Nahost-Experte Steinbach warnt vor US-Dominanz im Irak nach dem Krieg

2. April 2003, 08:56
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"Gewalttätiger Widerstand programmiert" - Starke Zweifel an Demokratisierung

München - Der Direktor des Deutschen Orient-Instituts in Hamburg, Udo Steinbach, warnt vor einem Alleingang der USA bei Friedenssicherung und Wiederaufbau im Irak nach dem Krieg. Nur eine Sicherheitstruppe mit UNO-Mandat könne mit Akzeptanz der Bevölkerung rechnen. "Rein amerikanisch geführte Truppen mit einer von den USA eingesetzten Übergangsregierung wirken eher destabilisierend. Da ist gewalttätiger Widerstand geradezu programmiert", sagte Steinbach in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin"FOCUS-MONEY".

Dass im Irak rasch eine demokratische Regierung aufgebaut werden könne, glaubt der Chef des Orient-Instituts nicht. Nach Jahrzehnten der Diktatur seien "viele Rechnungen offen. Die Spannungen in der Gesellschaft sind groß." Deutschland müsse sich politisch, finanziell und im Zweifel auch militärisch am Wiederaufbau des Irak beteiligen, fordert der Wissenschaftler. "Deutschland hat ein hohes Ansehen im Irak. Die Beziehungen waren immer gut. Vor diesem Hintergrund sollten wir uns der Teilnahme am politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau auf keinen Fall verschließen. Auch eine militärische Komponente - etwa als Teil der Sicherungstruppe - sollte nicht von vornherein ausgeschlossen werden". (APA)

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