WHO rät von Reisen nach Hongkong ab

7. April 2003, 12:07
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Erste Reisewarnung in der Geschichte der WHO kam durch die Erkenntnis zustande, dass es neue Übertragungswege für Sars geben kann

Genf/Hongkong - Die erste Reisewarnung ihrer Geschichte kam in der WHO vor allem durch die Erkenntnis zustande, dass es neue Übertragungswege für Sars (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom) geben kann. Dies gelte zumindest für Hongkong, wo sich der Erreger in einem Wohnkomplex vermutlich über Wasserleitungen ausgebreitet und viele Bewohner angesteckt habe, erklärte die WHO in Genf.

Eindämmung

Im Gegensatz zur Influenza verbreite sich das Virus nicht auf weitere Distanz über die Luft. Positiv wertete die WHO, dass es in Vietnam, Singapur, Taiwan und Kanada offenbar gelinge, die Krankheit einzudämmen. Auch in Guangdong seien die Infektionszahlen rückläufig.

Mittlerweile werden die Vorsorgemaßnahmen schärfer. In Thailand müssen Touristen aus Sars-Gebieten seit Mittwoch ständig einen Mundschutz tragen. Wer dagegen verstoße, müsse mit sechs Monaten Haft und einer Geldstrafe rechnen, kündigte die Regierung an. Malaysia, bisher noch ohne Sars-Fall, will künftig keine Gastarbeiter aus Risikogebieten mehr ins Land lassen.

Sars-Erreger könnte "Komplizen" haben

Bei ihrer fieberhaften Suche nach dem Auslöser von Sars hat sich Wissenschaftern nun ein weiterer Verdacht aufgedrängt: Die mysteriöse Lungenerkrankung könnte durch eine Virenkombination entstehen.

Zwar erhärten sich täglich die Verdachtsmomente, dass ein Coronavirus (eventuell tierischen Ursprungs) der Erreger ist, dieser könnte jedoch einen Komplizen haben: ein Virus, das vorige Woche entdeckt wurde. Dieser Krankheitserreger, ein Paramyxovirus, wurde ebenso wie Coronaviren in Abstrichen von Patienten nachgewiesen.

Kombination aus beiden Viren

"Es könnte durchaus sein, dass eine Kombination aus beiden Viren ausschlaggebend ist", berichtet der Virologe Albert Osterhaus vom Rotterdamer Erasmus-Universitätskrankenhaus im Fachjournal Nature: Das Coronavirus schwächt möglicherweise die Immunabwehr, wodurch Menschen anfällig werden für die zweite Infektion mit dem Paramyxovirus, das im Winter weit verbreitet ist.

Für die Feststellung der Krankheit wird nun weltweit eine Bluttest-Technik verteilt, die seit 1. April auch in Österreich zur Verfügung steht. Für Fragen zu Sars gilt weiter die vom Gesundheitsministerium eingerichtete Telefonnummer 0800/201611 (Montag bis Freitag 8 bis 16 Uhr). ((Reuters, dpa,fei, DER STANDARD Printausgabe 3.4.2003)

Die Ausbreitung der Lungenkrankheit Sars hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht, erklärte die Weltgesundheitsbehörde WHO am Mittwoch. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte gab die Behörde eine Reisewarnung aus - für Hongkong und die chinesische Provinz Guangdong.

Hotline

Für Fragen zu SARS wurde unter der Nummer 0800/201611

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    Wachen vor einem chinesischen SARS-Isolationscamp

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