Der unsichere Griff ins Regal

27. November 2009, 18:42
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    foto: ap photo/michael probst

    Overnewsed, but underinformed: So geht es vielen KonsumentInnen im Dschungel der Gütekennzeichen.

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Im Dschungel der Bio-Siegel, Umweltkennzeichen und sonstiger Labels - wie lässt sich ökologische Nachhaltigkeit von Produkten sichtbar machen und wie bewerten?

Wie bewertet man, ob ein Produkt im Supermarktregal, im Bau- oder Drogeriemarkt nachhaltig ist? Trotz - oder wegen - der zunehmenden Flut an Labels und Produktkennzeichnungen wird die Evaluation für den individuellen Konsumenten immer schwieriger.

Meist werden im Rahmen der nachhaltigen Produktkennzeichnung einzelne Aspekte heraus gegriffen und positiv dargestellt. Der niedrige Energieverbrauch etwa oder die Verwendung recyclierter Rohstoffe, die biologische Herstellung oder der kurze Transportweg ins Regal. All diese relevanten Informationen erlauben es aber nicht, den Einkauf gesamthaft auf seine Nachhaltigkeit zu überprüfen. Die meisten Produkte, die wir heute kaufen können, durchlaufen entlang ihres Lebensweges eine global vernetzte Wertschöpfungskette. Genau dieser Lebenszyklus-orientierte Ansatz ist der Schlüssel zur umfassenden Bewertung der Nachhaltigkeit von Produkten, denn bei einem zu starken Fokus auf einzelne Lebenszyklusphasen (z.B. Transport) können wesentliche Einflussgrößen übersehen werden.

Was aber motiviert Hersteller ihre Produkte zu bewerten und zu kennzeichnen? Was motiviert den Handel Produkte am Point of Sale zu kennzeichnen? Welche Herausforderungen sehen die Unternehmen hinsichtlich Datenmanagement und Kommunikation? Wie kann man die ökologische Bewertung für letztlich hunderttausende Produkte durchführen?

Einer der ersten Meilensteine im Einzelhandel wurde in Großbritannien von der britischen Supermarktkette TESCO gesetzt, die in Zusammenarbeit mit der Organisation "Carbon Trust" die direkten Treibhausgasemissionen ausgewählter eigener Handelsmarkenprodukte messen und kennzeichnen ließ. Ökologische Produkte gewinnen jedoch auch in Österreich an Bedeutung. Eine wichtige österreichische Unternehmensinitiative zur Entwicklung einer allgemein anwendbaren Methode zur Messung und Bewertung der Nachhaltigkeitsqualität von Produkten wurde Ende 2007 von der Unternehmensplattform Efficient Consumer Response (ECR) ins Leben gerufen.

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an verschieden ausgeprägten umweltbezogenen Produktkennzeichnungen, die auf unterschiedlichen Bewertungsgrundlagen beruhen. Diese tragen jedoch zur Verwirrung der KonsumentInnen bei: Diverse Bio-Siegel, CO2 -Label, Umweltkennzeichen, Energieeffizienzkennzeichen, Verpackungskennzeichen, und vieles mehr. Es besteht die Gefahr, dass durch das Überangebot und die zum Teil widersprüchlichen Angaben eine potentielle Verwirrung der KonsumentInnen in ein Dessinteresse gegenüber dem Thema umweltfreundliche Produkte umschlägt.

Orientierungshilfe in diesen Label-Dschungel bieten Internetportale (z.B. www.cleaneuro.at, www.ecoshopper.de), Broschüren wie der KonsumManiac und das Buch der Sieben Siegel sowie Initiativen wie die Nachhaltigen Wochen. Im Zuge der Nachhaltigen Wochen, eine Initiative des Lebensministeriums, weisen 45 Handelsketten und zahlreiche selbständige Kaufleute vier Wochen mit der Dachmarke "Das bringt's. Nachhaltig." gezielt auf Produkte mit ökologischem und sozialem Mehrwert. Die Nachhaltigen Wochen entsprechen dem Bedürfnis der KonsumentInnen nach einer einheitlichen, glaubwürdigen Kennzeichnung nachhaltiger Produkte.


Ökologische Nachhaltigkeit von Produkten  ist das Thema des Monats November 2009 im Internetportal




Logo: Nachhaltigkeit.at




 

Autorin: Eva Burger (www.seri.at). Recherche und Aufbereitung im Auftrag des Lebensministeriums, Abteilung II/3 Nachhaltige Entwicklung und Umweltförderpolitik

Direkt-Link zum Monatsthema 11/2009
(mit Text-Vollversion und weiterführenden Informationen)

In der Rubrik "Thema & Dialog" sind weitere Statements von ExpertInnen, die das Thema aus unterschiedlichen Bereichen beleuchten, enthalten.

"Kopf des Monats" ist Dr. Thomas Lindenthal.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 33
1 2
draufgschissen
01
17.12.2009, 23:41
nachhaltig das unwort des jahrtaussends

die ÖVP versteht immer noch nicht den sinn, benützt es aber ständig als phrase

popokatepetl
01
17.12.2009, 15:39
Wie absurd!

