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Die Gesellschaft wird zunehmend älter, das werden sich auch Unternehmen zu Herzen nehmen müssen
Die Nachfrage nach älteren Arbeitskräften wird steigen, so Helmut Ivansits, Leiter der Abteilung Sozialversicherung und Gesundheitspolitik in der Wiener Arbeiterkammer. Das impliziere, dass Unternehmen künftig selbst Interesse an betrieblicher Weiterbildung und Gesundheitspolitik haben werden. Derzeit versuchen Firmen aber noch überwiegend, ihre Belegschaften zu verjüngen - solange es halbwegs ausreichend Angebot an jüngeren Arbeitskräften gibt, ist altersgerechtes Arbeiten noch von der Wirklichkeit entfernt.
Das faktische Pensionsantrittsalter liegt in Österreich deutlich unter 60 Jahren - die Erwerbsquote Älterer massiv unter dem EU-Durchschnitt und unter der europäischen Soll-Übereinkunft.
Ein "Defizitmodell" des Alters, so die Übereinkunft in puncto Barrieren für altersgerechtes Arbeiten bei der Enquete zur Arbeitsfähigkeit (veranstaltet von AUVA, Pensionsversicherungsanstalt PVA und ÖPWZ ganztägig am vergangenen Donnerstag in Wien). Eindimensional werde auf die abnehmende körperliche Leistungsfähigkeit fokussiert, Ältere werden aus dem Erwerbsprozess gedrängt - oder komplementiert. Dies mit den ausreichend bekannten Folgen hin bis zu Gebarungsproblemen der Sozialversicherungen.
Durchschnittsalter steigt stetig
Die Krise, sagte Irene Kloimüller, in der AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt) Projektleiterin zum Thema Erhalt der Arbeitsfähigkeit, treffe bezüglich der Beschäftigungsquoten hart: Sie treffe ja eine Erwerbsgesellschaft, deren Durchschnittsalter stetig ansteige. Schon jetzt sei jeder Zweite im Erwerbsleben 40. Zum Erhalt der Produktivität würde die Leistungsfähigkeit der Jüngeren schon früher, jene der Älteren länger benötigt.
Aber derzeit würden zwei Generationen aus dem Arbeitsprozess gedrängt: die Jüngeren mittels verminderter Einstiegschancen und Freisetzungen, die Älteren mittels frühzeitiger Pensionierung und diskriminierender Bilder. Unternehmen beraubten sich solcherart um die Ressourcen für einen Aufschwung. Wer soll ihn tragen?, fragt Kloimüller und warnt: "Was dieser Abgang an Menschenressourcen für die Zukunft bedeutet, kann heute noch gar nicht ermessen werden." Die äußere Krise könne so eine anhaltende innere für Organisationen werden.
45- bis 64-Jährige als größte arbeitende Gruppe
Martin Gleitsmann, Abteilungschef Sozialpolitik und Gesundheit in der Wirtschaftskammer (WKÖ), erinnert daran, dass ab dem Jahr 2020 die Gruppe der 45- bis 64-Jährigen zum ersten Mal den größten Anteil der Menschen im Erwerbsleben darstellen wird. Er wünscht sich von Personalverantwortlichen "positive Auseinandersetzung" mit dem Potenzial älterer Arbeitskräfte. Erfahrungswissen und dessen Nutzen, appelliert er, sei zentral für Europa im Wettbewerb mit Asien.
Es gehe um die Position des Gewinnens im demografischen Wandel. An Unterstützung in der betrieblichen Bewusstseinsschärfung mangle es jedenfalls nicht, so die Sozialpartner, Veranstalter und Referenten der Enquete.
Kloimüller wünscht sich diesbezüglich auch ein Nachdenken über den klassischen Produktivitätsbegriff: In der Ökonomie setzt dieser ja die Tätigkeit des Menschen zum Stückpreis des Produktes. Besser sei, soziale und anthropologische Komponenten mit einzubeziehen. "Produktiv im nichtökonomischen Sinn bedeutet etwas Sinnvolles tun, Werte erzeugen, die sozial und individuell nützlich sind."
Es sei belegt, dass, je höher die Abstimmung zwischen Können, Wollen und Dürfen sei, desto höher sei auch die Arbeitsbewältigung und damit die Produktivität.
Das Programm "Fit für die Zukunft - Arbeitsfähigkeit erhalten" unterstützt bis 2012 - finanziert von AUVA und PVA - 21 Pilotbetriebe in puncto nachhaltige Förderung der Arbeitsfähigkeit, berichtet Kloimüller. Ein Arbeitsbewältigungsindex wird implementiert, eine Toolbox mit Maßnahmen und Förderinstrumenten aufgebaut. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe, 28./29.11.2009)
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