Exil-Oppositioneller Makiya: "Bomben sind Musik in meinen Ohren"

2. April 2003, 11:32
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"Arabischer Solschenizyn" verteidigt Krieg, warnt aber davor Schwierigkeiten der Demokratisierung zu unterschätzen

Hamburg - Der irakische Exil-Oppositionelle Kanan Makiya, dessen Studie über das Baath-Terrorsystem ("Republic of Fear") ihm den Ruf eines "arabischen Solschenizyn" eingebracht hat, verteidigt trotz seiner Skepsis gegenüber der US-Regierung den Krieg gegen das Bagdader Regime, das sein Land "in ein riesiges Konzentrationslager" verwandelt habe. "Die Bomben sind Musik in meinen Ohren", sagte Makiya der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit".

"De-Baathifizierung" des Landes

Makiya warnt davor, die Schwierigkeiten einer Demokratisierung des Irak zu unterschätzen. Die amerikanische Regierung spreche zwar oft von "Befreiung", vermeide aber den Begriff "Demokratie" und scheine auch keine klaren Vorstellungen von einer demokratischen Neuordnung des Landes zu haben, das nicht nur von Diktator Saddam Hussein, sondern von den totalitären Strukturen der Baath-Partei beherrscht werde. Voraussetzung für einen demokratischen Wandel wäre laut Makiya eine "De-Baathifizierung" des Landes nach dem Vorbild der Entnazifizierung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg.

"Ich habe den Eindruck gewonnen, dass einige von uns sich im Ausland vorstellen, man könne hoch oben auf einem amerikanischen Panzer im Irak einmarschieren, erhaben über den Gestank der verrotteten Verhältnisse, ohne knietief in der Scheiße zu waten", sagte Makiya.(APA)

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    Kanan Makiya: USA scheinen keine klaren Vorstellungen von einer demokratischen Neuordnung des Landes zu haben.

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