Es wird wohl kaum anders gehen als dass man die Produktionsgesetze dahingehend ändert dass der konsument SICHER SIEN KANN, dass wenn er ein Produkt kauft, es auch nachhaltig produziert WURDE. Punktum.

Diese lächerliche ansammlung von Kennzeichnungen ist keinem Konsumenten zumutbar.

Außerdem: WÄRE der Konsument tatsächlich MÜNDIG, würden sich ja die abermilliarden an Werbebudgets AD ABSURDUM FÜHREN die jedes Jahr dafür ausgegeben werden, EMOTIONELLE Kaufentscheidungen herbeizuführen.

Außer ein paar spezialistInnen blickt hier doch niemand mehr durch! oder kennen SIE auch nur eine EINZIGE E-Nummer auswendig?

Eben.

kiwi99
00
10.12.2009, 09:58
"das Buch der sieben Siegel"

... Verlag kenne ich jetzt nicht, jedenfalls ist darin eineumfassende Beschreibung aller für Lebensmittel gültiger Zertifikate und ihren Umfang.

gaisbock
00
9.12.2009, 18:09
es wäre so einfach.....

das erdöl wird, seinem schrumpfendem vorkommen entsprechend (laufend) teurer - und schon ist`s ökologisch.
"bio" stellt eigentlich keinen wert dar, da natürlich auch blausäure, salzsäure und cäsiumhältige pilze - "bio" sind aber essen möcht´ich´s nicht.

moki328
16
4.12.2009, 10:35
Eigentlich alles verkehrtherum

Ein nachhaltiger Bioapfel sollte sich nicht extra ausweisen müssen, denn nur er hat das Prädikat Apfel verdient und ist beispielsweise ein echter Golden Delicious.
Ein gespritzter unendlich weit her geführter Apfel sollte dies ausweisen. Lebensmittel, die diesen Namen kaum noch verdienen sollten kennzeichnungspflichtig sein und angeben, was sie alles an sich haben.
Das würde vieles vereinfachen. Und wäre im Sinne der Förderung nachhaltigen Konsumierens.

Thomas Z.
00
6.12.2009, 15:38

Nun ja, nicht selten kommt es halt auch vor, dass soein BIO-Golden Delicious nicht aus der schönen Steiermark kommt, sondern z.B. aus Südafrika...

Ist BIO aus Übersee mit heimischen BIO Produkten auf eine Stude zu stellen? Wieder soeine Gretchenfrage...

MfG TZ

Dagmar Rehak
 
10
6.12.2009, 16:51

Nein, natürlich nicht. Aber der Transport mit dem Schiff ist gar nicht so umweltschädlich. Hier zu Kontinents vom Ausgabelager zum Verteilerlager und dann zum Supermarkt zu brummern, ist auch nicht umweltfreundlich.

Es gibt übrigens einen Zucker, der vor unserer Haustüre wächst und kontrolliert biologisch angebaut wird. Aber den wollen die Kunden nicht, weil er so weiß ist. Den braunen Rohrzucker aus ganz weit weg, den nehmen sie, der ist in ihren Augen bio.

match box
01
30.12.2009, 10:19
Rübenzucker

ist vor der Raffinierung auch braun - und den gibt es auch im Handel (Vollzucker oder braunen Zucker). Ob Bio oder nicht ist nicht von der Farbe abhängig.

Herr Störfischer
22
1.12.2009, 10:50
Das könnte eine CO2 Card auch

Wenn jeder Bürger eine anonyme CO2 Chipkarte hätte von dessen Budget, das er jährlich gratis bekommt abgebucht wurd und ohne das man nichts kaufen kann, dann merken die Menschen schnell, was nicht nachhaltig ist, denn Verpackung, Transport, Energie und Wasserverbrauch zur Fleischproduktion etc, alles landet im Endeffekt in der CO2 Bilanz und das wäre ein ganz einfacher Messwert.
Ausserdem funktioniert eine Karte direkt ohne Steuern - Finanzamt - Subventionen
http://www.co2card.de/

Mister Minister
01
30.11.2009, 18:17

Es gibt da ein einfaches Wertungskriterium: Das Meiste ist Dreck.

Dagmar Rehak
 
11
29.11.2009, 14:43
Auch bedenken:

Die Zertifikate kosten Geld und viele Bauern haben deshalb keines, obwohl sie theoretisch die Bio-Kriterien erfüllen würden.

I bis
07
28.11.2009, 14:56

In einer idealen Welt würde der Produktpreis sämtliche Kosten enthalten, also auch externe Kosten durch Luftverschmutzung, LKW-Lärm etc.

Dann wären umweltschonende Produkte billig und ökologischer Irrsinn teuer, und die Sache ist erledigt.

In der realen Welt scheren sich die meisten Konsumenten nicht um den ökologischen Rucksack der gekauften Waren, und diejenigen die es versuchen, tun sich schwer im Dschungel der Informationen.

Anschauungsunterricht Leben
01
1.12.2009, 20:29
Internalisierung externer Kosten

Klingt in der Theorie ja absolut logisch, notwendig und unkontroversiell. In der Praxis hat wohl kaum ein Politiker die Eier, das auch nur mal halbwegs ernsthaft anzudenken.

