So ist es Barroso in der letzten Woche noch gelungen, insgesamt neun Frauen ins Team zubringen, nachdem es zwischenzeitlich so ausgesehen hatte, dass es nur vier oder fünf werden.

Und auch parteipolitisch hat er nachgelegt. Die Christdemokraten, die die EU-Wahlen im Juni deutlich gewonnen hatten, stellen knapp die Hälfte der Kommissionsmitglieder. Die Sozialdemokraten bekamen zwar nur sechs Sitze, besetzen aber mit Ashton eine der wichtigsten Positionen in Brüssel.

Mit einer kleinen Überraschung endete die Ressortverteilung für Österreich: Wissenschaftsminister Johannes Hahn bekam im letzten Moment nicht - wie breit kolportiert Umwelt oder Forschung - sondern die Regionalpolitik zugesprochen, ein relativ gewichtiges, budgetschweres Ressort, in dem die gesamte Struktur- und Regionalförderung in den ärmeren Regionen der Union zu verteilen ist (siehe Bericht auf Seite 3). Im Barroso-Team gibt es einige Überraschungen. Dazu gehört das Energiedossier für den Deutschen Günther Oettinger, der lange um Industrie kämpfte. Der Rumäne Ciolos wird Agrarkommissar, laut Barroso „die kompetenteste Person, die sich angeboten hat".

Frankreich hat sich durchgesetzt, indem Michel Barnier nicht nur für den Binnenmarkt, sondern auch für Dienstleistungen, also auch die Banken der Londoner City, zuständig sein wird. London hatte dagegen große Bedenken.

Und eine der größten Stützen für Barroso wird der Finne Olli Rehn als Wirtschafts- und Währungskommissar sein. (Thomas Mayer, DER STANDARD, Printausgabe, 28./29.11.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 56
1 2
babamen
00
29.11.2009, 00:54
humm

Ich bin ziemlich sicher: Wenn der Kommissionspräsident Österreicher wäre, würdet ihr nicht so reden...

Naja wir haben noch kein Wir-Gefühl
Und genau deshalb werden die Personen für die "spitzen Jobs" nicht vom Volk gewählt, denn die kleinen länder hätten keine Chance. Alle würden einen Präsidenten von seinem Land wollen. Die Deutschen würden gewinnen.
Ich glaube das Problem kann nur mit einem System wie in den USA. Föderalismus. -

John Malkovich
00
2.12.2009, 10:40

Barroso ist mir einfach ein bisschen zu unsympathisch. Prodi hat mir in dieser Rolle damals viel besser gefallen. Interessant fand ich auch die Aussage heimischer Politiker wie etwa der ÖVP, dass die mögliche Benennung von Gusenbauer zum EU Außenminister quasi eine Frage in nationalem Interesse sei, über der Parteipolitik stünde und dass Gusenbauer ein ausgezeichneter bla bla ...
Tja, also es liegt bereits an der politischen Kaste mal über den eigenen Tellerrand zu blicken. Es ist schlimm genug ständig mitanzusehen wie wichtig den nationalen Regierungen der Anspruch auf einen eigenen EU Kommissar ist ... als ob dieser dann Politik für das eigene Volk zu machen hätte. Da gilt es wirklich noch ein langer Weg zu beschreiten.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
28.11.2009, 23:18
auch ich

will einen schönen eu-posten sonst muss ich weiter-
posten...

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
28.11.2009, 22:51
21:6

steht's - 21 geldhörige gegen 6 sozis. wir müssen uns aus dieser krise hinausführen.

derpradler
44
28.11.2009, 18:30
ja toll!

Einer, der Kaiser oder Mafiaboss bestimmt wer Kommissar wird. Europa jubelt über so viel Demokratie! Dümmer geht es wirklich nicht mehr!

diamant
21
28.11.2009, 20:53
Sie wissen ja wovon sie sprechen ;-)

owl
00
28.11.2009, 15:30
und wann kommt die türkei

in die eu jetzt?

Sissi Bussi
00
28.11.2009, 15:05
danke

an den lieben vertrag von lissabon!

sokra
02
28.11.2009, 19:50

und was hat das damit zu tun?

ursus carpaticus
21
28.11.2009, 14:48
Neun von 27 Kommissaren sind Frauen

Quotenfrauen? Die aufgrund ihres Geschlechts und nicht aufgrund ihrer Qualifikation bestellt werden.

giseun
00
28.11.2009, 18:07
so wie quotenschwaben?

nein, ich glaube, dass die Frauen in der Kommission eher an Kompetenz ausgewählt wurden, als der männliche deutsche Kommissar Oettinger.
Und an diesem Beispiel zeigt sich, dass Barroso mehr Sinn von Kompetenz hat, als die deutsche Kanzlerin Merkel. Für sie ist die Kommission nur Abschütthalde für ausgediente Politiker - von Barroso werden sie dementsprechend eingesetzt.
Naja, mit der Ausnahme von Hahn...

