Lokal

Versorgungspflicht

28. November 2009, 11:00
  • Artikelbild
    foto: gerhard wasserbauer

    Der Blick in die Küche ist mit durchaus verlockenden Angeboten verstellt.

  • Artikelbild
    foto: gerhard wasserbauer

    Im Gastraum geht es vom Start weg zünftig zu.

Das legendäre Schutzhaus in den Schrebergärten am Schafberg in Wien-Hernals wurde reanimiert

Dass die Kleingartenanlagen der Hauptstadt stets eines Schutzhauses bedürfen, sagt viel über den Expeditionsgeist des Wieners aus: Hinaus ins Grüne lässt er sich ja gern locken, auch ein bissl gärtnern, Hasen mästen, Obst ernten darf sein - das wird schließlich in Form eines Papperls renumeriert. Allzu viel Natur und, vor allem, die düstere Aussicht, in ihr ganz auf sich gestellt zu sein, gilt es aber zu vermeiden. Also: Ein Wirt muss her - ein Schutzhaus.

So war es früher. Heute, wo die Gartenhütten längst zu winterfesten Eigenheimen aufgepäppelt sind (und die Gärten zu immer schmäleren Zierstreifen verkommen), ist auch die Rolle der Schutzhäuser eine andere. Manche haben es zu durchaus grätzelübergreifender Prominenz gebracht. Jenes auf der Schmelz als Ort mehr oder minder wilder Partys und Konzerte - aber auch eines verzauberten Kastaniengartens, in dem das Budweiser unvergleichlich gut zischt. Das Schutzhaus am Ameisbach, weil z. B. Hubert von Goisern da seine erste Platte präsentiert hat. Das am Schafberg, weil hier einige der allerersten Punk-Konzerte abgingen, was die Busladungen von Senioren nicht ahnen sollten, die man später zum Fünf-Uhr-Tee mit Tanz ablud. Und alle diese Adressen zusammen natürlich für Krampuskränzchen und anderen Krawäu, der hier von Dr. Ostbahn verabreicht wurde.

Adrettes Schmuckkasterl

Zwischenzeitlich war der Glanz der Schafberghütte aber gar patiniert (vorrangig durch Frittierfett der übelsten Art), irgendwann musste da ein Neuanfang passieren. Vor zwei Monaten übernahmen Alexander Wiedermann und Philipp Keller (Palais Eschenbach) das Schutzhaus, um es binnen kürzester Zeit in ein adrettes Schmuckkasterl von Ausflugslokal zu verwandeln, mit Vorhangerl hier und Zierdeckerl da. Vor allem aber mit hochmotiviertem Service und einer günstigen Küche (im Schutzhaus gilt laut Statut "Versorgungspflicht"), die den familiären Geschmack der Gäste ziemlich punktgenau trifft.

Im November muss es natürlich Gansl sein, nicht bloß als Braten (sehr okay, bis auf die lebkuchenwürzige Rotkrautpampe), sondern auch als Verhackertes mit roter Zwiebel (gut!), oder als Gansleber im eigenen Schmalz paniert - eine Portion, die locker für zwei reicht. Ansonsten reißt man sich ideenmäßig eher keinen Haxen aus, von Knödel mit Ei über Fleischlaberln bis Zwiebelrostbraten (ordentlich mit Salzgurke serviert) geraten die Klassiker aber durchaus ordentlich. Überdurchschnittlich köstlich: die Linsen mit Ripperln - den Knödel kann man sich ja wegdenken. (Severin Corti/Der Standard/rondo/27/11/2009)

Schutzhaus am Schafberg
Czartoryskigasse 190-192
1170 Wien
Tel.: 01/479 22 79
Di-Sa 11-23, So & Fei 10-22 Uhr
VS EURO 3,10-7,80, HS EURO 6,80-16,80

Fotos: Gerhard Wasserbauer

KM56
22
29.10.2011, 22:24
Das Team ist jung ...

.. und engagiert. Ein Grund nicht dort hinzugehen. Jungdynamiker sind mir unsympathisch - verdrängen ältere Arbeitnehmer aus dem Arbeitsleben.
http://www.schutzhaus-schafberg.at/Seiten/sc... zhaus.html

Cmd. Ed Straker
10

Oiso wie Bobos ham die Gäst ned ausgschaut! Die Kuchl is supa und der Wein gepflegt. Ausserdem san de Preise ned bobogerecht überhöht! Oisdann, hischaun, essn, dringn, gfrein!

M.C.K
11
30.11.2009, 22:05
Koch !?

Warum wird eigentlich der Koch nicht erwähnt?
War vorher jahrelang im " Nells" im 18.,Bez.
Hätte er sich eigentlich verdient !!!

WUDSS
218
29.11.2009, 09:06

"Vor zwei Monaten übernahmen Alexander Wiedermann und Philipp Keller (Palais Eschenbach) das Schutzhaus, um es binnen kürzester Zeit in ein adrettes Schmuckkasterl von Ausflugslokal zu verwandeln, mit Vorhangerl hier und Zierdeckerl da."

mit einem wort: eine g'schissene bobohüttn habens draus gemacht anstatt dem gediegenen wiener prolo sein revierl zu lassen.

Martin Smarda
00
Problem dabei...

...es gibt keine gediegenen Wiener Prolos.
Nur einfach Prolos. Oder wenns übel kommt g'schissene Prolos. Die passen dann aber eh zu den g'schissenen Bobos.

Gut, daß ich in meinem mittelmäßigem Mittelmaß daham bin :P

Lappe ohne Rentier
02
30.11.2009, 09:40
Ein hervorragender Abstract - Hut ab!

Herzelichst
Ihr Lappe

Christ Kind
03
1.12.2009, 14:22
die Huette

war Tradition, beklannt als "Maaasta"... mit seinem echt grossen Schaeferhund Rambo.

dass das jetztn eine Bobohittn is.... ich kann gar ned soviel fressen, wie ich kotzen muss.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.