Rumänien

Vorratsdatenspeicherung verstößt gegen Menschenrechte

Andreas Proschofsky, 27. November 2009, 13:40

Urteil des Verfassungsgerichtshofs veröffentlicht - Unbeteiligte gelangen zu leicht in den Fokus der Behörden

KritikerInnen verweisen seit geraumer Zeit darauf, dass sich die geplante EU-weite Vorratsdatenspeicherung nicht mit der Menschenrechts-Charta vereinbaren lässt. Eine Einschätzung, die nun erstmals ein europäisches Verfassungsgericht teilt.

Urteil

So hat der rumänische Verfassungsgerichtshof bereits vor einigen Wochen den Entwurf zur Vorratsdatenspeicherung als verfassungswidrig verworfen. Seit kurzem gibt es nun die schriftliche Begründung, die der "Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung" auf Deutsch übersetzt hat.

Kritik

So kritisieren die rumänischen VerfassungsrichterInnen etwa, dass die Vorratsdatenspeicherung die in der Strafprozessordnung vorgesehenen Ausnahmen vom Fernmeldegeheimnis zur Regel machen würden. Eine allgemeine Vorratsdatenspeicherung wecke in den Menschen "die berechtigte Sorge um die Wahrung ihrer Privatsphäre und die Furcht vor einem möglichen Missbrauch".

Gefahren

Außerdem bestehe durch das Gesetz die Gefahr, dass die Unschuldsvermutung schleichend ausgehebelt werde, so werde schlussendlich die gesamte Bevölkerung zu potentiellen TäterInnen erklärt. Auch könnten Personen schon durch einen Anruf bei einer überwachten Person all zu leicht in den Fokus der ErmittlerInnen kommen.

 

Der Arbeitskreis fordert als Konsequenz daraus den Stopp der Umsetzung der EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung in Deutschland. Das deutsche Verfassungsgericht hat nach Beschwerden von 34.000 Personen für den 15. Dezember eine mündliche Verhandlung über das Gesetz anberaumt. (apo, derStandard.at, 27.11.09)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 52
1 2
Bastian Balthasar Bux
02
5.12.2009, 19:29
Mir ist die Vorratsdatenspeicherung wurscht,

ich horch eh kein Westradio ...

</sarkasmus>

Rent a Democracy
02
28.11.2009, 20:12
So, und welche Lehren ziehen wir in Österreich da jetzt draus?

Garnichts, wir machen weiter wie bisher!

Betonschädeln rennen üblicherweise früher oder später bei irgendwas an, das härter ist als ihre Birne.

Fernchen
09
28.11.2009, 17:42
Ironie

Dass gerade Rumaenien, das Land in dem vor nichtmal 20 Jahren ein totalitaeres Regime als Satellit der Sowjets geherrscht hat und Ueberwachung alltaeglich war, jetzt ein Fort der Demokratie und Freiheit der Buerger ist.

Offenbar haben's die Rumaenen nicht vergessen, woran sich die Ostdeutschen, Ungarn und anderen ehemalig sowjetisch gesteuerten Leutchen klar nicht mehr erinnern.

Hannes Rannes
00
6.12.2009, 23:02
Für mich überhaupt keine Ironie

Die haben das einfach noch viel besser in Erinnerung...

Meine Wenigkeit mit viel Senf
04
30.11.2009, 08:18
Nicht zu vergessen,

dass es in Rumänien sogar dreisprachige Ortstafeln gibt.

Aber ein kleines Bundesland in Gallien, ups, Österreich darf weiterhin ungestraft gegen die Verfassung verstoßen...

Falke von Stein
00
28.11.2009, 12:23
Menschen haben keine Rechte weil leicht ersetzbar.

Gundsätzlich ist das mit Geld noch einfacher möglich, aber der Stärkere nimmt sich das Recht.

Dafür sind Grokonelle zustädnig - nicht die Bevölkerung.

eugene
31
28.11.2009, 11:14
Wenn es WIRKLICH um die Sicherheit der Bürger geht

, die diese Überwachung rechtfertigen soll, wieso darf sich dann nicht jeder Bürger aussuchen ob er überwacht werden will oder nicht? Wenn sich wer unsicher fühlt, soll er dem Staat alle Befugnise geben, ihn/sie zu überwachen, und dann soll der Staat ihn überwachen dürfen. Einer der das nicht will, wird halt nicht überwacht. Ich vermisse ein bisserl den Pragmatismus.

Lala4
00
30.11.2009, 09:43
Der Vorschlag ist so absurd...

...dass er sogar klappen könnte.

Grusoleum
02
28.11.2009, 10:24
Ausschluss von Rumänien aus der EU

Bevor sich die EU ihr Wahnsinnsmilliardenprojekt zusammenhaun lässt ;)
http://warteschlange.twoday.net/stories/6066811/

TRex30M
06
28.11.2009, 08:34

Unser Land entwickelt sich meiner Ansicht nach, immer mehr zu einem totalitären Überwachungsstaat.
Bis zu einem gewissen Grad, ist Überwachung ja noch ok.
Aber die Vorratsdatenspeicherung, geht dann eindeutig zu stark in die Privatsphäre.
Leider kenne ich keine brauchbaren Mittel um mich dagegen zu wehren. Tor und Privoxy jedenfalls, kann man vergessen - zu langsam.
Am Handy, kann man auch nichts dagegen unternehmen, ausser man kauft dauernd neue Wertkartentelefone...
Es bleibt also nur, sein Wahlrecht zu nutzen und vorher gut zu überlegen, wen man nächstesmal wählt.

