Experten: USA haben ihre militärische Kraft überschätzt

2. April 2003, 10:46
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Mythos des kurzen Krieges in sich zusammengebrochen

Genf - Die USA haben im Krieg gegen den Irak ihre militärische Kraft überschätzt - dies ist das Fazit von Experten am Institut des Hautes Etudes Internationales (HEI) in Genf. Ein militärischer Sieg bedeute indes noch lange keinen politischen Sieg. Nach zwei Wochen Kämpfen sei der Mythos eines kurzen Krieges in sich zusammengebrochen, sagte Theodor Winkler, Direktor des Genfer Zentrums für die demokratische Kontrolle der Streitkräfte (DCAF) anlässlich eines runden Tischs vom Dienstagabend in Genf. Laut Winkler könnte der Krieg nicht nur einige Wochen, sondern einige Monate dauern.

Nach den Worten von Keith Krause, Politologieprofessor am HEI, haben die USA mehrere Fehler begangen. Einserseits hätten sie ein "exzessives Vertrauen" in ihre militärische Technologie gesetzt. Bombardements allein würden aber nicht ausreichen, um die Kontrolle über ein Territorium zu erlangen. Andererseits sei von den USA die Unterstützung für das Regime des irakischen Machthabers Saddam Hussein unterschätzt worden, welches ihm von zehntausenden Partisanenkämpfern entgegen gebracht werde. Winkler betonte, der Krieg sei mit zu kleinen Truppenverbänden in der Region gestartet worden. Der nötige Nachschub sei erst in etwa sechs Wochen einsatzbereit.

Rückzug undenkbar

Alle Experten gaben sich aber überzeugt, dass die US-geführten Truppen den Krieg schließlich militärisch gewinnen werden. Ein amerikanischer Rückzug sei undenkbar. Das heiße aber noch lange nicht, dass die USA auf politischer Ebene als Sieger aus der Konfrontation hervorgehen würden. Für einen Sieg um Bagdad müssten die USA einen sehr hohen Preis bezahlen. Genau dies sei das Kalkül von Saddam Hussein.

"Ein militärischer Sieg bedeutet noch keinen Sieg in den Geschichtsbüchern", sagte Winkler. Er verwies auf die hohen menschlichen Verluste in dem Krieg und auf die Frage, ob Freiheit und Demokratie im Irak letztlich wirklich obsiegen werden. Man dürfe bei all dem aber nicht ausschließen, dass es im Laufe eines längeren Kriegs zu einem Umdenken in der amerikanischen Politik komme, fügte Winkler an. Die Fähigkeit zur Selbstkritik der USA dürfe nicht unterschätzt werden. So sei es möglich, dass die USA nach dem Irak-Krieg auf den multilateralen Weg zurückfinden würden. (APA/sda)

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