Wenn's dann nämlich so Sachen wie Benzinpreis geht, da muss man plötzlich Farbe bekennen. Und es scheint, dass nur die Leute in skandinavischen Ländern eine entsprechende Besteuerung als gerecht empfinden, überall anders werden darum ideologische Grabenkämpfe gefochten.

HagenvonTronje
00
28.11.2009, 13:27
haha

Nachhaltig ist so ein dermaßen sinnentleertes Wort - das ist alels und nichts zugleich und lässt sich folglich schlichtweg nciht mittels Gütesiegelprüfung feststellen.

Jadzia Dax1
00
28.11.2009, 12:12

Es stimmt schon, dass eine gewisse Verlabelung um sich greift, aber mit ein bisschen Nachdenken weiß man:
Bio besser als nicht bio, wobei Demeter das strengste Label ist
regional besser als weit transportiert (auch innerösterreichisch)
wenig Verpackung besser als viel Verpackung
wenig Fleisch besser als viel Fleisch
etc.
Schwierig wirds nur, wenn man verschiedene Seiten gegeneinander abwiegen muss- z.B. störts mich wahnsinnig, dass Biowurst/Käse in 80-100g Packungen abgepackt sind.

RS69
 
00
28.11.2009, 13:01

"regional besser als weit transportiert (auch innerösterreichisch)" - Das ist schon wieder fraglich.

Wenn die AMAG - wie bei uns üblich als MArketingargument - NUR den Transportanteil an der CO2 Belastung vergleicht, kommt natürlich raus, dass kürzere transportwege besser sind als lange.

Sinn voll wäre aber, die Gesamtbelastung zu vergleichen, der Transportanteil am Gesamt-CO2 liegt irgendwo zwischen 3 und 40%.

Lernen ohne Schmerzen
00
3.12.2009, 17:50

Angeblich geht es dabei im Endeffekt nur um den Umstand, wie weit der Konsument fährt. Geht er, dann wird es ökologisch, wenn nicht, dann stimmt die Bilanz so wie so nicht.

Jadzia Dax1
00
28.11.2009, 18:08

Man muss natürlich immer aufpassen, was man vergleicht, aber Bioäpfel aus der Region sind besser als Bioäpfel aus z.B. Südtirol

h 90
00
28.11.2009, 12:53

bis auf warum wenig Fleisch besser sein soll stimm ich ihnen voll zu....
Normalerweise ist Fleisch teurer und mehr % ist mehr Qualitaet.

Jadzia Dax1
10
28.11.2009, 18:07

Weil die Produktion von Fleisch mehr Input (Energie, Rohstoffe, etc.) braucht, als z.B. Gemüse. Wobei es natürlich noch einen Unterschied macht, ob man Nahrungsmittel produziert und an Kühe verfüttert, damit man Fleisch erhält, oder ob man Gras verfüttert.

h 90
00
29.11.2009, 04:46

Da haben Sie natuerlich Recht!
Ich habe "Bio" deshalb gekauft um ein moeglichst gesundes natuerliches Lebensmittel zu haben.
Richtig natuerlich da die Menschen zuechten wie die Karnickel zerstoeren wir alles fuer die Lebensmittelproduktion und fuer Fleisch braucht man jede Menge hochwertiger Futtermittel (=potentielle Lebensmittel)

Sweatshopper
00
28.11.2009, 06:00

mehr transparenz ist die zukunft. es sollten alle produkte eine information bezüglich ihrer herstellung preisgeben. so gäbe es neben der positiven kennzeichnung natürlich auch entsprechend viel negative.

die wirtschaftstheorie geht davon aus, dass der kunde praktisch genau so viel über das produkt weiss wie der hersteller, so kann die gemeinschaft der käufer nämlich den markt lenken

weil bezüglich der herstellung noch keine transparenz herrscht, können die hersteller von den kunden noch nicht qualifiziert beurteilt (und sanktioniert) werden, und das schadet letztendlich den arbeitern, der umwelt und dem käufer selbst

kaddidababubada
66
27.11.2009, 22:52
kleine einkaufshilfe für umweltbewusste:

beim obst ist es einfach:
wenn der apfel schiach ist, ist er bio.

bei der grilltasse um 50 % billiger hat der biologische abbau schon im geschäft begonnen.

hütet euch vor dem öffnen von cola-flaschen! da ist sehr viel co2 drin.

insektenspray ohne treibgas kaufen, das ist umweltfreundlich!

künstlich aromatisiertes fruchtjoghurt schont die echten früchte, die dann in ruhe weiterwachsen können.

Loonquawl
01
17.12.2009, 11:33
was labern sie da? meinen sie das ernst?

kaddidababubada
00
17.12.2009, 17:50
ja, natürlich!

ich gebe ihnen ein grünes stricherl, um sie über ihren mangel an differzierungsfähigkeit zwischen ernst und recht deutlicher ironie hinweg zu trösten und verspreche ihnen, in zukunft ironie-tags zu verwenden!

alles liebe weiterhin! ;-)

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