TL1
00
1.12.2009, 20:15
Was man dagegen tun kann?


Die Frage stelle ich mir auch, seit die Tendenzen in Richtung Überwachungsstaat immer schlimmer werden.

Meine Antwort:

1. Wertkarteninternet besorgen (Yesss) damit alle Internetaktivitäten nur noch einer IP Adresse zugeordnet werden können aber keinem konkreten Namen.

2. C++ Programmierung lernen, von Windows auf Linux umsteigen, shell Programmierung lernen, UNIX Fachmann werden und dann selber Gegenmaßnahmen entwickeln.

Aber wer um Himmels Willen tut sich das an?

Taran Seven
00
Hast Du Dich leider verschätzt... Yesss protokolliert jedwede Aktivität samt Standort mit!

Und die Daten werden die USA zugänglich gemacht, weil man bei Yesss bewusst darauf hinarbeitet, das Kriminelle dieses (anscheinend) anonyme Internet/Handy nutzen.
Die IP wechselt auch nicht, auch bei Reconnect nicht!

Mathias
 
00
2.12.2009, 12:54
Was man dagegen tun kann?

Mitglieder der ÖVP werden, und man ist automatisch von allen Sünden "reingewaschen" ... oder war das jetzt doch was anderes? ...

winston_s
06
28.11.2009, 03:19
Endlich ein klares Urteil!

Q: Wozu braucht man Vorratsdaten?
A: http://www.zeit.de/digital/d... berwachung

Bernhard Lassy
 
00
28.11.2009, 03:13
die Richtlinie im Wortlaut

http://www.saubere-haende.org/typo3/fil... -24-eg.pdf


Erklärende Ausführungen vom Nationalrat Mag. Maier

http://www.saubere-haende.org/phpbb/vie... hp?f=4&t=3

Sam Uncle
014
28.11.2009, 00:46
In einem freien Land hat der unbescholtene Bürger NICHT systematisch bespitzelt zu werden.

Weder wohin er geht, noch wohin erfährt, noch von wo er mit wem wie lange telephoniert, noch welche Internetseiten er anwählt, noch wem er emails schreibt, noch in welchem chatroom er sich wann und wie lange befindet. Noch wem er wann und wieviel überweist. Und erst recht nicht haben diesen Kontobewegungen US-Behörden zur "Auswertung" und Weiterleitung an Drittstaaten übergeben zu werden !
Was sind das für "Volksvertreter", die erst ein Urteil eines Verfassungsgerichtshofs brauchen, um diese unfaßbaren Angriffe auf die Privatsphären der sie wählenden Bevölkerung zu schützen.
STASI 2.0 : NEIN DANKE

mampf mampf Schokoladi
00
27.11.2009, 23:12
Ich möchte ja die Lobhudelei auf Rumänien nicht so jäh unterbrechen, aber in Ö ist noch nicht mal die Richtlinie umgesetzt, da kann sich noch gar kein ÖGericht dazu äussern.

DJProject
015
27.11.2009, 21:18
Rumänien hat die Demokratie wesentlich schneller gelernt

als wir Rest-Europäer!

Taran Seven
00
Nein, die haben sich und ihr Land an ausländische Investoren zu einem Spottpreis verkauft und lassen sich das Land ruinieren...

Australische Goldminen die dort (gesetzlich konform) das Zyanid in die Flüsse leiten, kein Umweltschutz, kein Arbeitnehmerschutz usw...

Lala4
10
30.11.2009, 09:46
Vor allem wollten die Bürger in Rumänien eine Demokratie...

In Österreich musste sie immer von außen aufgezwungen werden, das erklärt vielleicht auch die Demokratie-Defizite der österreichischen Bevölkerung.

Metternichmich!
01
28.11.2009, 08:04
Und es scheint

dass sie keine Lust haben, sie nach ein paar Jahren aus Bequemlichkeit, Paranoia und vorauseilendem Gehorsam wieder aufzugeben. Danke an Rumänien!

Wennso Weitergeht...
01
27.11.2009, 20:04
wir sind ja so viel besser als rumänien

aber für sowas, nämlich die wahrheit einfach mal klipp und klar sagen, dazu brauchen wir sie...

Roland Schweiger
010
27.11.2009, 19:40
es gab viele Leute

... die meinten, die Vorratsdatenspeicherung sei harmlos, weil sie ja ohnehin nichts zu verbergen hätten. Das halte ich für ein ganz schlimmes, plumpes und dummes und unsachliches Argument.
Selbstverständlich habe ich meine Privatsphäre zu verbergen und ich will mich auch nicht täglich mit Kryptografie befassen müssen nur um der Vorratsdatenspeicherung zu entgehen.
JA ICH HALTE DIESE DATA RETENTION AUCH FÜR NICHT VEREINBAR MIT DEN MENSCHENRECHTEN und hoffe dass noch öfter und detailleirter darüber berichtet werden wird.

Bernd Senf for Wirtschaftsminister
014
27.11.2009, 19:33

Ja, verdammt nochmal, ich gebe es zu, ich habe etwas zu verbergen: meine Privatsphäre.

Thomas Pynchon
00
1.12.2009, 17:50
wem sagen sie das?

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