US-Historiker Kennedy: "Regierung spielt gefährliches Spiel"

2. April 2003, 10:17
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USA hätten sich mit fast allen überworfen, die normalerweise ihre Partner sind: "Abenteurertum in Übersee", das in "Debakel enden kann"

Washington/Hamburg - Der renommierte amerikanische Historiker Paul Kennedy erwartet, dass die Unterstützung für den Kurs der Regierung von George W. Bush "nicht von langer Dauer" ist. "Im Augenblick mögen sich die Menschen unter dem Sternenbanner versammeln. Wenn sich die Ökonomie verschlechtert und das Abenteurertum in Übersee nicht nach Plan verläuft, sind die Leute in zwei Jahren nicht mehr da, die heute die Politik bestimmen", sagte Kennedy in einem Interview mit der Hamburger Illustrierten "stern", das in der neuen Ausgabe am morgigen Donnerstag erscheint.

Die US-Regierung, die in einen Krieg ziehe, die gleichzeitig ein dramatisches Haushalts- und Außenhandelsdefizit anhäufe und sich außerdem mit fast allen überworfen habe, die normalerweise ihre Partner seien, "spiele ein gefährliches Spiel". "So etwas kann in einem Debakel enden", sagte Paul Kennedy.

"Intellektuelle Winzlinge" im US-Senat

Kritisch äußerte sich der Professor der Universität Yale zu der Rolle des amerikanischen Kongresses. In der Debatte im britischen Unterhaus über eine Beteiligung am Irak-Krieg habe man "Demokratie gespürt". Dagegen seien die US-Senatoren nur "intellektuelle Winzlinge". Ein Teil der amerikanischen Verfassung sei ursprünglich so gestaltet worden, so Kennedy, um einen "imperialen" Präsidenten zu vereiteln: "Dieser Teil funktioniert zur Zeit nicht. Und darunter leidet nun die Welt." (APA)

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