Flanieren als Hürdenlauf im Gastgarten

2. April 2003, 20:38
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480 Gastgärten in der Wiener City seien zu viele - Wiener ÖVP will neue Verordnungen - mit Umfrage

Wien - Es gibt zuviele Schanigärten, Verkaufsstände, Imbissstandln und Zeitungskioske. Damit wird nach Ansicht von VP-Planungssprecher Alexander Neuhuber das Flanieren in der Innenstadt für Touristen und Einheimische immer mehr zum Hürdenlauf.

Gäste unter freiem Himmel

Von den laut Wirtschaftskammer 2400 Wiener Schanigärten befinden sich allein 480 auf dem Boden des ersten Bezirks. 31 davon, mit 1800 Sitzplätzen, seien im Gebiet Kohlmarkt-Graben-Kärtner Straße, erklärt Gundula Hollauf, stellvertretende VP-Bezirksvorsteherin. Selbst Wirtesprecher Josef Bitzinger hat bereits zum letzten Saisonschluss erkannt, dass es "de facto kaum mehr freie Flächen gibt". Begehrlichkeiten, Gäste unter freiem Himmel bewirten zu wollen, gebe es dauernd.

Wucherndes Schanigartenwesen

Vor der heurigen Saison fragt man sich im ersten Be zirk, wohin das wuchernde Schanigartenwesen führen soll; auch für die Bewohner, die angesichts mitternächtlicher Sperrstunden früher kaum Schlaf finden. Vizebürgermeiser Sepp Rieder (SP) hat am Dienstag angekündigt, es werde für derlei Probleme eine Arbeitsgruppe geben.

Mitsprache der Bezirke

Alexander Neuhuber, Planungssprecher der VP, fordert, dass Bezirke mehr Mitsprache bei der Genehmigung von Gastgärten erhalten müssten. Nur im Bezirk könne man beurteilen, ob Platz vorhanden sei. Damit Gastgärten sich nicht von Saison zu Saison "ausdehnen wie schwarze Löcher", müssten deren Grenzen am Boden verzeichnet werden. Zudem alle drei Jahre ein neues Genehmigungsverfahren und Sperrstunde um 23 Uhr, nur in definierten Gebieten könnte man bis Mitternacht offen halten. Wichtig sei auch, dass eine Mindestbreite des Gehsteigs für Passanten tisch- und stuhlfrei gehalten werden müsse.

Unmut am Graben

Am Graben wird der Unmut über den Schanigartenwucher immer lauter. Dort sitzen Gäste besonders eng Tisch an "Metastasierend" nennt man in einem angesehenen Juweliergeschäft das Phänomen. Tisch und Stuhl an Stuhl. Kaufleute beschweren sich, dass Schaufenster verstellt seien und Passanten nicht mehr in Geschäfte fänden. Jetzt wird es am Graben noch enger, weil ein Wirt, der seinen Betrieb zwar nicht am Graben hat, aber genau dort einen großen Gastgarten errichten will - "rund 50 Meter von seinem Lokal am Petersplatz entfernt", beschreibt Neuhuber. Der Gastgarten ist bereits von der Stadt bewilligt. Der Planungssprecher warnt da vor, dass Wirte eine Gesetzeslücke entdeckt haben könnten. Sie würden nicht mehr nach dem Gebrauchsabgabengesetz, welches die Nutzung von öffentlichem Grund durch Personen und Unternehmen regelt, Schanigärten beantragen. Sondern sich gleich bei der Betriebsanlagenprüfung nach dem Gewerberecht per Bescheid weitreichende Genehmigungen erteilen lassen.

Zu viele Veranstalungen

Überhaupt gehöre der Veranstaltungswut im ersten Bezirk Einhalt geboten: Der Rathausplatz werde für dortige Bewohner immer öfter zum lärmerfüllten Rummelplatz. Es müsse auch nicht jede Demonstration durch die Innenstadt führen. Um Ruhe in die City zu bringen, wäre Neuhuber auch bereit, dass VP-eigene Stadtfest andernorts steigen zu lassen. (aw, DER STANARD Printausgabe 3.4.2003)

Umfrage

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Die Tischerl spriesen wieder am Trottoir - für viele der Inbegriff von Sommergefühl in der Stadt - für manche nur ein Hindernislauf

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