Ist Kindererziehung weniger wert als der Militärdienst?

19. April 2003, 15:39
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Katholische Frauenbewegung fordert höhere Bemessung der Kindererziehungszeiten

Wien - Dass die Kindererziehung für die Pension "weniger zählt als der Militärdienst", hat nun die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö) auf den Plan gerufen. Sie forderte umgehend eine Anhebung der Bemessungsgrundlage der Kindererziehungszeiten für die Pension. "Die Betreuung eines Kindes darf dem Staat nicht weniger wert sein als der Militärdienst", so die kfbö-Vorsitzende Margit Hauft am Mittwoch. Die Pensionshöhe für den Präsenzdienst wird nach dem österreichischen Durchschnittseinkommen berechnet, die Pensionshöhe für die Zeiten der Kindererziehung nur nach dem ASVG-Ausgleichszulagenrichtsatz, der in Österreich als die unterste Armutsgrenze gilt. Dass die Regierung von den Kindererziehungszeiten künftig 24 statt bisher 18 Monate auch als "pensionsbegründend" gelten lassen will, sei "nur ein Almosen, aber noch keine frauengerechte Abgeltung einer gesellschaftlich wichtigen Leistung", so Hauft.

Verstoß gegen EU-Richtlinien

Der vorliegende Entwurf für eine Pensionsreform bedeute "eine krasse Missachtung" entsprechender EU-Richtlinien. "Es genügt nicht, sich verbal zu diesen Richtlinien zu bekennen, aber in der Realpolitik unterschiedliche geschlechtsspezifische Auswirkungen nicht zu berücksichtigen", so Hauft. Der Entwurf für die geplante Pensionsreform benachteilige nach Meinung verschiedener Experten und Expertinnen eindeutig die Frauen. "Er wurde nur aus dem Blickwinkel männlicher Erwerbsbiografien heraus erstellt und berücksichtigt deshalb viel zu wenig die konkrete Lebenssituation von Frauen", so Hauft. Die Pensionsregelung sei - so die Katholische Frauenbewegung - ebenso ein "Gradmesser einer effizienten Frauenpolitik" wie Begleitmaßnahmen etwa zur Förderung einer partnerschaftlichen Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau, um beiden Partnern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. Hauft: "Daran wird man erkennen, wie ernst diese Bundesregierung tatsächlich das proklamierte partnerschaftliche Lebensmodell sowie Gleichberechtigung und Gleichrangigkeit von Mann und Frau nimmt". (red)

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