Hilfsorganisationen wollen nicht "fünfte Kolonne" sein

2. April 2003, 10:58
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Protest gegen Koordination durch Invasionsarmeen

Hamburg - Die humanitären Organisationen in der Golfregion wehren sich gegen Pläne der US-Regierung, die Hilfe für die Not leidende irakische Zivilbevölkerung im Krieg vom Militär dirigieren lassen, berichtet die deutsche Wochenzeitung "Die Zeit". In Kuwait-Stadt soll ein eigens eingerichtetes Humanitarian Operation Center (HOC), besetzt mit 50 amerikanischen, britischen und kuwaitischen Regierungsbeamten und Militärs, die Einsätze der zahlreichen privaten Hilfsagenturen und UNO-Organisationen im Irak lenken. Das HOC untersteht der staatlichen amerikanischen Hilfsagentur USAID, die auch den Wiederaufbau des Landes koordinieren will.

Neutralität gefährdet

"Koordination durch die HOC, ja", sagt Ed Schenkenberg vom Internationalen Rat freiwilliger Hilfsagenturen (ICVA) in Genf der "Zeit", "Lenkung, nein!" Die humanitären Helfer fürchten, ihre Neutralität zu verlieren und damit die Fähigkeit, so genannte "frontline operations", also Einsätze über die Frontlinie hinweg, durchführen zu können. Eine Instrumentalisierung der Helfer berge die Gefahr, dass diese künftig nicht mehr von Kombattanten unterschieden werden könnten. "Wir wollen nicht die fünfte Kolonne der Koalitionsarmee sein", sagt ein UNO-Mitarbeiter.

Das Flüchtlings-Hochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) rechnet mit Massenfluchten aus dem Irak, sobald die Bombardements der Städte nachlassen. Mitarbeiter der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" (MSF), die noch in Bagdad ausharren, berichten, dass sich in der Stadt Stresserkrankungen infolge dauernder Todesangst häufen. Dazu zählten auch Herzinfarkte und Schlaganfälle. (APA)

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