Das war's dann wohl mit E-Voting

2. Dezember 2009, 12:29
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Als EU-Kommissar für Regionales investiert Hahn hoffentlich in Projekte, die zukunftsträchtiger als die elektronische Wahl sind

Die Kritiker des E-Voting sind im Frühling vor der ÖH-Wahl Sturm gelaufen. Doch Experten-Meinungen, Negativ-Erfahrungsberichte aus dem Ausland und Verfassungsrechtler, die der elektronischen Wahl nicht trauen konnten, hielten Noch-Wissenschaftsminister Johannes Hahn nicht davon ab, das Projekt durchzuziehen. Insgesamt hat es fast 900.000 Euro gekostet, die Studenten zeigten wenig Interesse - nur 2.161 der rund 230.000 wahlberechtigten Studenten haben elektronisch gewählt. Umgerechnet hat also jede E-Voting-Stimme rund 400 Euro gekostet.

Ein Teil der Wahl - nämlich die Wahl an der Uni Wien - muss nun wegen fehlerhafter E-Voting-Stimmzettel wiederholt werden. Hoffentlich nicht wieder elektronisch. Denn das würde wiederum enorme Kosten verursachen und noch immer könnte nicht sichergestellt werden, dass das Ergebnis dann auch gewertet werden kann.

Hahn wird das alles nicht mehr viel ausmachen. Denn er verabschiedet sich nach Brüssel und wird EU-Kommissar für Regionales. Dort hat er es dann auch mit großen Geldsummen zu tun. Sein Ressort ist das mit dem zweitgrößten Budget. EU-weit zeigt er hoffentlich mehr Gespür für die Aufwendung der Gelder und investiert in zukunftsträchtigere Projekte.

E-Voting wird es in Österreich wahrscheinlich nicht mehr so bald geben. Mit dem Versuch bei der ÖH-Wahl war es das dann wohl vorerst. Auch wenn es geheißen hat, dass die ÖH-Wahl ein Probelauf für weitere Wahlen sein würde. Als nächstes wollte ja die Wirtschaftskammer 2015 ins elektronische Wahlfeld ziehen. Sie wird es wohl bleiben lassen. Denn die Blöße, dass auch diese Wahl wiederholt werden muss, wird sich niemand geben. (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 2.12.2009)

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