ein Versprechen fürs Leben
10
28.11.2009, 12:40
Blaues Blut

Auf dem Umweg der EU werden wir wieder von Adeligen regiert. Schau schau.

xy
02
28.11.2009, 15:20

wenn das auf catherine asthon anspielen soll... schonmal ein bischen schlau gemacht was für eine adelige sie ist? bürgerlich geboren ist sie 1999 wegen ihrem engagement im bereich soziales von der queen geadelt worden. sie ist "nur" life peer - also unvererblicher hochadel, keinesfalls das was man klassisch als "blaublütig" bezeichnen würde.

Heimwerkerkönig
 
05
28.11.2009, 12:28
Ein Mix aus...

... Proporz, Quoten-Weibern, A...kriecherei bei den großen Mitgliedsstaate und dem Bedienen der Interessen großer Lobbyverbände.

Ende der Durchsage.

Karl Menzinger
01
28.11.2009, 17:44

besser auf bohrmaschinen konzentrieren

darkwing
48
28.11.2009, 10:03
Hätte da auch ein paar Titel:

Ein Mix aus Inkompetenz und Geldgier
Ein Mix aus Dummheit und Selbstbeweihräucherung
Ein Mix aus Arroganz und Unfähigkeit
Ein Mix aus Präpotenz und Verlogenheit
Ein Mix aus Den-Konzernen-das-Ausbeuten-erleichtern und Das-Volk-so-klein-wie-möglich-halten

beliebig erweiterbar, wie die ganze grauslige EU

Hermine Berg
 
01
28.11.2009, 10:01
wow

welch ein grossartiger mix! 'seine' truppe - alleine die souveraene art, wie er 'seine' truppe zusammengestellt hat. bewunderung. gratulation an alle 27 zu den fetten, gut bezahlten jobs. und uns untertanen zu so einem tollen mix.

Dr.Nötigenfalls
04
28.11.2009, 09:38
Wer wundert sich über Politikverdrossenheit?

"meine Truppe" "eine perfekte Mischung" - geht´s noch?
Dagegen wirken ja KHG und der Baron Münchhausen wie knochentrockene Realisten.

In jedem einzelnen Mitgliedsland durchforsten die systemerhaltenden Partein ihre Reihen nach Leuten, für die sie keine Verwendung mehr haben. Aus der Auflistung der Nutzlosen wird dann mit etwaigen Koalitionspartner beinhart geschachert, sodass wirklich der farbloseste von allen, der bestimmt niemanden weh tun kann übrigbleibt und der - z. B. Johannes "CERN" Hahn - wird dann nach Brüssel entsandt.
Barroso hat dann die undakbare Aufgabe, diesen seelen- und ideenlosen Stümpern jenes Resort zuzuteilen, in dem sie am wenigsten Schaden anrichten können.
eben "ein perfekter Mix" "meine Truppe"!

Christoph ************
01
28.11.2009, 12:25

Kroes wurde von den "systemerhaltenden" Parteien (der sie nicht einmal angehört) nach Brüssel verbannt? Gehts noch?

ein Versprechen fürs Leben
10
28.11.2009, 12:48

Kritisches Hinterfragen scheint ja nicht Ihres zu sein.

Christoph ************
00
28.11.2009, 19:03

War das ein Sachargument? Wohl kaum - eine ziemlich schwache Antwort.

Silvio Lackner
00
28.11.2009, 08:09
letzklassige show

*schüttel*

Wolfgang Keim
32
28.11.2009, 03:45
der dunkle Schatten!

ein neues dunkles Reich, ein Kaiser und eine Kaiserin handeln in undurchsichtiger Weise mit ihren Kommisaren und haben sich zur Macht aufgeschwungen. Eine neue Aufstellung von weiteren hohen Behördenpfründen in fölliger Unkritik des Deutschen sei es des Neuen wie die dunkle Willkür der Gerichte und die Massenmishandlungen oder des Alten wie zum Beispiel die Medizin Dachaus und Auschwitzs. Das alles unter einem neuen Rahmen des facekeeping mit sauberem "geplechtem" Äußeren. Die neue dämonisch irrsinnige Bedrohung für das Überleben und die Freiheit ohne Bewältigung von Schwierigkeiten! Ein beängistgend glattes Hinübergleiten in diesen Reichszustand ohne Kritik da zu unansehlich fürs outfit.

ein Versprechen fürs Leben
00
28.11.2009, 12:49

Genial.

diamant
00
28.11.2009, 20:55
daneben.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 56
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.